iPhone 3G
bauingenieur24 - Online-Magazin für Bauingenieure 9. Jahrgang | Ausgabe 3268 | Nr. 213
Newsletter oder Jobletter für Bauingenieure abonnieren!
Fachbeiträge -> Massivbau
Autor: Dipl.-Ing. Arno Bidmon
Herausgeber: Wapenhans und Richter - Bausachverständige, Dresden

Schadensbeispiele im Mauerwerksbau - Teil 2/4

03.09.2001

Teil 2 - Durch senkrechtes Abschachten im Bereich der Kellwerwände kam es zu Rissen in den Eckbereichen


3. Schäden durch unkontrollierten Gewölbeschub

Im Zuge von Abdichtungsarbeiten wurden die Kellerwände senkrecht abgeschachtet. Als in den Eckbereichen der Kellerwände Risse auftraten, wurde ein Sachverständiger hinzugezogen. Die Begehung ergab, dass die Endgewölbe nicht rückverankert waren.

Grundriss Kellergeschoss, Abb.: Wapenhans und Richter

Das Mauerwerk wurde sofort gegen horizontale Verschiebungen gesichert. Im Anschluss wurden Spannanker zur Sicherung der Endgewölbe eingesetzt. Historisch bedingt wurden die Tonnengewölbe ohne Rückverankerung der Endfelder gebaut. Eine statische Untersuchung des Problems erfolgte zu damaligen Zeiten i.d.R. nicht. Die Gebäude haben während Ihrer Standzeit mehr oder weniger (abhängig von weiteren Randbedingungen) ihre Standsicherheit nachgewiesen. Ein rechnerischer Beleg für das Sicherheitsniveau liegt nur in den seltensten Fällen vor. d.h., die Größenordnung der Sicherheit ist nicht bekannt. Somit ist sofort die Gefahr vorhanden, dass bei Nutzungsänderung, bei Eingriffen ins Lastabtragungssystem und bei Änderungen der Belastung Schäden am Gebäude entstehen können, da keine, bzw. nur geringe Beanspruchbarkeitsreserven vorhanden sind.


Die Analyse ergab, dass sich infolge dieser Lastsituation die Resultierende nicht mehr im Mauerwerksquerschnitt befand. Somit war also die getroffene Sofortmaßnahme richtig, um weitere Schäden oder möglicherweise einen Einsturz zu verhindern. In der Berechnung wurden die erforderlichen Spannanker (GEWI – Gewindestäbe) errechnet und nachgewiesen. Interessant war, dass die Vertikalrisse auf beiden Seiten der Ecke vorzufinden waren.

Kraftfluß in der Gewölbeschale, Abb.: Wapenhans und Richter

Ein Schnitt durch das Tonnengewölbe soll den Kraftfluss in der Gewölbeschale verdeutlichen. Das mehrgeschossige (KG, EG, OG, Mansardgeschoss und DG) Mehrfamilienhaus befand sich in der Rekonstruktion: Der Fußboden im Erdgeschoss erhielt einen neuen (zusätzlichen) Fußbodenaufbau in der Höhe einer Treppenstufe. Dieser bestand aus 12,0 cm Beton und 5,0 cm Estrich. Die Enden der Tonnengewölbe sind durch Querwände ausgesteift. In der Mitte der Tonne ist diese Steifigkeit nicht mehr vorhanden. Die Aufnahmefähigkeit horizontaler Lasten ist in diesem Bereich von den Vertikallasten und dem Wandquerschnitt des aufgehenden Gebäudes abhängig. Die Nachgiebigkeit des Kämpfer führt sofort zur Lastumlagerung innerhalb der Gewölbeschale. Es bildet sich ein inneres "Kreuzgewölbe" aus.

Kraftfluss in der Gewölbeschale, R = resultierender Gewölbeschub RHX und RHY, Abb.: Wapenhans und Richter

Wird die Beanspruchbarkeit (Schub) des Kellermauerwerkes überschritten, kommt es zur Rissbildungen im Eckbereich des Gebäudes, wie im vorliegenden Fall. Entsprechend dieser Überlegungen gestaltet sich der Sanierungsansatz. Um die künftige Standsicherheit des Gebäudes zu sichern, sind Spannanker einzubauen. Hierbei ist eine Vorspannung in die Spannanker einzutragen, damit die Stahldehnung infolge Beanspruchung nicht zur Nachgiebigkeit des Kämpfers führt.


Quellen und Verweise
Wapenhans und Richter
Teil 3/4
 
Bücher zum Beitrag
   
   
 
weitere Beiträge zu Massivbau
Schadensbeispiele im Mauerwerksbau - Teil 1/4
Teil 1 - Durch unzulässiges Freilegen im Fußbereich der Fundamente kann es zum Grundbruch im Giebelbereich kommen
Hautnah an der Nahtstelle Stahl - Beton
Das Bauschadensrisiko beim Anschluss von Stahlkonstruktionen an Stahlbeton - Eine Bestandsaufnahme mit Lösungsansatz - Der neue ISOKORB KS/QS