Zum Hauptinhalt springen

Echelsbacher Brücke: Gründe und Formen der Betoninstandsetzung eines historischen Ingenieurbauwerks

Verfasst von: Fabian Hesse
Veröffentlicht am: 2. Aug. 2023

Bogenbrücke überquert Ammerschlucht entlang historischer Römerstraße

Die 183 Meter lange Echelsbacher Brücke im Südwesten Oberbayerns ist aus mehreren Gründen bemerkenswert. Zum einen war das 1929 fertiggestellte Bauwerk damals mit 130 Meter Bogenspannweite die weitest gespannte Melan-Bogenbrücke der Welt. Namensgeber dieser Bauweise war der österreichische Bauingenieur Joseph Melan (1853-1941).

Ammerbrücke_neu
Bild 1: Oberhalb des historischen Melan-Bogens der Echelsbacher Brücke (grau) wurde von 2017 bis 2021 ein Ersatzneubau der Fahrbahn (türkis) hergestellt. Grafik: Hermann Weiher c/o matrics engineering GmbH / StoCretec

Zum anderen bedeutete die Querung über die Ammer und das gleichnamige Tal eine enorme Erleichterung für den Transport von Waren und Gütern über die Alpen. Die historische Bedeutung der Route zeigt sich unter anderem durch die nachweisliche Existenz einer befestigten Römerstraße durch die Ammerschlucht. Auslöser für den Bau der Brücke waren nicht zuletzt auch die Vorbereitungen für die großangelegten Oberammergauer Passionsspiele im Jahr 1930.

Undichter Beton macht wiederholte Brückensanierungen notwendig

Um die durch das Bauunternehmen Hochtief aus 3.300 Kubikmeter Beton und 500 Tonnen Eisen errichtete Brücke zu erhalten, fanden in den Jahren 1963/64, 1973/74 und 1983/86 Sanierungen statt. Doch auch danach drangen weiter Feuchtigkeit und in Wasser gelöste Schadstoffe in die Bausubstanz.

Die daraus resultierenden teils massiven Schäden an der Brücke, die von abgeplatztem Beton, über Hohlstellen bis hin zu korrodiertem Bewehrungsstahl reichten, wurden auf eine ungenügende Dichtheit des Betons aus der Erbauungszeit zurückgeführt. Im März 2014 wurde schließlich eine erneute Sanierung beschlossen (siehe unten "verwandte Links"). Das zuständige Staatliche Bauamt Weilheim beauftragte dafür die Strabag AG als Generalunternehmerin, die Dr. Schütz Ingenieure aus Kempten sowie die Kolb Ripke Architekten aus Berlin wurden mit der Planung betraut.

Jüngste Sanierung: Denkmalgeschützter Brückenbogen dient als Schalungsträger

Die denkmalgeschützten Bögen sollten dabei erhalten, Widerlager, Steher und Fahrbahn hingegen neu gebaut werden (siehe Bild 1). Während der Bauarbeiten rollte der Verkehr der Bundesstraße 23 mit etwa 10.000 Fahrzeugen täglich über eine Behelfsbrücke vom Typ SS-80, die als größtes Provisorium seiner Art in Deutschland gilt.

Ammerbrücke_Sanierung
Bild 2: Bei der jüngsten Sanierung der Echelsbacher Brücke (2017-2021) wurde der denkmalgeschützte Melan-Bogen als Rüstträger für die Schalung des darüberliegenden Ersatzneubaus genutzt. Foto: KeimRic / Wikimedia

Neben dem Denkmalschutz galten bei dem Sanierungsprojekt hohe Anforderungen an den Artenschutz, da im Inneren des Brückenbogens eine Fledermauskolonie lebt. Dessen ungeachtet konnte der Bogen als Rüstträger für die Schalung des Ersatzneubaus genutzt werden.

Fahrbahnneubau mit Betonersatzsystemen realisiert

Aufgrund der Randbedingungen entschieden sich die Planer für das "Instandsetzungsprinzip W". Realisiert wurde dies mit den Betonersatzsystemen der StoCretec GmbH. Die Instandsetzung begann mit der vollständigen Entfernung der Altbeschichtung bis fünf Millimeter Schichtdicke und dem Betonabtrag an den Schadstellen.

Das freigelegte Stahlfachwerk und die Bewehrung erhielten einen mineralischen Korrosionsschutz. Anschließend wurde eine Haftbrücke appliziert und mit sogenanntem M3-Mörtel manuell sowie im Nassspritzverfahren reprofiliert. Seit Ende 2021 fließt der Verkehr über die neue Fahrbahn. Die Behelfsbrücke wurde 2022 zurück gebaut.