Berlin: Wohnungsneubau geht stark zurück

Verfasst von: Fabian Hesse
Veröffentlicht am: 6. Dez. 2019
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# 10.12.2019

Genehmigungen für Mehrfamilienhäuser in der Hauptstadt um 21,1 Prozent gesunken. Bauindustrie kritisiert Regulierungsmaßnahmen der Politik. Vorstand der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben sieht Hamburg als Vorbild

Knapp zwei Prozent weniger Baugenehmigungen bis September

Das Gebäudeensemble
Das Gebäudeensemble "Komplex Leipziger Straße" wurde in den 1970er-Jahren in Berlin errichtet. Derzeit tut man sich in der Hauptstadt mit dem Wohnungsneubau schwer. Foto: Jan Köhler / Pixelio

Die derzeit gut ausgelasteten Bauunternehmen könnten in naher Zukunft etwas Entspannung erfahren. Dies wäre eine positive Lesart der aktuellen Entwicklung, allein, die Bauindustrie betrachtet das Ganze mit Sorge. Doch worum geht es genau?

Laut Statistischem Bundesamt wurde in den ersten drei Quartalen 2019 der Bau von 130.680 Neubauwohnungen in Mehrfamilienhäusern genehmigt, was 4.660 Wohnungen bzw. 3,4 Prozent weniger als im vergleichbaren Zeitraum des vergangenen Jahres bedeutet.

Insgesamt erfolgten im gesamten Bundesgebiet Baugenehmigungen für den Neu- und Umbau von rund 258.000 Wohnungen, ein Rückgang von 1,9 Prozent bzw. 4.940 Wohnungen. Im September stieg der Wert wieder um 3,4 Prozent an.


Bauindustrie: Mietendeckel sorgt für Verunsicherung

"Unsere Befürchtungen, dass die Zunahme an Regulierungen den Investitionen schaden, haben sich bewahrheitet", lautet die Reaktion des Hauptgeschäftsführers des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Dieter Babiel, auf diese Zahlen. Für ihn ist die Situation in der Bundeshauptstadt besonders alarmierend. In Berlin sind die Genehmigungen von Neubauwohnungen in Mehrfamilienhäusern um satte 21,1 Prozent eingebrochen.


Bundesimmobilienanstalt will 2.500 Wohnungen bauen

Nach Inkrafttreten des sogenannten Mietendeckels werde die Situation sicher nicht besser, mutmaßt der Bauexperte und konstatiert: "Gesetze zur Mietenbegrenzung schaffen keinen neuen Wohnraum." Für Babiel sei unklar, wo die zukünftigen Mitarbeiter der Unternehmen, deren Ansiedlung in Berlin und Umland gefördert werde, wohnen sollen.


BImA-Vorstand nennt Hamburg als Positivbeispiel

Deren Vorstandssprecher Christoph Krupp bezog bereits vor einem Jahr in einem Interview mit dem Tagesspiegel Stellung in Bezug auf relevante Maßnahmen für mehr Wohnraum in den deutschen Metropolregionen und nannte dabei Hamburg als Vorbild, das seit 2011 fast 70.000 Baugenehmigungen auf den Weg gebracht habe.


Wohnungsbündnis zwischen Senat und Immobilienwirtschaft erfolgreich

Der zweite Punkt sei laut Krupp ein "Bündnis fürs Wohnen" zwischen dem Stadtsenat und den Verbänden der Wohnungswirtschaft, darunter die städtische Wohnungsbaugesellschaft, die Genossenschaften und die freien Wohnungsbauunternehmen.