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16. Jahrgang | Ausgabe 5666 | Nr. 54
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Arbeitsbedingungen für Bauingenieure in Indien

10 Kommentare | 5213 Aufrufe
| 13. September 2010 - 11:32

Meine Zeit in Afrika scheint erst einmal vorbei zu sein. Mein Arbeitgeber hat mir eigentlich versprochen, mich nach Australien zu versetzen, will seiner Zusage jetzt allerdings nicht nachkommen und hat mir angeboten MD fuer den Bereich Indien mit Sitz in Bangalore zu werden. War irgendwer schon mal dort? Ich habe mich noch nicht entschieden, muss aber spaetestens bis zum 20.9.2010 eine Antwort haben.

* Was fuer ein Gehalt ist realistisch?
* Wie hoch sind die Steuern?
* Krankheiten/Risiken?
* Kriminalitaet?
* Wo muss man wohnen?
* Fahrzeug?

usw., bin fuer alle Antworten dankbar...

Klaus | 27. Dezember 2016 - 15:41

Ich würde gerne als Bauingenieur (Hochbau) nach Indien gehen. Habe jedoch ein paar Fragen diesbezüglich. Gibt es deutsche Baufirmen, die in Indien tätig sind? Wenn ja welche? Hat jemand vielleicht für eine deutsche/westliche Baufirma in Indien gearbeitet? Oder besser gefragt bei welchen Firmen sollte man sich bewerben?

@Ole:
Bei welchem Unternehmen hast du in Indien gearbeitet? Ist die Auftragslage immer noch so gut?

Für eure Antworten im voraus vielen Dank!

Ole | 22. Februar 2012 - 04:45

Hallo Gerd,

ich habe diese Frage gestellt bevor ich nach Indien ging und eigentlich konnte mir damals niemend etwas sagen. Das liegt daran, das es hier fast keine Bau-Expats gibt. Mittlerweile bin ich seit 1,5 Jahren hier und es ist ganz anders als ich mir das vorgestellt hatte. Es kommt darauf an was Du erwartest. Man kommt hier mit sehr wenig Geld aus. Das heisst so 500 EUR/Monat wenn man alleine ist und 800 EUR als Paar sind realistisch. Sollte man nur in 5 Sterne Hotels essen wollen oder auf Top-Brands stehen geht die Summe natuerlich auch in diese Richtung. Als Gehalt sind 6.000 bis 10.000 Euro Brutto / Monat + Auto + Fahrer + Wohnung absolut normal.

Es kommt eben darauf an, was Du machst. Das Geld ist auch eigentlich nicht das, worum Du Dir Gedanken machen solltest. Indien ist nicht so, wie wir es aus den Medien kennen. Insbesondere Delhi ist extrem staubig und im Winter mit 5 Grad doch recht frisch aber dafuer im Sommer mit 45 Grad recht heiss. Kurzfristig kann es sogar waermer werden. Hygiene ist auch anders definiert als bei uns und das Essen stellt auch eine Herausforderung dar. Steuern sind ziemlich genau bei 30 %.

Ole

Gerd | 21. Februar 2012 - 18:06

Bauingenieur-Arbeit in Indien (Dehli) - Vertragsfragen

Hallo,

ich moechte als Hoch-Bauingenieur nach Indien gehen (Dehli), doch fehlen mir noch ein paar Infos. Auf was, ausser auto mit Fahrer und Auslands-KV muss ich achten, und wie ist dort im Vergleich zu Deutschland das Gehalt anzusetzen? Ich will mich jetzt erst einmal bewerben und moechte bei Bewerbungsgespraechen vorbereitet sein. Nicht dass es am Ende so ist : "Okay passt soweit" und dann lande ich da unten in Dehli und komme hinten und vorne nicht aus!

Danke vorab, Gruss Gerd

P.S.: Ich weiss, etwas aehnliches kam schon mal zur Frage, doch komm ich damit irgendwie nicht weiter.

| 16. September 2010 - 20:47

@ Ole: Klar, mache ich gerne wohin soll ich sie mailen....

