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Elmar Hohlweg (Ramboll): Wir haben inzwischen eine eigene KI-Abteilung

Verfasst von: Redaktion
Veröffentlicht am: 27. Juni 2024

Elmar Hohlweg verantwortet den Bereich Hochbau der Ramboll Deutschland GmbH mit Standorten in München, Berlin und Hamburg. Ramboll ist eine stiftungsgeführte Ingenieur-, Architektur- und Management-Beratungsgesellschaft mit dänischen Wurzeln. Das Unternehmen beschäftigt weltweit mehr als 18.000 Mitarbeitende, 1.100 davon in Deutschland. Im Bereich Hochbau (Buildings) sind mehr als 50 Fachkräfte in den Sparten Tragwerksplanung, nachhaltige Gebäude (Sustainable Buildings), Gesundheitslogistik (Healthcare Logistics), Brandschutz und zukünftig in der technischen Gebäudeausrüstung (TGA) tätig.

Herr Hohlweg, was fordert Sie aktuell besonders in Ihrem Job?

Eine meiner Aufgaben besteht in der Förderung der interdisziplinären Zusammenarbeit unserer Mitarbeitenden aus den Bereichen Tragwerk, Brandschutz, Architektur, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Der frühzeitige Einbezug von Nachhaltigkeitsaspekten in die Gesamtplanung birgt gerade hinsichtlich der Tragwerksplanung ein enormes Einsparpotential bei den CO2-Emissionen.

Da 40 Prozent der weltweiten CO2 Emissionen in der Bauindustrie entstehen, haben wir hier alle eine große Verantwortung, diese Emissionen in Bau und Betrieb schnell zu senken. Durch Renovierung statt Neubau ergibt sich ein Einsparpotential bei den CO2-Emissionen von bis zu 45 Prozent gegenüber einem Neubau mit Abriss des Bestandsgebäudes. Wir haben dies in einem eigenen, öffentlich einsehbaren Report zur Transformation im Hochbau bzw. im Gebäudebereich nachgewiesen.

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Elmar Hohlweg verantwortet bei Ramboll Deutschland den Bereich Hochbau mit den Sparten Tragwerksplanung, nachhaltige Gebäude, Gesundheitslogistik, Brandschutz und TGA. Foto: Ramboll

Ramboll transformiert die Branche mit wirtschaftlichen, effizienten zirkulären Ansätzen und hat sich hier eigene Benchmarks für Emissionen, die sich jährlich verringern und deren Umsetzung in den Projekten eines unserer Ziele ist, gesetzt. Gemeinsam mit unseren Kunden und Partnern aus Industrie und Forschung untersuchen wir neue Wege, sowohl hinsichtlich der Materialität als auch in der Konstruktion. Durch zirkuläres und regeneratives Design, intelligente Energieeffizienzmaßnahmen und Off-Site-Konstruktion sind wir in der Lage, CO2-Emissionen im Bau drastisch zu reduzieren.

Wir sind branchenführend in der Verwendung nachhaltiger Materialien, beispielsweise im Bereich Holzkonstruktionen. Im Dialog mit unseren Kunden arbeiten wir daran, das wirtschaftliche Potenzial des zirkulären Bauens zu heben, um dadurch Emissionen zu senken und die Kreislaufwirtschaft in der Baubranche voranzutreiben.

Wie lange sind Sie schon in der Branche tätig und warum? Was war Ihr bisheriger beruflicher Höhepunkt?

Im Bereich der Gebäudeplanung bin ich inzwischen seit mehr als 25 Jahren tätig. Ausgangspunkt bei der Wahl meines Studiums wie auch im gesamten Berufsleben war der Umweltschutz. Projekte auch unter der Prämisse der Reduzierung schädlicher Umwelteinflüsse zu lösen, ist mir ein grundsätzliches Anliegen. Dabei ist es mir wichtig, die konkrete Umsetzung von Nachhaltigkeitsaspekten im Projekt voranzutreiben.

Die Anwendung gewerkeübergreifender energiesparender TGA-Konzepte, wie zum Beispiel die Kombination reversibler Wärmepumpen mit als Kältepuffer genutztem Löschwasser aus einem Sprinklerbehälter, die geschickte Kombination von Holz- und Stahlbeton in der Tragwerksplanung zur Reduzierung der CO2-Emissionen oder die konsequente Anwendung von BIM zur frühzeitigen Berechnung des CO2-Äquivalents bei der Bewertung nachhaltiger Gebäudevarianten, sind Ergebnisse, die mich bestätigen.

Welche Wege geht Ihr Unternehmen in punkto Personalgewinnung?

