München - Handwerk und Bauindustrie klagen nicht nur über sinkende Zahlungsmoral eines Teils ihrer Kunden. Sie klagen auch über die Politik. Im vorigen Jahr verabschiedete der Bundestag neue Regeln mit härteren Sanktionen gegen säumige Zahler. Das gestrige Urteil von Baubetrieben aus Sachsen-Anhalt fällt vernichtend aus: Die Neuregelung sei ein "stumpfes Schwert." Die Zahlungsmoral habe sich weiter verschlechtert
Kunden missbrauchen Betriebe als Sparkasse
Dieser Einschätzung pflichtet auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) bei. Die Situation des Handwerks habe sich in den vergangenen fünf Jahren verschlechtert. 1995 seien im Handwerk noch 6,5 Millionen Menschen beschäftigt gewesen. In diesem Jahr werde die Zahl voraussichtlich auf 5,5 Millionen sinken. "Zu viele Kunden nutzen ihre Handwerker weiterhin regelrecht als Sparkasse, ignorieren Mahnungen und bringen Betriebe in die Gefahr der Insolvenz", beklagt Handwerkspräsident Dieter Philipp. Nur 8,5 Prozent der Betriebe berichten, dass ihre Kunden Rechnungen regelmäßig zum Fälligkeitstag überweisen. So das Ergebnis einer Umfrage unter 1100 Handwerksbetrieben. Schwerpunkt waren dabei Bau- und Ausbauhandwerker. Als weit gehend wirkungslos erweist sich deshalb das Gesetz zur Beschleunigung fälliger Zahlungen. |