Konnte den Eintrag nicht mehr finden (ohne großes Suchen....), also etwa 40-50 % mehr als Dein MD in SA (den habe ich gefunden)? Dafür würde ich es dann definitiv machen, sofern das mit dem Housing klar geht. Da wird sich einiges tun in Indien, das hast Du richtig erkannt. Vielleicht lässt du dich in ein paar Jahren dann nochmal abwerben und dann "knallt es richtig".

Ole | 16. September 2010 - 08:08

@Gast: Also das Gehalt ist das doppelte von meinem in Suedafrika. Allerdings war ich hier auch nur Project-Manager. Es ist schon sehr verlockend. Indien ist wohl das China der Zukunft. Das Unternehmen hat 6 Grossprojekte im Auftrag und noch nicht einen einzigen Projekt-Manager dafuer eingestellt. Der Markt Boom dort unwahrscheinlich.

In den naechsten 10 Jahren erwarten die jaehrlich 50% Steigerung. Ich war vor rund 8 Jahren in China, das war damals aehnlich. Die meisten in Deutschland lebenden Bauingenieure koennen das gar nicht nachempfinden. Die Arbeit macht so viel Spass, wenn man mit 10% Gewinn rechnet und nicht mit dem letzten Cent rechnen muss. Ausserdem ist ist schoen zu wissen, das man mit der naechsten Uebergabe nicht gefeuert wird, weil leider wieder mal kein Folgeprojekt da ist. Von Seiten der Arbeitspsychologie ist arbeiten in solchen Umgebungen das Beste was einem passieren kann. Die Schattenseiten von solchen Auslandseinsaetzen sind bekannt. Wenn Du Lust dazu hast, gib mir doch mal Deine Kontaktdaten.

Ole

| 14. September 2010 - 17:16

Hallo Ole,

hört sich eigentlich ganz gut an, was Du schreibst. Habe mal geguckt, Bangalore scheint wohl der Kriminalitätsvorreiter in Indien zu sein, aber ich bin mir sicher nichts gegen Joburg.

Mit Fahrer und Wohnung etc. musst Du mal schauen wo die Wohnung liegt, damit Du nicht Stunden im Verkehr steckst jeden Tag. Da kann man für 15 km schon mal 4-6 h brauchen (nein, habe mich nicht vertippt). Ein paar große Hotels in Reichweite helfen auch für die "Freizeitgestaltung", außerdem haben dort die westlichen Firmen regelrechte "Ghettos" für Mitarbeiter errichtet.

Wenn Dich Tote auf der Baustelle und Einschußlöcher nicht schocken, kann Dir Indien auch nichts anhaben.

Tolles Essen, schöne Frauen, und die Reichen dort lassen es sich auch gut gehen, also mit gutem Package kann man es dort schon aushalten. Das ist wie fast in allen Großstädten der Welt, wenn man flüssig genug ist kann man es aushalten.

Wäre ja wirklich mal neugierig in welcher Größenordnung sich das Angebot bewegt...;-)

Ole | 14. September 2010 - 12:49

@Gast: Also Johannesburg ist schon uebel, mir sterben hier die Leute auf der Baustelle. Meistens sind die schon tot bevor ein Krankenwagen kommt, was auch keinen Unterschied macht, weil Joburg Gen Hospital sowieso niemanden ueberleben laesst. Eigentlich sind die immer Opfer irgenwelcher Infektionskrankheiten in Beziehung zu HIV. Meine Fenster haben Einschussloecher und und und.