Wir glauben an Bright Minds und Sustainable Change, also an helle Köpfe und nachhaltigen Wandel. Darin steckt alles, was Ramboll als Arbeitgeber ausmacht. Ein klarer Fokus auf Nachhaltigkeit und Sinnhaftigkeit (vgl. No more Bullshit - Fachkräfte im Bauwesen wollen sinnvoll beschäftigt sein; Empfehlung d. Red.) gepaart mit Kompetenz und Perspektive, das ist es, was uns von anderen unterscheidet.

Als Unternehmen mit dänischen Wurzeln haben wir traditionell flache Hierarchien. Da wir stiftungsgeführt sind, können wir unabhängiger agieren. Wir investieren in viele soziale Projekte und sind den nachhaltigen Unternehmenszielen sowie der Gleichbehandlung verpflichtet.

Unsere Mitarbeitenden arbeiten international und fachübergreifend an nachhaltigen renommierten Projekten. Dies bietet potenziellen Bewerbenden attraktive Perspektiven. Aus der Kombination unserer Möglichkeiten als großes wertefestes Unternehmen mit internationalem Tätigkeitsfeld können wir sowohl jungen Berufseinsteigern wie auch erfahrenen Fachkräften einen individuellen Karrierepfad anbieten.

Bitte vervollständigen Sie den Satz: "Um erfolgreich zu planen und zu bauen kommt es in Zukunft darauf an, dass..."

...wir Gebäude über ihren gesamten Lebenszyklus betrachten und erfahrene, interdisziplinäre Planungsteams und innovative digitale Tools wie BIM und KI für eine beschleunigte digitale Transformation frühzeitig einbinden. Bei Ramboll gilt dabei unser zentraler Ansatz renew anstatt rebuild, also erneuern statt neu bauen.

In welche digitale Technik investiert Ihr Unternehmen?

Wir denken alle unsere Projekte ganzheitlich, deshalb arbeiten wir im Bereich Hochbau auch mit den Fachkräften aus Architektur, Stadtplanung und Energie zusammen. Derzeit haben wir verschiedene Initiativen, unter anderem in den Bereichen regeneratives Design sowie Klimaanpassung in der Stadtentwicklung. Unsere Lösungen hier heißen Green Scenario und IPSUM.

Der letztgenannte Begriff bezeichnet eine BIM-basierte Datenbank, mit der unsere Kunden ihre gebäudeimmanenten CO2-Emissionen berechnen können. Wir arbeiten zudem an der Weiterentwicklung im Computational Design und vereinheitlichen unsere Software, um interdisziplinär arbeiten zu können.

KI und verwandte Technologien werden die Art und Weise, wie wir nachhaltigere Designs und Lösungen für unsere Kunden entwickeln und bereitstellen, grundlegend verändern. Wir haben intern die wichtigsten Möglichkeiten identifiziert, die sich durch KI ergeben und haben nun bei Ramboll eine eigene Abteilung, die für den Einsatz von KI zur Beschleunigung unserer Arbeit im Bereich Innovation und der digitalen Transformation verantwortlich ist.

Welchen Wunsch haben Sie an die Politik?

Von der Politik wünsche ich mir zukunftsgerichtete, langfristige Entscheidungen für mehr Planungssicherheit. Darüber hinaus bin ich für weniger Polemik und mehr fachliche Tiefe bzw. mehr parteienübergreifende Konsensbereitschaft zur Sicherstellung einer breiten gesellschaftlichen Akzeptanz und zum Erhalt unserer lebenswerten und resilienten Umwelt.

Die Natur, und der Mensch als Teil derselben, sollten in den Mittelpunkt von Entscheidungen gestellt werden. Dadurch wird sichergestellt, dass die Klimaziele nicht außer Acht gelassen werden. Auch wünsche ich mir mehr Mut zur Umsetzung auch unbequemer Entscheidungen.

Wie sieht Ihre individuelle Weiterbildung aus?

Als Ingenieur lerne ich nie aus. Ramboll bietet mir durch den Austausch mit unseren zahlreichen auch internationalen Experten vielfältige Möglichkeiten, mich weiterzuentwickeln und neue Lösungsansätze zu beleuchten.

Zusätzlich sind unsere Verbindungen zur Forschung wie zur Industrie eine ständige Quelle für innovative Inspiration. In Zukunft wird auch KI in unseren Prozessen immer tiefer verankert werden, wodurch auch ich meine Arbeit optimieren kann.

Wofür begeistern Sie sich nach Feierabend?

Die Gemeinschaft mit Familien und Freunden erfüllt mich. Hinzu kommt der Sport, nicht nur in der Freizeit, als Ausgleich. Beides stärkt meine Gesundheit. Sehr gerne bin ich dabei mit dem Fahrrad unterwegs.