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@Weiser Riese:
Bist du an Berlin gebunden? Interessiert an einem Wechsel?
Grüße PM
@Hornisse:
Das Inserat ist alles andere als repräsentativ. Schau dich mal in Zürich um. Bern geht es wirtschaftlich sehr schlecht und es liegt auf der Grenze zur französisch sprechenden Schweiz, da werden die Löhne schon fast auf französischem Niveau entrichtet.
Der Chef wird seine Gründe haben. Er hat gemeint, dass ich so produktiv arbeiten würde, wie zwei durchschnittliche Berufsanfänger (was ich ja auch bin). Also kommt der Chef unter dem Strich noch immer bedeutend günstiger mit mir, als wenn er sich auf dem Arbeitsmarkt umsehen würde. Der Arbeitsmarkt ist ziemlich ausgetrocknet. Es beklagen sich fast alle, dass man auf dem Markt kaum mehr gute Bauingenieure erhält, ausser man macht Ihnen mit dem Salär einen Anreiz, dass Sie bereit sind die Stelle zu wechseln, so läuft das.
Und ich rate jedem einfach nicht klein beizugeben. Wenn man halbwegs etwas kann, dann findet man innerhalb von zwei Tagen eine neue Stelle. Also lohnt sich durchaus dem Chef klar zu machen, entweder Salär rauf oder man ist schneller weg als er denkt. Spätestens in einem halben Jahr werde ich beim Chef wieder antraben.
@Charly:
Danke für deine Zustimmung. Hier im Forum wird man ja sofort von einer Heerschaft als Lügner und Lobbyist abgestraft, wenn man etwas "Gutes" über den Beruf als Bauingenieur schreibt. Da tut es gut auch mal jemanden auf "seiner Seite" zu wissen. Es liegt in der Natur des Menschen, dass sich immer eher diejenigen zu Wort melden, die unzufrieden sind.
Zum Thema HOAI habe ich letzte Woche in München einen Architekten getroffen, der an der Novellierung zur HOAI 2013 mitarbeitet. Er hat versichert, dass spätestens im Juni/Juli die HOAI 2013 herausgeben wird. Seiner Meinung nach mit deutlichen Verbesserungen.
Er hatte auch seine ganz spezielle Meinung über Kollegen, welche sich auf Sätze deutlich unter den HOAI-Sätzen einlassen und hat auf unterschiedliche BGH-Urteile hingewiesen. Den (öffentlichen) Auftraggebern muss klar sein, dass sie sich oft strafbar machen und eventuell dadurch auch bei Klagen in Bezug auf Planungsfehlern dann oft sehr schlechte Karte haben. Kann jeder mal "googlen"!
Zitat TWP65: "...sondern in der Realität mit 20 Ingenieuren sprechen, die mindestens 15-20 Jahre im Beruf sind. Das ist eine zutreffendere Quelle."
Genau davon würde ich abraten. Eher mit Jungingenieuren sprechen, die 5-10 Jahre Erfahrung haben. Inzwischen ist es oft so, dass Jungingenieure mit 5-10 Jahren Erfahrung mehr verdienen als Kollegen mit 20 Jahren oder mehr an Erfahrung. Traurig ab wahr. Das liegt eben daran, dass ältere Kollegen, die wirklich ganz dunklen Zeiten in der Baubranche mitgemacht haben und teilweise einfach "verlernt" haben zu fordern und still "leiden".
Ich kann jedem nur raten sich mal zu bewerben und einfach zu fordern. Man muss ja nicht wechseln, aber es ist interessant was der Markt im Moment hergibt. Aber TWP65 sagt ja richtig: "Bewerber gibt es viele, die in der heutigen Zeit brauchbar sind ganz wenige. Was heute gesucht wird, sind Ingenieure mit einem großen Erfahrungsschatz und entsprechenden Projekten." Hier stimme ich dir voll und ganz zu. Genau davon hatten wir es schon Monate vorher, dass man sich eben von der Allgemeinheit abheben muss um was zu verlangen. Und das dies eben auch besondere Leistungen und Anstrengungen mit sich bringt. Beispiel Auslandseinsatz.
Allerdings verstehe ich unter Auslandseinsatz, nicht im Ausland bei ausländischen Unternehmen zu arbeiten, sondern für ein Deutsches Unternehmen Projekte im Ausland abzuwickeln. Das ist aber nicht nur bei den Bauingenieuren so, sondern auch bei den Maschinenbauern. Das sehe ich ja bei uns im Anlagenbau ganz genau. Ausnahmen sind im Moment die Elektroingenieure. Die sind hart umworben.
