Grenzenloser Fahrspass zum kleinen Preis
bauingenieur24 - Online-Magazin für Bauingenieure 10. Jahrgang | Ausgabe 3301 | Nr. 246
Newsletter oder Jobletter für Bauingenieure abonnieren!
Fachbeiträge -> Politik
Autor: Christian Wieg
Herausgeber: bauingenieur24® Informationsdienst

"Was bei Lebensmitteln selbstverständlich ist, muss auch für Gebäude gelten"

21.09.2007

Die Bundesvereinigung der Prüfingenieure (BVPI) fordert schärfere Kontrollen für Brücken


Am Rande der diesjährigen Jahrestagung der BVPI in Weimar, warnte der Präsident Dr.-Ing. Hans-Peter Andrä vor den Folgen zurück gehender Investitionen im Verkehrshaushalt des Bundes. "Es ist fahrlässig, die Investitionen für die Verkehrsinfrastruktur in den kommenden Jahren nicht auf den Bedarfsfall einzustellen und sogar weiter zu kürzen, obwohl eine Sanierungswelle bei den Brücken bevorsteht", so Andrä. Schon heute würden viele Bauwerke nicht ausreichend überprüft und in Stand gesetzt. 15 Prozent der Autobahnbrücken hätten Mängel. Mit Sorge beobachten die Prüfingenieure auch die Diskussion um Gigaliner, die ein zulässiges Gesamtgewicht von 60 Tonnen haben. Andrä bezweifelte, dass herkömmliche Brücken dem kräftig wachsenden Güterverkehrsaufkommen in Verbindung mit Gigalinern standhalten würden. Die bisher noch vorhandenen Reserven bei der Tragfähigkeit und Dauerhaftigkeit der Bauwerke, seien allmählich aufgebraucht.

Skeptisch sieht der BVPI den wachsenden Schwerverkehr und den Einsatz von sogenannten Gigalinern als Belastung für Straßen und Brücken, Foto: Redaktion

Der Rückgang bei der Überwachung von Bauwerken sei in allen anderen Bereichen ebenso festzustellen. Bad Reichenhall scheint vergessen zu sein und Bund, Länder sowie Kommunen kontrollieren immer weniger, erklärte der BVPI-Präsident. 52 Prozent aller Bauwerke, die unmittelbar nach dem Unglück in Reichenhall geprüft worden waren, hatten starke Mängel.


Aber auch im Ein- und Zweifamilienhausbau stieg bei Neubauten die Zahl der Schadensfälle in den letzten fünf Jahren um rund 30 Prozent. Die Ursachen dafür seien immer mehr Pfusch und das Ergebnis des "Deregulierungswahns in Deutschland". Andrä erklärte, dass Baurecht und Verbraucherschutz kein Widerspruch sein dürfte. "Der Staat hat die Verantwortung für Sicherheit. Wer deregulieren will, muss auch sicherstellen, dass die wenigen Vorschriften, die es noch gibt, auch eingehalten werden", so der Präsident.


Das Ziel, Kosten zu sparen und damit auf die Überprüfung und Überwachung vieler Bauten zu verzichten und die Verantwortung auf den Betreiber abzuwälzen, sei ein Irrweg. Hinzu komme ein starker Rückgang bei fachkompetenten Mitarbeitern in den Bauämtern. Die Behörden achteten heute nur noch auf die Einhaltung der Bebauungspläne. Ob das Gebäude selbst überhaupt standsicher ist, werde nicht mehr überprüft. "Gebäudesicherheit darf nicht länger nur noch nach ökonomischen Gesichtspunkten beurteilt werden. Was bei Lebensmitteln selbstverständlich ist, muss auch für Gebäude gelten", so Andrä.


Während in Deutschland die Deregulierung einen "Raubbau an der Qualität betreibt", kopieren immer mehr Nachbarländer das frühere deutsche Prüfwesen. Norwegen beispielsweise hat aus den Erfahrungen mit laxen Bauvorschriften gelernt und die bautechnische Prüfung nach deutschem Vorbild eingeführt.


Bücher zum Beitrag
   
   
 
weitere Beiträge zu Politik
Energieeffizienz von Gebäuden soll weiter steigen
30 Maßnahmen sollen bis 2020 den Ausstoß von Treibhausgasen um 40 Prozent senken
52 Kilometer Autobahn erstmals in privater Hand
Bundesweit erstes PPP-Autobahnprojekt startet an der A 8
HOAI-Broschüre 2008 soll bei der Honorarverhandlung helfen
VBI veröffentlicht Honorartabellen und Orientierungswerte für angemessene Stundensätze