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15. Jahrgang | Ausgabe 5395 | Nr. 149
Fachbeiträge für Bauingenieure » Nachgefragt bei
 
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Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst
 

Nachgefragt bei: Jens Schopphoven

 

Jens Schopphoven von der GTM Geotechnik Mittelrhein GmbH - Jeder Bauingenieur tickt in seiner beruflichen Praxis anders. Arbeitsabläufe und Planungen gestalten sich, je nachdem, worauf der Einzelne Wert legt, unterschiedlich. Um den individuellen Eigenschaften erfolgreicher Ingenieure auf die Spur zu kommen und ihre Tipps und Hinweise für den Beruf für alle nutzbar zu machen, heißt es bei bauingenieur24 einmal im Monat Nachgefragt bei ...

 

Dipl.-Ing. (FH) Jens Schopphoven...

Dipl.-Ing. (FH) Jens Schopphoven ist Geschäftsführer der GTM Geotechnik Mittelrhein GmbH mit Sitz in Neuwied. Foto: GTM Dipl.-Ing. (FH) Jens Schopphoven ist Geschäftsführer der GTM Geotechnik Mittelrhein GmbH mit Sitz in Neuwied. Foto: GTM

...ist Geschäftsführer der GTM Geotechnik Mittelrhein GmbH mit Sitz in Neuwied. Das Unternehmen für Beratungen zum Baugrund und zum Grundwasser ging 2011 als eigenständige Gesellschaft aus der Chemisch Technisches Laboratorium Heinrich Hart GmbH hervor und beschäftigt derzeit fünf Mitarbeiter. Das Gespräch führte bauingenieur24-Redakteur Fabian Hesse.

Herr Schopphoven, was fordert Sie gerade besonders in Ihrem Job?

Die tagtägliche Projektbearbeitung ist bei uns weitestgehend standardisiert, sodass es hier aktuell wenig Probleme gibt. Was mich wesentlich mehr beschäftigt und immer wieder sehr viel Energie kostet ist die zu leistende Überzeugungsarbeit in meinem beruflichen Metier.

Ein geotechnisches Gutachten, so wichtig und sinnvoll es ist, wird längst nicht von allen Bauherren als nötig empfunden. Oft kommt es auch vor, dass Berichte von Mitbewerbern, die geotechnische Beratungen deutlich günstiger anbieten, nur lückenhaft und in Kurzform vorliegen, ohne den Regeln der Technik zu entsprechen.

Die Herausforderung ist es, unsere Kunden vor Beginn einer Baumaßnahme von dem Nutzen einer qualifizierten Gründungsberatung zu überzeugen. Gelingt dies nicht, kommen die Leute spätestens dann zu uns, wenn bei den ersten Arbeiten Probleme auftreten. Unter Zeitdruck und manchmal auch im Rechtsstreit, was man sich hätte sparen können, müssen wir dann den "Feuerwehrmann" spielen.

In meiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender der Fachgruppe Geotechnik der Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz versuche ich auch gegenüber anderen Fachplanern aufklärend tätig zu sein, um so zu einer Verbreitung norm- und sachgerechter Projektbearbeitung beizutragen.

 

Wie lange sind Sie schon in der Branche tätig?

Meinen Abschluss habe ich 2001 an der FH in Koblenz gemacht. Danach bin ich über das Thema meiner Diplomarbeit zur Bodenmechanik in den Bereich der Geotechnik gelangt, wo ich bis heute aktiv bin.

Welche Eigenschaften schätzen Sie als Vorgesetzter bei Ihren Mitarbeitern am meisten?

Mir gefällt es immer wieder, wenn sie unseren Kunden zeigen, dass wir verlässlich sind und das uns die Projektarbeit Spaß macht. Dazu gehört speziell in unserem Haus auch die Bereitschaft, bei Wind und Wetter auf dem freien Feld zu stehen und sich bei Bedarf auch schmutzig zu machen. Das ist leicht gesagt, aber nicht immer selbstverständlich.

Für unsere Beratungs- und Auskunftsleistungen benötigen wir zudem fähige Berichterstatter mit korrektem sprachlichen Ausdruck. Die Mitarbeiter sollen sich in unbekannte Tätigkeiten einarbeiten und auch "harte Nüsse knacken" können.