Die ewige Litanei mit der Verantwortung lasse ich nicht gelten. Ein Schulbusfahrer hat in meinen Augen mehr Verantwortung als ein Tragwerksplaner, da der Busfahrer den Bus ganz alleine lenkt und keinen "Prüf"fahrer im Falle eines Falles mit im Boot sitzt. Interessant finde ich allerdings auch wie gut sich Hornisse auf dem deutschen Arbeitsmarkt auskennt, obwohl er seit 2005 (seit 8 Jahren) nicht mehr in Deutschland lebt und arbeitet, sondern in der Schweiz. Dann kommen auch noch solche Aussagen von ihm: "Bei einem 80k (Anm. CHF) Bruttogehalt (welches es für Fachhochschul-Bachelor defakto nicht gibt, selbst in Zürich nicht!)...."
Diese Aussage ist schlichtweg falsch. Ich hatte im Jahr 2005 bereits 80.000 CHF/anno in Zürich, als Dipl-Ing. (FH). Vermutlich war der Beitrag von „Schweizer“ am 31. Januar 2013 - 13:10 an Hornisse gerichtet: "Jedem deutschen Auswanderer in der Schweiz kann ich die Salärbroschüre der Swiss Engineering empfehlen (allenfalls kostengünstiger eine letztjährige Version). Denn ich stelle immer wieder fest, dass Deutsche oftmals keine Ahnung vom Lohn- bzw. Preisniveau der Schweiz haben und so durch ungewolltes Lohndumping auffallen. Ein Ergebnis der Salärbroschüre gibts auch online abzurufen.
http://www.staufenbiel.ch/bewerbung-karriere/gehalt/einstiegsgehalt-ingenieure-und-architekten.html
Ansonsten lassen sich auch Auszüge der Salärbroschüre per google finden. Tabelle: Einstiegsgehälter nach Region. Aufgefallen ist mir sofort der eklatante Unterschied zwischen Fachhochschule und Uni ;-) Wie gesagt habe ich ebenfalls ab 2005 bis 2011 in der Schweiz gearbeitet. Erst als Bauführer und später im internationalen Anlagenbau. Allerdings ab 2007 als Grenzgänger. Bei meinem Wechsel zu einem deutschen Anlagenbauer musste ich keine Gehaltseinbußen einfahren und das bei besseren Arbeitsbedingungen (weniger Wochenarbeitszeit und mehr Urlaub/Feiertage). Also sogar eine Verbesserung.
Auch ich schlage Hornisse ein Treffen vor indem ich alle meine hier getroffenen Aussagen beweisen kann, da ich eben auch im Grenzgebiet zur Schweiz wohne. Nur eben auf Deutscher Seite.
Zitat TWP65:
"Ein Bekannter mit fast 23 Jahren Berufserfahrung hat sich zur Zeit bei einem der größten Ingenieurbüros in Europa auf die Stelle eines Abteilungsleiters beworben. Er kann die Stelle
haben, Gehalt ca. 63000 Euro brutto."
Wenn die Stelle in einer Stadt wie HH, München oder FFM ist, dann ist dieses Gehalt aber anders zu bewerten als in z.B. Dortmund. Trotzdem ist es, egal welche Stadt, natürlich viel zu gering für die enorme Verantwortung und den Stress. Allerdings sind diese Gehälter nunmal die Realitäten, mit denen wirkliche Ingenieure in der wirklichen Welt ausserhalb dieses Forums konfrontiert werden.
Darf man fragen um welche Stadt es sich handelt - oder falls Du das nicht sagen möchtest, um welche Region (hohe/mittlere oder billige Lebenshaltungskosten)?
Komisch, dass ein @Franz schon nach weniger als 6 Monaten eine 5% Gehaltserhöhung bekommt. Das ist, genau wie die Höhe seines geposteten Gehaltes, äusserst ungewöhnlich. Normalerweise wird nach 1 Jahr gemeinsam mit dem Chef geschaut wie es gelaufen ist.
Und der Bereich Tragwerksplanung ist auch in CH ein äusserst hart umkämpfter Markt mit Mikro-Margen (sehr oft zahlen die Büros drauf). Das nur mal so nebenbei bemerkt. Die realen Gehälter sind gemäss folgenden Stellenanzeigen für jeden denkenden Menschen zu erahnen. Franz ist scheinbar, wie auch andere "Spezialisten" hier im Forum, eine absolute Ausnahme.
http://www.bauingenieur24.de/stellenmarkt/stellenangebot/...
Gehaltsbenchmark: 60T Euro = 73-75k CHF für einen Absolventen. Gehaltsbenchmark: ca. CHF 85-90k für einen Tragwerksplaner mit 5 Jahren Berufserfahrung
http://www.careerstructure.com/JobSearch/JobDetails...
