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16. Jahrgang | Ausgabe 5669 | Nr. 57
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Bauingenieurwesen: Studium an der Uni oder FH?

11 Kommentare | 12296 Aufrufe
| 19. Januar 2010 - 21:08

Ich möchte das Fach Bauingenieurwesen studieren, weiß nur noch nicht ob ich ein FH- oder Uni-Studium bevorzugen soll. Vielleicht kann mir jemand bei meiner Entscheidung helfen und mir sagen, wie groß die Unterrichtsunterschiede und die spätern Einstiegschancen und beruflichen Möglichkeiten sind. Und ob es wirklich so ist das ein Uni-Absolent (beides Master) im Schnitt 400 € mehr verdient im Vergeich zu einem FH-Absolventen. Vielen Dank!

baui-m | 07. Januar 2017 - 12:46

Ich habe nach meinem Bachelor an der FH den Master an einer TU gemacht und bin darüber sehr froh! Der Wechsel war nicht schwer, denn es gab kaum Hürden und der Anspruch, beziehungsweise das Leistungsniveau, war nicht höher oder niedriger als an der FH. Jedoch war das Angebot an Modulen und Einzelfächern um ein vielfaches höher und individuell gestaltbar.

Nach dem Studium musste ich feststellen, dass es erst einmal kaum eine Rolle gespielt hat ob ein Kollege von der FH oder von der Uni kam. Allerdings stelle ich immer wieder fest, dass gerade öffentliche Arbeitgeber, wie zum Beispiel Ämter und Behörden, sehr wohl zwischen FH-Absolventen und Uni-Absolventen unterscheiden und teilweise Karriereschienen für FH-Absolventen schlichtweg nicht zugänglich sind. Das weiß ich unter anderem von ehemaligen Kommilitonen, die diesen Weg eingeschlagen haben. Für meine Noten hat sich bisher noch kein einziger Abreitgeber interessiert. Ich rate dir daher an der Uni zu bleiben.

Pete | 04. Januar 2017 - 17:08

@Felix:
Ich habe gerade mein Masterstudium an der FH abgeschlossen und die Jobaussichten sind zur Zeit sehr gut. Allerdings achten viele Arbeitgeber durchaus auf die Noten im Studium. Ich denke, Uni oder FH ist egal, der Schnitt sollte aber gut sein. Es sei denn, du willst eine Uni-Karriere einschlagen, dann besser an der Uni bleiben. Ob an der FH mit gleichem Aufwand bessere Noten als an der Uni erzielt werden, kann ich nicht beurteilen.

Felix | 04. Januar 2017 - 13:40

Ich studiere im 3. Semester an der Uni. Dazu muss ich sagen, dass es mir nicht unebdingt zufliegt, ich also schon viel lernen muss etc., aber ich auch nicht alles gerade so mit 4,0 bestehe. Jedoch mache ich mir nun etwas Sorgen, was die Abschlussnote betreffen könnte und spiele mit dem Gedanken an eine FH zu wechseln. Nicht, weil ich es für einfacher halte, sondern da es dort etwas langsamer voran geht und mehr auf die Praxis geachtet wird. Kann mir jemand sagen, wie es mit Zukunftsaussichten aussieht, ob Ingenieure von Fachhochschulen evtl. schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben etc.? Was sind eure Erfahrungen? Danke für eure Antworten!

IB | 26. Februar 2010 - 16:19

@Michael:
Hier findest Du einen interessanten Artikel über Vorurteile und Klischees über das Uni- und FH-Studium: http://www.karriere.de/bildung/fh-oder-uni-was-ist-besser-7700/

Nds | 24. Februar 2010 - 13:48

@Bayern

Ich habe an einer FH studiert (an der die Ausbildung sehr breit gefächert war) und befinde mich seit einigen Jahren in der Berufspraxis. Übrigens in einem der von Ihnen benannten "Randgebiete".
Genau die Erfahrungen die Sie mit den FH Absolventen gamacht haben, habe ich mit Uni Absolventen erleben dürfen.
Allein jede Hochschule ist anders. Wie motiviert und "intelligent" bin ich selber. Was möchte ich. Was für Professoren/Dozenten habe ich. Wie fähig sind diese? Alles Dinge die wichtiger sind als das System an sich. Uni oder FH? Es ist müßig darüber zu diskutieren...

Bayern | 24. Februar 2010 - 08:41

Hallo zusammen,

ich habe die Erfahrung gemacht (6 Jahre freiberuflich) dass im Bauingenieurswesen die Wertschätzung der eigenen Arbeit komplett verloren gegangen ist. Das liegt meiner Meinung daran, dass viele Kollegen überzeugt sind, dass eine Software ohne Grundwissen zur Lösung aller bauingenieurstechnischen Probleme führt.

Ich möchte niemanden persönlich beleidigen, aber das Hauptproblem liegt an der Ausbildung an unseren Fachhochschulen. Ich kenne Kollegen die z. B. ohne jegliches Grundwissen in Grundbau und Bodenmechnanik sich eine Software kaufen und damit eine Trägerbohlwand bemessen, dafür 2 h benötigen und die Leistung pauschal für 300 € anbieten und der Meinung sind, das wäre gut bezahlt.

