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Leistungsbilder in HOAI 2025: Diese Änderungen sind vorgesehen

Verfasst von: Fabian Hesse
Veröffentlicht am: 9. Nov. 2023

Novellierung der HOAI im Ampel-Koalitionsvertrag festgelegt

Als die Novellierung der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) von den Ingenieurkammern und -verbänden 2021 eingeleitet wurde, war noch unklar, ob die Thematik Bestandteil der neuen Bundesregierung sein würde. Später wurde die Modernisierung der HOAI tatsächlich in den Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP, welcher bis 2025 gilt, aufgenommen.

HOAI_2025
2025 soll eine neue Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) vorliegen. Der Novellierungsprozess läuft seit 2022. Grafik: bauingenieur24

Die Beteiligten auf der Planerseite sehen darin einen großen berufspolitischen Erfolg, konnten doch damit fachliche Empfehlungen und konkrete Vorschläge als Grundlage für den bevorstehenden Novellierungsprozess in die Debatte eingebracht werden.

So wurde beschlossen, die Anpassung in zwei Stufen vorzunehmen. Zum einen sollen auf der fachlichen Ebene die einzelnen Leistungsbilder gutachterlich evaluiert werden. Zum anderen will man sich in einem Honorargutachten mit den wirtschaftlichen Aspekten auseinandersetzen.

Bewertung der Leistungsbilder durch Gutachter abgeschlossen

Nach Abschluss der ersten Stufe des Verfahrens durch das Bundesbauministerium haben der Ausschuss der Verbände und Kammern der Ingenieure und Architekten für die Honorarordnung (AHO), die Bundesarchitekten- sowie die Bundesingenieurkammer nun ein Zwischenfazit vorgelegt. Darin werden folgende Anpassungen der HOAI vorgeschlagen:

Planen im Bestand

  • Es soll nur noch zwischen Neubau und Bestand unterschieden werden. Die in der Praxis oftmals streitträchtige Abgrenzung von Umbau, Modernisierung, Instandhaltung oder Instandsetzung entfällt.
  • Die mitzuverarbeitende Bausubstanz bleibt erhalten und die vielfach schwierige Ermittlung deren Umfangs wird dahingehend konkretisiert, dass anstelle einer „angemessenen Berücksichtigung“ zukünftig eine konkrete Ermittlung mit Menge, Kostenkennwert und einem in den jeweiligen Leistungsbildern konkret aufgeführten Abminderungsfaktor (Zustandsfaktor) vorgegeben wird. Es wird empfohlen, den in der Anwendung kritischen Leistungsfaktor durch das Honorargutachten zu überprüfen.
  • Die Ermittlung des Umbauzuschlages wird dahingehend definiert, dass mit diesem Zuschlag der „zu erwartende Mehraufwand bei der Objekt- und Fachplanung“ gegenüber Neubauten berücksichtigt wird. Zur Ermittlung des Umbauzuschlages werden erstmals die Merkmale Integration, Flexibilität, Risiko, Komplexität und Organisation der baulichen Maßnahme in den Verordnungstext eingeführt (dieser Vorschlag geht auf die in Heft 1 der AHO-Schriftenreihe entwickelten Merkmale zurück). Zur Ermittlung der Höhe des Umbauzuschlages haben die Kammern und Verbände ebenfalls einen Vorschlag unterbreitet, der im Honorargutachten geprüft wird. Grundsätzlich kann dieser Zuschlag jedoch frei vereinbart werden.
  • Sofern keine Vereinbarung getroffen wird, gilt weiterhin ein Zuschlag von 20 Prozent ab durchschnittlichem Schwierigkeitsgrad als vereinbart.

Building Information Modeling

  • Eine eigens eingerichtete Projektgruppe BIM hat neben einer Definition BIM in den Allgemeinen Vorschriften einen Regelprozess BIM entwickelt, auf dessen Basis die Grundleistungen nach der Methode BIM zu erbringen sind, sofern die Parteien dies vereinbaren. Die Bewertung ob und in welcher Höhe ein Mehraufwand bei Vereinbarung von BIM entsteht, erfolgt im Honorargutachten. Die Kammern und Verbände haben dazu einen Bewertungsvorschlag unterbreitet. Darüber hinaus werden in den jeweiligen Leistungsbildern „Besondere Leistungen BIM“ ergänzt.

