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Handel mit Wohnungen erreicht Finanzkrisenniveau

Verfasst von: Fabian Hesse
Veröffentlicht am: 3. Aug. 2023
Kategorie:

Zahl der Transaktionen so gering wie zuletzt 2010

In Deutschland lahmt aktuell nicht nur der Wohnungsbau sondern auch der Handel mit Wohnungen. Im ersten Halbjahr 2023 wechselten lediglich vier Mietwohnungsportfolios ab 800 Einheiten mit einer Gesamtsumme von 10.000 Wohnungen den Besitzer. Sowohl die Zahl der Transaktionen als auch die Zahl der gehandelten Wohnungen waren damit so niedrig wie zuletzt während der Finanzkrise 2009 und 2010.

BBSR_Wohnungsmarkt
Im ersten Halbjahr 2023 wechselten in Deutschland deutlich weniger Mietwohnungsportfolios ab 800 Einheiten den Besitzer als in den Jahren zuvor. Grafik: BBSR Bonn

Lediglich ein Portfolio (Share Deal zwischen der Vonovia SE und Apollo Global Management) umfasste mehr als 5.000 Wohnungen; bei drei Transaktionen lag die Zahl zwischen 800 und 2.000. Hier traten zwei deutsche Privatunternehmen und eine Aktiengesellschaft als Verkäufer in Erscheinung.

Privatwirtschaft bestimmt Wohnungsmarkt weiterhin

Auch beim Handel mit kleineren Wohnungspaketen zwischen 100 und 800 Einheiten bewegte sich wenig. In den ersten sechs Monaten des Jahres erfasste das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hier 20 Transaktionen mit insgesamt 4.000 Wohnungen.

Davon entfielen 19 auf die Größenklasse zwischen 100 und 500 Wohnungen und eine Transaktion auf die Klasse 500 bis 800 Wohnungen. Insgesamt wird der Handel in diesem Segment weiterhin von Unternehmen und Aktiengesellschaften bestimmt, kommunale Akteure kauften lediglich zwei Portfolios mit insgesamt knapp 400 Wohnungen.

BBSR: Wohnungsunternehmen setzen auf Schuldenabbau anstelle von Wachstum

„Die hohe Inflation, die gestiegenen Zinsen und die schwächelnde Konjunktur sorgen weiterhin für eine große Unsicherheit am Markt“, sagt BBSR-Wohnungsmarktexperte Frederic Ostermann. Durch die Zinswende habe sich die Fremdkapitalfinanzierung erheblich verteuert, was ehemals auf Wachstum setzende Unternehmen dazu bewegen könnte, ihre Wohnungsportfolios abzustoßen und damit Schulden abzubauen, so der Experte weiter.

In der Datenbank Wohnungstransaktionen erfasst das BBSR seit 1999 Transaktionen von großen Mietwohnungsportfolios ab 800 Wohneinheiten. Zudem enthält die Datenbank seit dem zweiten Halbjahr 2006 auch Verkaufsfälle kleiner Wohnungsportfolios zwischen 100 und 800 Einheiten. Die Grundlage bildet eine systematische Recherche unterschiedlicher Print- und Internetquellen.