Wissen aber gar nicht, ob sie überhaupt alle erdstatischen Parameter richtig gedeutet haben, Hauptsache ist ein plausibles Ergebnis. Merken jedoch erst nach der Prüfung durch einen Prüfingenieur, dass sie fachlich überfordert sind. Dass diese Leistung ein wenig Fachwissen in Grundbau erfordert, wissen die wenigsten, Hauptsache Geld verdient.

Wie will so ein Kollege bei der nächsten Anfrage durch den Kunden deutlich machen dass die ähnliche Leistung jetzt das fünffache kosten soll, weil deutlich mehr Zeit benötigt wird als angenommen.

Das war jetzt nur ein Beispiel. Was ich damit sagen will ist dass sehr viele Kollegen mit FH-Abschluss zu oft Leistungen mit anbieten, welche für sie Neuland sind (Grundbau, Baudynamik, Bauphysik), weil Sie ihre fachliche Beschränktheit nicht erkennen. Die Kalkulation erfolgt dann unter dem Motto "das wird ja nicht so aufwendig sein" und machen damit die Preise für nicht 0815 Arbeit kaputt.

Diese Kollegen merken dann gar nicht wie viele Fehler sie produzieren, boxen die Arbeit durch den Prüfstatiker oft ohne wesentliche Nachweise, lediglich durch nicht nachgewiesene Maßnahmen.

Ich habe an einer Uni studiert. Konstruktiv im üblichen Wohnungsbau bin ich heute den FH Absolventen unterlegen. Aber an der Uni wurde uns ein deutlich breiteres Fachwissen vermittelt. Dieses breite Wissen fehlt den meisten Kollegen von der FH. Das versuchen viele aus Zeitmangel nicht durch Fortbildung, sondern durch nicht beweisbare Annahmen und den Zukauf von Software zu kompensieren.

Diese Kollegen ziehen durch ihre Preise oft komplexe Ingenieursleistungen in die Lächerlichkeit. Bitte, ich möchte niemanden beleidigen, aber das sind meine Erfahrungen die ich mit Kollegen gemacht habe. Diese Kollegen, die sich angeblich alles mühelos aneignen, verlieren durch ihr Handeln und ihre Kalkulationen komplett die Wertschätzung komplexer Ingenieursarbeit.

Zusammenfassend sei gesagt, an einer FH lernt man Beruf mit beschränktem Fachwissen, welches aber sofort einsetzbar ist. An einer Uni studiert selbständig ein Fachgebiet mit breitem Spektrum.

Bin gespannt auf Reaktionen.

| 12. Februar 2010 - 21:24

Unterschied: auf der FH hat der Prof. mit uns geübt, auf der UNI ein Assistent, da Vo und Ue strikt getrennt waren. Auf FH Skript, auf UNI Mitschrift und Buch. Stoff: gleich, Prüfung: auf FH hat die Prüfung viel mehr mit der Übung zu tun.

Eindruck: auf der FH hat es mich mehr gefreut (skript, gelöste Übungsbeispiele, Prof. persönlich)

ABER: auf der FH wird viel SCH.... wie Persönlichkeitsbildung gelehrt und in Summe wurde so ein Semester vom Guten weggefressen! Zahlt doch die Psychologen dafür dass sie draussenbleiben!

| 03. Februar 2010 - 21:59

Dank Master sind FH- und Uni-Absolventen bei Vater Staat mittlerweile gleich gestellt ;)
Promotion müsste mit dem Master an der FH theoretisch auch möglich sein, allerdings dürfte es hier um einiges schwerer werden, einen Doktorvater zu finden.

Noch ein Gast | 03. Februar 2010 - 12:24

"In meinem aktuellen Job bin ich den Uniabsolventen in Wissen und Anwendung meilenweit voraus."
Das klingt aber nicht gerade bescheiden.......fast schon arrogant möchte man meinen.
Hoffe, Du vergleichst damit nicht Deinen aktuellen Wissensstand mit mittlerweile 2-3 Jahren Berufserfahrung und den eines frischen Uni-Absolventen.

Letztenendes hängt das meiste von individuellen Voraussetzungen wie Intelligenz/Veranlagung/Verstand, Fleiß, "Wissensdurst" usw. ab. Daneben hängt es aber auch von den Profs und Assistenten ab, also was/wieviel diese einem Beibringen (wollen und "Können" - großes K!).
Ich behaupte jetzt einfach mal plakativ, dass ein FH Aachen-Absolvent wissenstechnisch durchaus mit einem Uni Duisburg/Essen--Absolventen mithalten bzw. gar übertreffen kann.
Aber wie gesagt, hängt das von so vielen Einflußfaktoren ab, dass man kein Pauschalurteil fällen kann.

Interessant kann der Unterschied u.U. bei später geplanter Übernahme in den Staatsdienst sein. Genaue Details weiß ich aber nicht. Dann gibt es noch den Aspekt der Promotion, wobei es über Umwege wahrscheinlich auch für FH-ler gehen müsste.

