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16. Jahrgang | Ausgabe 5694 | Nr. 82
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Stress als Bauingenieur - Wie damit umgehen?

7 Kommentare | 935 Aufrufe
| 20. November 2016 - 16:39

Hallo Kollegen! Ich wollte mal fragen, wie Ihr mit dem zum Teil enormen Stress umgeht. Ich habe gerade wieder eine Phase mit 70 Stunden pro Woche und absurd hohem Stress. Wie geht Ihr damit um, was macht Ihr um abzuschalten? Wie bleibt man auch unter schwierigsten Bedingungen gelassen? Wie vermittelt man den Mitarbeitern, das es auch wieder andere Phasen gibt und wie hält man die Stimmung positiv?

Ich weiß, dass es weder um mein Geld geht noch dass Projekte einen Einfluss auf mein späteres Leben haben werden. Ich werde also weder arbeitslos noch mittellos, wenn irgend etwas schief läuft.

Ole | 11. Januar 2017 - 19:57

Also beim Thema Gehalt habe ich überhaupt keine Probleme. Ich verdiene außergewöhnlich gut und bei uns wird jeder Aufwand vergütet. Die Arbeitszeit ist, wie erwähnt, kein Dauerzustand. Im Moment ist es wieder ruhiger. Es geht mir auch mehr darum mit Leistungsspitzen umzugehen. Wie übersteht man solche Phasen möglichst gut und wie motiviert man die Mitarbeiter und Kollegen. Ich würde die gerne mitziehen, aber viele Menschen geben bereits auf, wenn sie einen Berg an Arbeit sehen, bevor sie angefangen haben.

Bauleitung | 24. Dezember 2016 - 08:48

Ganz ehrlich, der Arbeitgeber hat nur auf das Anspruch, was vertraglich vereinbart ist. Wer dauerhaft mehr arbeitet, verschenkt seine Arbeitskraft. Du bekommst für die Mehrstunden auch nicht Mehrvergütung. Die Bauleiter sollten - statt Nachträge für die Baustelle - lieber Nachträge für sich selbst durchsetzten.

GoGo2016 | 22. Dezember 2016 - 17:13

Also, nach 41 Berufsjahren und vielen Jahren mit >= 70 h/Woche habe ich eine eindeutige Empfehlung:
1. arbeite konzentriert und versuche möglichst effektiv zu sein, denn Dein AG hat ein Recht darauf.
2. gehe spätestens nach 50 h/Woche nach Hause. Wenn Dein AG das nicht akzeptiert, dann ist ihm nicht mehr zu helfen. Dann hat er auch den Knall noch nicht gehört. Such Dir dann einen anderen - ohne Rücksicht auf Verluste.
3. das Schlüsselwort ist "objektive Effektivität". Danach sollten wir streben.

Horschti | 22. November 2016 - 21:38

Warum tust du dir das an? 70 h pro Woche reine Arbeitszeit? Verlangst du das auch von deinen Mitarbeitern? Dann weißt du hoffentlich, dass du dich strafbar machst. Wenn du selbst kein leitender Angestellter bist, dann weist du hoffentlich, dass dein Vorgesetzter sich strafbar macht?

Das beste was du dagegen tun kannst, ist mit sowas aufzuhören. Wenn zuviel Arbeit da ist, muss die Akquisition die Preise hoch schrauben, dass weniger reinkommt oder es muss mehr Personal eingestellt werden. Der Versuch alles auf die Mitarbeiter umzulegen wird scheitern. Bei 70 h hört die Freundschaft auf, sowas darf in 5 Jahren einmal passieren. Mehr als 45 h sind dauerhaft einfach nicht drin. Welcher Ehepartner macht sowas mit?

671 | 22. November 2016 - 15:48

Augen auf bei der Berufswahl. Die Branche der Bauplanung ist so etwas von verdorben. Alle unterbieten sich, um an einen lausigen Auftrag zu kommen. Das System sagt, nimm das knickrige Honorar und prügele deinen Gewinn aus deinen Mitarbeitern raus, liefere deine Pläne pünktlich, weise deine Haftpflichtversicherung nach, wie du das machst, ist dein Problem. Man hört, dass bei der jungen Generation der Öffentliche Dienst hoch im Kurs steht und außerdem nicht nur nach beruflichen "Herausforderungen" - die häufig nichts als Zumutugen sind - gefragt wird, sondern auch, was dafür rüberkommt.

Das ist auch jetzt anders als vor zehn Jahren, vor zehn Jahren konnte man Stress machen, heute geht der Mitarbeiter schweigend an deinen Schreibtisch und legt die Kündigung hin. Wie hält man die Stimmung positiv? - Nichts versprechen, was man nicht halten kann, Nachtrags- und Änderungsmanagement, klare Honorarabmachungen. Insgesamt ist es ja ein Witz, dass sich Bauingenieure und Architekten zwar ihre Zeit (lausig genug) vergüten lassen, aber nicht die Risiken, die sie übernehmen, und auch nicht die Wertschöpfung. Die werden alle erst munter, wenn es keiner mehr macht. Mit den Jahrgängen bis 1980 konnte man das im demografischen Überschwang der 60er Jahre und deren Nachhall machen. Jetzt wird es spannend.

Baumann | 22. November 2016 - 12:32

@Ole:
Ihr Beitrag klingt eine ganze Zeit so, wie es wohl bei einigen Büros fast üblich ist. Nur der Schlusssatz klingt etwas befremdlich. Die 70 h sind auch für kurze Phasen zu viel! Die kann niemand richtig konzentriert und produktiv arbeiten. Bei mir sind es meist 50 h Wochen, darunter geht es selten, darüber vermeide ich mittlerweile, indem ich bei ausgewählten Projekten eine Kurzmeldung per E-Mail auf Anfragen, Planänderungen, Freigaben etc. sende, in der ich mitteile, das die Bearbeitung / Beantwortung eine Woche dauert. Das ist völlig legitim und schafft Klarheit, vermeidet Nachfragen etc. und wer nicht eine Woche warten will, der muss halt früher seine Wünsche äußern ;-)

Bauleiter | 21. November 2016 - 19:35

Ganz ehrlich: Es kommen keine anderen Phasen. Es ist ein hausgemachtes Problem. Da kannst du Yoga oder sonst was machen zum abschalten oder dir einreden, dass es nur Arbeit ist und egal ist, also dass dir privat nichts passiert. Es ändert nichts daran, dass solche Arbeitszeiten nicht gesund sind. Also wenn du nicht ein Jahresgehalt von 90.000 EUR+ hast, überleg dir, ob du dir das weiterhin antun willst oder dich anderweitig umsiehst. Ich glaube die meisten Leute vergessen dass sie nur ein Leben haben. Ich will mich nicht von WE zu WE flüchten, dass ist für mich kein Leben.

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