Defakto bezahlt man einem @Franz mit seinen 5 Monaten im Job das gleiche Gehalt wie einem erfahreneren Kollegen mit 5 Jahren auf dem Buckel. Ganz grosses Tennis wird hier im Forum gespielt!
@Magnus:
Das sind einseitige Sichtweisen ohne Berücksichtigung der betriebswirtschaftlichen Grundlagen. Fordern kann man viel, ob man auch die entsprechende Leistung bringt steht auf einem ganz anderen Blatt. Darüber hinaus wird hier wieder einmal das Wirtschaftsprinzip - die Nachfrage bestimmt das Angebot - vernachlässigt. Ich habe schon viele Tragwerksplaner in einem Vorstellungsgespräch erlebt, die entsprechend selbstbewußt mit bestimmten Gehaltsvorstellungen angetreten sind. Nach ein paar fachlichen Fragen, war das Selbstbewußtsein und der Gehaltwunsch ganz schnell dahin. Bewerber gibt es viele, die in der heutigen Zeit brauchbar sind ganz wenige.
Was heute gesucht wird, sind Ingenieure mit einem großen Erfahrungsschatz und entsprechenden Projekten. Der kann auch etwas verlangen. Bei den Anderen wird es bei der Wunschvorstellung bleiben. Was glauben Sie denn wird in der Zunkunft für eine Nachfrage da sein? In einem Land in dem viele Bundesländer, Städte und Kommunen faktisch insolvent sind? Da bin ich einmal gespannt. Warum werden denn im gewerblichen Baubereich ausschließlich Arbeitnnehmer aus dem nahen Osten zu Minilöhnen rekurtiert? Und diese Entwicklung soll vor den Planungsbüros halt machen? Wohl eher nicht. Es ist besser etwas globaler zu denken und die Entwicklungen außerhalb des Ingenieurwesens zu sehen, denn diese bestimmen in erster Linie.
@TWP65:
Zitat: "Sei erst etwas bescheiden und zeig erst einmal deine Leistung, dann sehen wir weiter".
Das ist leider der falsche Ansatz! Wenn man erst mal irgendwo angefangen hat, ist es in der Regel schwieriger, Gehaltsforderungen durchzusetzten. Die Vorstellung, das es da den "gütigen und allwissenden" Vorgesetzten gibt, der das Gehalt an die Leistung anpasst, ist etwas naiv. Natürlich muss man mit der Gehaltsforderung in seinem Gehaltsspektrum bleiben, aber hier sollte man immer nach dem oberen Bereich oder sogar etwas höher zielen. Wenn der Arbeitgeber einen haben will, wird er das bezahlen oder zumindest ein Gegenangebot vorlegen.
Die Arbeitsmarksituation ist zur Zeit eigentlich ganz gut, so dass man keine schlechte Verhandlungsposition hat. Übertriebene Bescheidenheit ist eines der Hauptprobleme von Tragwerksplanern. Das gilt nicht nur für Gehaltsforderungen sondern auch für Honorarforderungen. Die Schere im Kopf - mit dem Bezug auf scheinbare Realitäten - ist bei vielen übermächtig.
@Hornisse:
Die Stadt ist FFM. Dazu muss man wissen, dass dieses Angebot 40 Überstunden / Monat beinhaltet, welche nicht vergütet werden. Weiterhin, dass diese Stelle seit August 2012! ausgeschrieben ist!! Das lässt auf die Qualität der meisten Bewerber schließen.
@PM:
Ganz dunkle Zeiten in der Baubranche haben wir wohl jetzt. Wie kommen sonst Stundenlöhne auf den Baustellen von 1 Euro / Stunde (siehe Bericht FR) zustande. Dunkler kann es wohl kaum werden. Die letzten 5 Jahre hat die Baubranche in Deutschland überwiegend von Konjunkturpaketen gelebt, die 2008 realisiert wurden. Nur diese Pakte laufen jetzt aus. HOAI ist ein Papiertiger solange keine zentrale Abrechnungsstelle analog der BVS oder ärztlichen Verrrechnungsstelle geschaffen werden. Bis dahin kann man reinschreiben was man will, der Markt reagiert auf die Nachfrage.
Im Übrigen wurde bereits diskutiert, die HOAI abzuschaffen, da diese wohl nicht EU-konform ist. Wo gibt es im EU-Ausland eine HOAI? Kann also noch kommen. Um ein halbwegs vernünftiges Bild über den Beruf des Bauingenieurs zu bekommen, ist es nicht von Vorteil die eigene Situation auf die Allgemeinheit zu extrapolieren. Vielmehr sollte man sich an dem Durchschnitt orientieren und da sieht es dann etwas anders aus.