Equilibrium | 27. Januar 2010 - 20:24

Hallo Michael,

ich stand nach dem Abitur vor der gleichen Frage: Soll ich an die Uni oder an die FH gehen? Ich habe mich für die Uni entschieden und diesen Schritt nie bereut. Dem Beitrag von Gast (vom 22.01.10) kann ich nach mittlerweile 10 Jahren Berufserfahrung größtenteils nur widersprechen:

1. Uni-Absolventen verdienen (im Durchschnitt) sehr wohl mehr Geld als FH-Ingenieure. Dies ist im öffentlichen Dienst und in der Wirtschaft so. Große Baufirmen z. B. stellen im Unterschied zu den meisten kleineren Unternehmen oft noch nach Tarif ein. In allen mir bekannten Fällen gilt die Faustregel: Ein FH-Absolvent bekommt AVI und ein Uni-Absolvent bekommt AVII. Das macht meines Wissens ca. 400 bis 500 Euro beim Berufsstart aus (siehe Tarifvertrag). Diese Differenz kann sich oft im weiteren Berufsleben durchaus noch vergrößern. Dass zwischen Uni- und FH-Ingenieuren Chancengleichheit besteht, ist eher Wunschdenken von FH-Studenten.

2. Zusätzlich haben FH-Ingenieure das Problem, dass sie oft als weniger "karriereorientiert" gelten. Bei meinem Arbeitgeber werden FH-Ingenieure zum Teil auch als Konstrukteure eingestellt und arbeiten im Prinzip als Bauzeichner. FH-Ingenieure müssen oft länger auf Beförderungen warten und werden auch in Hinblick auf Gehaltserhöhungen benachteiligt. Von einem FH-Ingenieur erwarten Firmen nicht zuletzt, dass er für überschaubares Gehalt sich regelmäßig wiederholende Aufgaben routiniert und schnell löst. Das heißt dann leider auch, dass komplexere und damit oft auch spannendere Aufgaben eher bei Uni-Ingenieuren landen.

3. Gerade kleinere Ingenieurbüros suchen oft tatsächlich bewusst FH-Absolventen, weil diese in den ersten Wochen nach Arbeitsbeginn schneller und sicherer im Lösen von einfachen Routineaufgaben sind und in Gehaltsfragen bescheidener sind. Wer dies als Vorteil sieht, mag sich für die FH entscheiden. Wer an seine Karriere höhere Ansprüche stellt als einen möglichst einfachen Einstieg, sollte sich meiner Meinung nach eher für die Uni entscheiden.

4. Da dieses Thema (Uni vs. FH) sehr emotional belastet ist, werden sich nach mir noch viele User melden, die meinen Beitrag anhand von Einzelbeispielen widerlegen möchten. Daher möchte ich schon mal vorab anmerken: Selbstverständlich kann man mit einem FH-Diplom oder neuerdings Master auch(!) Karriere machen. Aber wer nach dem FH-Studium beruflichen Erfolg hatte, wäre wohl kaum durch einen Uni-Abschluss daran gehindert worden. Umgekehrt sieht die Sache meiner Meinung nach allerdings anders aus.

5. Nichtsdestotrotz gilt meine Empfehlung für das Uni-Studium natürlich auch nur unter der Voraussetzung, dass man als Abiturient auch die Eignung dafür mitbringt. Wer in der Schule bereits Schwierigkeiten mit Mathematik hatte, dem ist die Uni nur bei einer großen Portion Fleiß und Disziplin zu empfehlen.

| 22. Januar 2010 - 09:54

Ich habe an einer FH Bauingenieurwesen studiert und mit Diplom 2007 abgeschlossen. Momentan arbeite ich an einem Institut einer Uni und habe auch hier etwas Einblick in die Studieninhalte erhalten. Ich denke man kann die Studiengänge an einer Uni oder FH nicht unbedingt direkt vergleichen. Unsere FH-Ausbildung war sehr praxisorientiert und wir wurden für den Arbeitsalltag sehr gut vorbereitet. Auf einer Uni sind die Lehrinhalte sehr theoretisch gehalten. In meinem aktuellen Job bin ich den Uniabsolventen in Wissen und Anwendung meilenweit voraus.
Zum Verdienst: Aktuell verdient ein Uniabsovent gegenüber eines FH-Absolventen ca. 400 bis 600 Euro mehr im öffentlichen Dienst. In der freien Wirtschaft werden da meist keine Unterschiede gemacht. Vielmehr sind die FH-Absolventen in der freien Wirtschaft in der Regel höher angesehen (kürzere Einarbeitungszeiten etc.) Wie es sich in Zukunft mit dem Master verhält, kann keiner so genau sagen. Eigentlich müßte eine FH-Master im öffentlichen Dienst geonauso viel verdienen wie ein Uni-Master. Da streiten sich aber noch die Gelehrten.
Alles in allem kann ich ein FH-Studium empfehlen, auch im Hinblick auf Vorlesungszeiten und Freizeit.

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