bauingenieur24 - Online-Magazin für Bauingenieure mit Stellenmarkt
11 Jahre [2001-2012] - Online-Magazin für Bauingenieure
11. Jahrgang | Ausgabe 3923 | Nr. 138
Newsletter oder Jobletter für Bauingenieure abonnieren!
Fachbeiträge -> Tiefbau
Autor: Michael Braun
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst

Bewehrte Erde für die Bundesstraße 114 in der Steiermark

17.03.2009

Am 6. Juni 2006 startete der topografisch und geologisch sehr schwierige und technisch herausfordernde Neubau der B114 im Abschnitt Trieben - Sunk in der Österreichischen Steiermark. Exakt 876 Tage später kann der 2.893 Meter lange und 26,8 Millionen Euro teure Neubau für den Verkehr freigegeben werden.


Nach jahrzehntelangem Betrieb im instabilen Hang zeigte die alte Straße in der Steiermark deutliche Schäden - eine Alternative musste her, und das zügig, kostengünstig und zuverlässig. Nachdem zahlreiche Lösungsmöglichkeiten geprüft wurden, entschied sich der Bauherr für den Bau einer neuen Trasse auf der gegenüberliegenden Talseite, die mehr oder weniger parallel zur alten Straßenführung liegt. Das sehr unwegsame Terrain mit extrem steiler Hanglage und die auch an dieser Talseite vorhandene Stabilitätssensibilität schlossen einen Straßenbau mit konventionellen Stützbauwerken aus. Unterschiedliche Varianten wurden untersucht, Machbarkeitsstudien erarbeitet. Alle am Bau der neuen Trasse beteiligten Institutionen entschieden sich aus technischen, ökonomischen und landschaftlichen Gründen dafür, einen großen Teil der neuen Streckenabschnitte auf Kunststoffbewehrter Erde (KBE) zu bauen.

Bis zu 28 m hohe "Kunststoffbewehrte Erde"-Konstruktion verhindert das Abrutschen des Hanges, Foto: Huesker

Die für die Straßenführung erforderlichen übersteilen Böschungen bzw. Stützkonstruktionen aus KBE bestehen aus verdichteten Füllbodenlagen und bewehrenden Geogittern, die letztendlich als entscheidende Tragglieder die Standsicherheit des gesamten Systems gewährleisten. Flexible Geogitter sichern eine qualifizierte vollständige Füllbodenverdichtung. Der Verbund bei den Geogittern wurde optimiert, indem man für den grobkörnigen Füllboden projektspezifisch Geogitter mit einer großen Maschenweite von 70 mm x 70 mm anbot. Die Geogitter sind für solche Aufgaben geeignet, da sie zwar flexibel im Einbau sind und auch rückseitig umgeschlagen werden können; gleichzeitig sind sie aber auch sehr dehnsteif und daher besonders gut geeignet, wenn nur geringste Verformungen zulässig sind. Diese Kombination ermöglichte auch das Herstellen schwieriger, geschwungener Geometrien wie auch die Realisierung zweier 180°-Serpentinen. Letztendlich entstand ein kompliziertes Kombibauwerk: auf der einen Seite duktil und adaptiv, auf der anderen Seite resistent und zur Landschaft passend.


Projektleiter Johannes Köberl erklärt: "Bei der Bauweise werden für den Straßenneubau Dämme errichtet, in die im Abstand von 60 cm lagenweise Geotextilien eingelegt werden. Damit sind Böschungsneigungen bis zu 70 Grad realisierbar. Die so hergestellten Dämme können Verformungen durch Hangbewegungen gut aufnehmen und fügen sich nach erfolgter Begrünung perfekt in die Landschaft ein". Zur Hangsicherung wurden insgesamt sieben der geokunststoffbewährten Stützkonstruktionen, drei Ankerwände und Stützmauern installiert. Außerdem entstanden über den Triebenbach zwei Brücken mit einer Länge von 92 bzw. 42 Metern. Der Neubau beinhaltet auch rund 600 Meter Lärmschutzwände für die betroffenen Anrainer.


Dem Straßenprojekt kommt eine besondere Bedeutung als Verbindung zwischen den Bezirken Liezen und Judenburg sowohl für den Personen- als auch für den Güterverkehr zu. Die Steiermarker Verwaltung zeigt sich zufrieden: "Schon im Zuge einer Baustellenbesichtigung während der Bauarbeiten konnte ich mich über das außergewöhnliche Bauvorhaben, das Mensch und Maschine enorm forderte, informieren. Ich war und bin nach wie vor beeindruckt", erklärt Verkehrslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder.


Bücher zum Beitrag
   
   
 
weitere Beiträge zu Tiefbau
Flüssigabdichtung für Fundamentschutz
Towersafe nennt Triflex seine neue dauerelastische Abdichtungslösung für Turm- und Fundamentbereiche von Windenergieanlagen.
PCC-Mörtel für die Instandsetzung von Abwasseranlagen
Kunststoffmodifizierter Mörtel ist auch in einer schwefelsauren, beton-aggressiven Umgebung beständig
Dichtungsbahnsystem für Trinkwasseranlagen weiterentwickelt
Wenn Beschichtungen nicht ausführbar sind: Dichtungsbahnsysteme eignen sich besonders für Behälter, deren Untergrund nicht mit einer vollflächigen...