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Autor: Ivonn Kappel redaktion@bauingenieur24.de
Herausgeber: bauingenieur24® Informationsdienst

Deutsche Hauspreise im europäischen Mittelfeld

05.10.2005

Preise für neues Wohneigentum sind in Großbritannien und den Niederlanden inzwischen deutlich höher / Wachstumsunterschiede beeinflussen Wohnkaufkraft und Immobilienpreise / Deutschland lockt niederländische Bauherren


Es ist noch gar nicht so lange her, da galt Deutschland zu Recht als Baukosten-Weltmeister. Vor allem Niederländer und Briten wurden als Vorbilder gepriesen, wenn es um preisgünstiges Bauen ging. Doch inzwischen hat sich das Bild grundlegend gewandelt, wie die kürzlich für die Wohnungsbauminister der EU zusammengestellten Daten nach Auskunft von LBS Research zeigen. Während die Hauspreise hierzulande in den letzten zehn Jahren im Schnitt unverändert geblieben sind, verdoppelten sie sich in vielen anderen europäischen Ländern. Die Folge: In Luxemburg, Großbritannien und den Niederlanden sind die Preise für neue Einfamilienhäuser mit 260.000 bis 275.000 Euro sogar rund 20 Prozent höher als in Westdeutschland und fast anderthalb mal so hoch wie in den neuen Bundesländern. In Frankreich kamen Neubauten dagegen jedenfalls 2002 noch günstiger auf den Markt (vgl. Abbildung).


Wie die LBS berichtet, gibt es immer noch keine offiziellen statistischen Daten über Niveau und Entwicklung der Immobilienpreise in Europa. Auch Deutschland verfüge insoweit über keine amtliche Statistik, sondern hier müsse - wie andernorts auch - auf Marktforschungsergebnisse und Erfahrungen von Marktteilnehmern zurückgegriffen werden. Für internationale Übersichten komme erschwerend hinzu, dass Standorte, Gebäudequalitäten und Objektgrößen nicht standardisiert und damit nicht ohne weiteres miteinander verglichen werden könnten.


Für die Perspektiven der Wohneigentumsbildung in Deutschland aufgrund dieser Daten ist eine Schlussfolgerung klar: "Nachdem die Preisunterschiede geringer geworden sind, entfällt auch die letzte Begründung dafür, dass es in Deutschland weniger Wohneigentum als anderswo geben sollte." Die Erklärung für die niedrige Wohneigentumsquote in Deutschland habe vielmehr ihren Grund vornehmlich in der traditionell hohen Förderung des Mietwohnungsbaus.


Dabei gehe es nicht nur um den sozialen Wohnungsbau der Nachkriegsjahrzehnte, sondern auch um die immer noch gültige steuerliche Förderung von Kapitalanlegern, die es in keinem anderen europäischen Land auch nur in annähernd vergleichbarer Form gebe. Demgegenüber setzten alle anderen Länder auf selbstgenutztes Wohneigentum als mit Abstand wichtigsten Bestandteil des Wohnungsmarktes, und überall gebe es deshalb in der einen oder anderen Form steuerliche oder direkte Hilfen für die Wohneigentumsbildung breiter Bevölkerungsschichten. ots