Im Umgang mit den Kunden, die oft Laien sind, müssen unsere Leute Vertrauen schaffen. Oft ist es notwendig, den Familienvater, der in seinem Leben nur einmal ein Haus bauen will, mit seinen Sorgen und Problemen aufzufangen. Gleiches gilt für Besitzer von Gebäuden mit besorgniserregenden Setzungsschäden. Wichtig ist immer auch eine genaue betriebswirtschaftliche Analyse. Es gibt immer Grenzen und wir brauchen nicht jeden Auftrag.

 

Auf wen hören Sie beruflich?

Mein ehemaliger Chef, Dr. Rainer Hart, und ich bilden nach wie vor ein gutes Team. Wir begegnen uns auf Augenhöhe und nehmen den Rat des jeweils anderen ernst. Ein gutes Netzwerk aus befreundeten Kollegen in der ganzen Republik hilft mir außerdem immer wieder, ebenso wie die teilnehmenden Planer der einzelnen Projekte.

Als wichtige Literatur für mein Fachgebiet greife ich immer wieder auf den "Abriss der Ingenieurgeologie" von Helmut Prinz zurück. Eine weitere Referenz der geotechnischen Fachliteratur ist für mich das Grundbau-Taschenbuch in drei Bänden, herausgegeben von Karl Josef Witt.

Welche Technik unterstützt Sie bei Ihrer Arbeit?

Wir verfügen über eine so genannte Terminalserver-Software, welche es ermöglicht, von außen auf den heimischen Büroserver zuzugreifen. Auf Auslandsbaustellen und im Homeoffice ist das sehr hilfreich.

Bei der Büroarbeit unterstützen uns verschiedene Programme für die erdstatischen Berechnungen zu Dämmen, Böschungen, Stützkonstruktionen und Gründungselementen sowie für die Dimensionierung von Versickerungsanlagen.

Der Einsatz von Laptops und Tablets auf der Baustelle, sprich einem freien Feld oder einer Wiese, hat sich als nicht praxistauglich bzw. unvorteilhaft erwiesen. Bodenproben nimmt man nach wie vor am besten mit den eigenen Händen.

 

Welchen Wunsch haben Sie an die Politik?

Leider befinden sich die Honorare für Beratungsleistungen und deren Umfang auch nach der letzten Novellierung der HOAI immer noch im unverbindlichen Anlagenteil. Die Unterlassung der Übernahme in den verbindlichen Teil der HOAI wurde von den politischen Entscheidungsträgern unter anderem damit begründet, dass bisher die "Qualität der Leistungen im Baugewerbe nicht abgenommen" habe.

Es ist traurig, dass hervorragende Arbeit für selbstverständlich gehalten wird, die ordentliche Bezahlung dafür aber nicht. Fast habe ich die Hoffnung, dass sich hier etwas ändern wird, schon aufgegeben.

Wo ich in jedem Fall Verbesserungsmöglichkeiten sehe, ist die Vergabe von Beratungsleistungen durch öffentliche Auftraggeber. Kommunen sollte hier mehr Freiheit eingeräumt werden, das heißt, es sollte nicht zuerst der Preis, sondern die Qualität der Leistung und die Einhaltung der Normen beachtet werden.

Das geltende Europarecht ist hier meiner Ansicht nach recht unflexibel. So können Beratungen noch relativ frei gewählt werden, die dazugehörigen Probebohrungen müssen aber auf Grundlage des Preises vergeben werden. Die Kommunen würden sicher gern auf bewährte Partner zurückgreifen, dürfen es aber oft nicht.

 

Wie sieht Ihre individuelle Weiterbildung aus?

Vor kurzem habe ich ein Seminar zum Thema "Gründung von Windkraftanlagen" besucht. Ich nutze weitere Angebote der Berufsverbände und halte selbst circa zwei- bis dreimal im Jahr Vorträge, beispielsweise zu den Themen Kanalbau oder zu aktuellen Regelwerken. Von Neuerungen der Normen erfahre ich durch entsprechende Fachzeitschriften.

Welchen Ausgleich haben Sie zum Beruf?

Da mein Beruf sehr fordernd ist, bin ich froh, dass meine Frau viel Verständnis für meine Arbeit aufbringt und mich dennoch regelmäßig und gut dosiert ans Abschalten erinnert.

Seit ich selbst Geschäftsführer bin, leidet die Fitness schon ein wenig, da man mehr am Schreibtisch zu tun hat. Gelegentlich bin ich, wie viele andere auch, mit dem Mountainbike an Rhein und Mosel unterwegs.

 
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