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16. Jahrgang | Ausgabe 5727 | Nr. 115
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Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst
 

Bayern gegen Spezialstudiengänge

 

Ingenieurekammer-Bau fordert breit angelegte Ingenieurausbildung. Grundkenntnisse für Eintragung in Fachlisten unverzichtbar. Landesverbände unterstützen Resolution

 

"Employability" als Ziel abgelehnt

Ist gegen die frühzeitige Spezialisierung bei der Ausbildung im Bauingenieurwesen: Heinrich Schroeter, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. Foto: bayika Ist gegen die frühzeitige Spezialisierung bei der Ausbildung im Bauingenieurwesen: Heinrich Schroeter, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. Foto: bayika

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau ist mit der aktuellen Ausbildungssituation ihrer zukünftigen Mitglieder, den Studierenden des Bauingenieurwesens, unzufrieden. Mit einer Resolution wendet sie sich daher aktuell gegen die fortschreitende "Atomisierung der Bauingenieurstudiengänge".

Grund der Resolution sei laut Kammer das Bemühen der Hochschulen, durch zahlreiche Spezialstudiengänge Absolventen zu schaffen, die vermeintlich besser in die Arbeitswelt passen würden und dies mit dem Schlagwort "Employability", also "Beschäftigungsfähigkeit", zu untermauern suchten.

"Ein breit angelegtes, grundständiges Studium ist gerade im Ingenieurwesen unverzichtbar", gibt nun Heinrich Schroeter, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, zu bedenken.

 

Ingenieurekammer beklagt Wegfall der traditionellen Studiengänge

Wer früher Bauingenieur werden wollte, konnte zwischen den drei Studiengängen Konstruktiver Ingenieurbau, Wasser und Verkehr wählen. In allen stand eine breit angelegte Ingenieurausbildung im Mittelpunkt, die die Absolventen durch das Berufsleben tragen sollte. Mittlerweile haben sich die Zeiten und damit die Ausbildungsangebote geändert.

Heute können sich Studierende bereits mit Beginn ihres Studiums für eines von zahlreichen Spezialfächern entscheiden, darunter z.B. Fachrichtungen wie "Infrastructure planning" oder "Baustoffingenieurwesen". Diese Situation hält der Präsident Heinrich Schroeter im Sinne der Branche für wenig sinnvoll.

 

"Spezialisierung nicht zu früh beginnen"

"Es ist ein Irrweg, mit der Spezialisierung zu früh zu beginnen“, warnt Schroeter alle, die sich für eine Karriere im Bauingenieurwesen interessieren. "Natürlich braucht das Bauwesen auch Spezialisten, aber nicht ausschließlich. Ohne Generalisten geht gar nichts", betont er.

Viele neue Studiengänge schmückten sich mit aktuell positiv besetzten Begriffen wie "nachhaltig" oder "ressourcenschonend". Auch dies hält Schroeter für irreführend: "Ein Ingenieursstudium kann die Absolventen nur dann durch ein ganzes Berufsleben tragen, wenn genug Zeit auf das Erlernen der grundlegenden Kenntnisse verwendet wird."

Vielen Absolventen drohe ein böses Erwachen, wenn ihnen wegen fehlender Grundkenntnisse die Eintragung in wichtige Listen verweigert werden müsse. Denn ohne die Eintragung in Listen, wie z.B. die der Nachweisberechtigten für Standsicherheit, seien Absolventen nur begrenzt berufsfähig, erläutert der Kammerpräsident.

 

"Erfolgreiches Berufsleben nur durch grundständige Ausbildung gesichert"

Gerade weil Studierende des Bauingenieurwesens naturgemäß davon ausgehen, während des Studium alles zu lernen, was gebraucht wird, um in diesem Beruf zu arbeiten, böten Studiengänge, bei denen das inzwischen nicht mehr der Fall sei, keine zielführende Ausbildung.

"Im Interesse der Studierenden und der ganzen Gesellschaft fordern wir die Hochschulen dazu auf, wieder zu einer grundständigen Ausbildung im Ingenieurwesen zurückzukehren", so die deutlichen Worte Schroeters.

 

Die Resolution im Wortlaut:

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau fordert eine grundständige, breit angelegte Ausbildung im Studium Bauingenieurwesen. Die zunehmend ausufernde Ausdifferenzierung von Studiengängen muss kritisch hinterfragt werden.

  • Bei einer Einengung auf ein aktuell diskutiertes, zu eng begrenztes Spezialgebiet des Ingenieurwesens besteht die Gefahr, dass die erworbenen Kompetenzen und die zugehörige Berufsbezeichnung aktuell modisch und perspektivisch nicht tragfähig sind.

  • Derzeit gesellschaftlich diskutierte Attribute der Ergebnisse von Ingenieurarbeit dürfen nicht überwiegende oder gar alleinige Inhalte des Bauingenieurstudiums sein. Eine Spezialisierung von Studiengängen lediglich auf Schlagworte wie z.B. die aktuell positiv besetzten Begriffe "nachhaltig" oder "ressourcenschonend" ist weder fachlich sinnvoll noch im Interesse der Absolventinnen und Absolventen.

Der Schwerpunkt im Bachelorstudium muss auf dem Erwerb grundständiger Fähigkeiten und Fertigkeiten der Absolventinnen und Absolventen liegen.

Das Masterstudium dient der vertieften Ausbildung in einem Gebiet des Bauingenieurwesens und befähigt zu einer weiteren Spezialisierung. Es ist keine berufliche Weiterbildung.

Auf der Grundlage einer breit angelegten Ausbildung muss lebenslanges Lernen während der Berufsausübung zur Beherrschung struktureller Wandlungen befähigen.

 

Unterstützer der Resolution der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau:

  • BAB - Berufsverband freischaffender Architekten und Bauingenieure e.V.
  • BDB - Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure e.V.
  • IfKom - Ingenieure für Kommunikation e.V. Bayern
  • VBI - Verband Beratender Ingenieure - Landesverband Bayern
  • VDI - Verein Deutscher Ingenieure e.V. - Landesverband Bayern
  • VIB - Verband der Ingenieurbeamten in Bayern e.V.
  • vpi - Vereinigung der Prüfingenieure für Baustatik in Bayern e.V.
  • ZVI - Zentralverband der Ingenieure im öffentlichen Dienst in Bayern e.V.
 
Quellen und Verweise
Resolution Bauingenieurstudiengänge Bayerische Ingenieurekammer-Bau
 
Kurz-Link zu diesem Beitrag
http://www.bauingenieur24.de/url/700/2772
 
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