Ich denke schon, dass Indien noch ein bischen haerter ist. Nicht wegen der Kriminalitaet, sonder eher wegen der Lebensbedingungen. Das Angebot enthaelt einen Fahrer, Wohnung auf westlichem Standard, Kranken und Lebensversicherung sowie Rueckfluege und 40 Tage Urlaub im Jahr. Bin mir trotzdem nicht sooo sicher, ob das nicht etwas zu heftig ist. Eines ist jedoch sicher, wenn ich nach 2 Jahren fertig bin, kann ich seelenruhig in Rente und das auf relativ hohem Niveau. Anyway vielen Dank fuer Deine Meinung und die Anregungen, vielleicht muss sich beim Gehalt noch mal was tun...

@bauinghel: MD=Managing Director

Ole

bauinghel | 13. September 2010 - 17:35

MD = ?

| 13. September 2010 - 15:33

Hallo Ole,

in Bangalore war ich noch nicht, aber in anderen Teilen Indiens. Ich sage mal was ich weiß (gebe ein paar Eindrücke weiter):

* Indien ist schmutzig und die Menschen zum Großteil sehr arm, aber meist liebenswürdig
* in gewissen Stadtteilen hast Du als Europäer, wenn Du das Fahrzeug oder Gebäude verlässt gleich ein halbes Dutzend Bettler und Kinder am Arm hängen, was mit unter sehr, sehr unangenehm sein kann, gib ein paar Euro und es sind gleich zwei Dutzend (also bloß nicht), diese bleiben auch nicht auf Abstand, sondern sind fast "militant"
* wundere Dich nicht über Säuglinge die unbetreut auf dem Gehweg liegen
* die Preise sind in westlichen Lokalitäten auch auf westlichem Niveau (Mumbai ist bspw. richtig teuer)
* wohnen in Bangalore weiß ich nicht, aber was ich sagen kann, dass das mit Sicherheit ein sehr sensibles Thema ist (Preise in Mumbai sind hier teilweise brutal!), also Vorsicht beim aushandeln
* Wasseraufbereitungsanlage im Haus etc. ist wichtig
* Malaria, Dengue etc.: Es wird oft behauptet in den Städten wäre die Gefahr gering, die Frage ist nur was man unter gering zu verstehen hat, bei direktem Kontakt mit armen Menschen kann man wahrscheinlich alles kriegen was es so gibt, Indien ist eben eines der ärmsten Länder der Welt (für die meisten Menschen dort, nicht wegen des GDP)
* die Bedingungen auf den Baustellen sind meist haarsträubend, war auch schon in SA und das war kein Vergleich, oft Leben die Arbeiter mit Familien auf den Baustellen in übelsten Hütten, manchmal direkt neben der ungesicherten Baugrubenkante mitten im Monsoon
* Gehalt: Ich denke aufgrund der Konditionen die Du dort vorfindest (indische Baustellen sind hardcore, dort funktioniert alles anders, ich weiß dass das weltweit so ist, aber die Bedingungen sind dort echt schwierig) denke ich zwischen SA und Afghanistan, also Expatgehalt für hardcore Bedingungen
* ach so: Indien ist auch ein echt tolles Land ;-), aber Du willst ja keinen Urlaub machen sondern Kohle verdienen...
* ich weiß nicht wie der Verkehr in Bangalore ist, kannste ja leicht googeln, wenn das ähnlich ist wie in Mumbai, brauchst Du ein Auto mit Chauffeur (angeblich ist Bangalore auch auf dem besten Weg zum Moloch), das Dir u.a. jede ernst zunehmende Firma für Indien auch stellen wird, ich weiß hört sich nach Kolonialzeit an, aber so isses
* Kriminalität: Bin ein paar mal nachts zu Fuß durch den CBD in Mumbai, ich mache es nicht mehr, aber es gibt auch Leute die gehen zur SAS (so schlimm wie in Johannesburg ist es aber wahrscheinlich nicht)

Ich hoffe das hilft ein klein wenig.

Ich würde nur mit einem sehr, sehr attraktiven Package da hin gehen, obwohl ich mich jedes mal freue, wenn ich mal eine Woche da bin, aber danach geht´s eben in die Zivilisation zurück.

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