Nachhaltigkeit

  • Der Begriff Nachhaltigkeit wird in die Begriffsbestimmungen aufgenommen. In den Leistungsbildern werden die Begriffe „nachhaltig“ und „Nachhaltigkeit“ in allen Leistungsbildern berücksichtigt sowie Grund- und Besondere Leistungen abgegrenzt.

Unabhängig von den genannten Sonderbereichen sind folgende weitere Veränderungen derzeitig vorgesehen:

  • Rückführung der Leistungen (Umweltverträglichkeitsstudie, Bauphysik, Geotechnik und Ingenieurvermessung) als Fachplanungen aus der Anlagenstruktur (Anlage 1) in den Verordnungsteil der HOAI
  • Modernisierung und Synchronisierung der Grund- und Besonderen Leistungen in den Leistungsbildern
  • Synchronisierung der Lph. 1 mit der sog. „Zielfindungsphase“ gemäß § 650 p Abs. 2 BGB
  • Klarstellende Regelung im Leistungsbild Freianlagen zur Koordination und Integration der Technischen Ausrüstung
  • Die Grundleistungen der Bauüberwachung für Verkehrsanlagen und Ingenieurbauwerke werden als gesonderte Regelung in Anlehnung des § 57 HOAI 2002 im Teil 3 der Objektplanungen erfasst
  • Neue Grundleistung Objektüberwachung in Leistungsphase 8 Tragwerksplanung
  • Einführung von Bewertungsmerkmalen zur Bestimmung der Honorarzone für die Tragwerksplanung
  • Aufnahme des Tragwerks für die Fassade als eigenes Objekt mit entsprechender Aufnahme in die Objektliste
  • Bezugnahme auf die DIN 276 (2018-12) bei der Kostenermittlung
  • Neufassung und Klarstellung der Regelung bei Planungsänderungen/ Wiederholungsleistungen
  • Wiedereinführung einer Regelung für abschnittsweises Bauen innerhalb eines Objekts (zeitliche Trennung der Leistung - analog zu § 21 HOAI 1996)
  • Wiedereinführung einer Regelung für Erweiterungsbauten (analog §23 HOAI 1996)
  • Einführung eines neuen Leistungsbildes „Städtebaulicher Entwurf“

Darüberhinausgehende Regelungen befinden sich laut Planervertretungen noch im Abstimmungsprozess bzw. sollen Grundlage für die Aufgabenstellung des Wirtschafts- bzw. Honorargutachtens werden.

Vor Honorargutachten: Planervertretungen schlagen Preisindexregelung vor

Für das noch ausstehende Honorargutachten ist das Bundeswirtschaftsministerium zuständig. Die Planerkammern und -verbände haben dem Ministerium gegenüber folgende Aspekte als wesentlich mitgeteilt:

  • Überprüfung der veränderten Grundleistungen im Hinblick auf deren Mehraufwand
  • Überprüfung und Anpassung aller Honorartafeln im Hinblick auf die allgemeine Kostenentwicklung und Ermitteln des besonderen Nachholbedarfs für die flächenbezogenen Honorartafeln
  • Überprüfung und Anpassung der Grundleistungen Örtliche Bauüberwachung für Ingenieurbauwerke und Verkehrsanlagen (Prozentsätze der anrechenbaren Kosten)
  • Überprüfung der Honorartafeln insbesondere wegen der Unauskömmlichkeit bei Objekten mit geringen anrechenbaren Kosten. In diesem Zusammenhang Prüfung einer eigenen Honorartafel für Innenräume
  • Korrektur fehlerhafter Honorartafeln, z. B. Landschaftspflegerischer Begleitplan, Bauvermessung
  • Erweiterung des Anwendungsbereichs der Honorartafeln (Vorschlag Erweiterung auf 500 Millionen Euro) und Prüfung der Tafeleingangswerte
  • Einführung einer Dynamisierungsregel für die flächenbezogenen Honorartafeln zur Anpassung an die allgemeine Kostenentwicklung (Preisindexregelung)
  • Prüfung der Auswirkungen durch Bezugnahme auf die DIN 276 (2018-12) wegen der größeren Mindestgliederungstiefe einschl. Kostenrahmen
  • Untersuchung und Bewertung des Planungsaufwandes für die Leistungserbringung im Regelprozess BIM
  • Prüfung und Festlegung eines interpolierten Honorarwertes anstelle der bisherigen Honorarspannen
  • Untersuchung des Vorschlags zur Honorarermittlung für den Umbauzuschlag

Die Kammern und Verbände hoffen auf einen erfolgreichen Abschluss der HOAI-Novellierung noch in dieser Legislaturperiode (bis 2025).