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Markus Wand: Als Bauingenieur braucht man Mut zur Entscheidung

Verfasst von: Fabian Hesse
Veröffentlicht am: 14. Juni 2023
Markus_Wand
Bild 1: Markus Wand (M.Eng.) ist selbstständiger Planungsingenieur
für Wasserbau. Er lebt und arbeitet im Eichsfeld in Nordthüringen.
Foto: F. Hesse / bauingenieur24

Markus Wand, M.Eng.

Markus Wand ist selbstständiger Planungsingenieur für Wasser- und Talsperrenbau im thüringischen Geisleden (Eichsfeld).

Zu den Kunden seines Büros zählen der Freistaat Thüringen sowie Gemeinden, Ingenieurbüros oder Gewässer­unterhaltungsverbände.

Als Geschäftsführer, Projektingenieur, Hydrauliker, Statiker, GIS-Bearbeiter, Zeichner und Kalkulator in Personalunion deckt er sämtliche Leistungsphasen für Wasserbauprojekte ab.

Er übernimmt dabei auch die örtliche Bauüberwachung sowie Beratungsleistungen und besondere Leistungen.

Herr Wand, was fordert Sie aktuell besonders in Ihrem Job?

Aktuell beschäftigen mich diverse Hochwasserschutzmaßnahmen in meiner Heimat, dem nordthüringischen Eichsfeld, darunter Hochwasserschutzprojekte in Rustenfelde, Schönau und Lengenfeld unterm Stein.

Dazu gehören unter anderem hydraulische Untersuchungen von Wasserbaumaßnahmen, die Berechnung von Überschwemmungsgebieten, die Betrachtung von Planzuständen, die Auswertung und Konzipierung von Maßnahmen sowie die Erstellung von Hochwasserschutzkonzepten.

Einen Teil meiner Zeit widme ich der Beratung von Gewässerunterhaltungsverbänden in Thüringen. Zuverlässigkeitsnachweise von Absperrdämmen und hydrologische Untersuchungen runden die Sache momentan für mich ab.

Was war für Sie ausschlaggebend, sich als Bauingenieur selbstständig zu machen?

Am Ende war es der finanzielle Aspekt. Da ich derzeit Alleinverdiener bin und mir mit meiner Frau eine Immobilie geleistet habe, bestehen entsprechende Verpflichtungen, die ich so aus meinem Angestelltenverhältnis leider nicht auf Dauer hätte begleichen können.

Das ist eigentlich schade, da ich meinen Posten vorher als sehr erfüllend empfand. Insbesondere die Zusammenarbeit mit den Kollegen fehlt mir als Einzelkämpfer schon sehr.

Wie lange sind Sie schon in der Branche tätig und warum? Was war Ihr bisheriger beruflicher Höhepunkt?

Ein älterer Kollege empfahl mir im Jahr 2008, im Wasserbau tätig zu werden. Das war ein guter Tipp, denn hier habe ich meine Berufung gefunden.

Seit 2009 arbeite ich nun als Planungsingenieur im Wasserbau. Von 2016 bis 2020 war ich bereits selbstständig unterwegs. Danach folgte eine Beschäftigung als Geschäftsführer im regionalen Gewässerunterhaltungsverband Leine/Frieda/Rosoppe in Nordthüringen. Das Ingenieurbüro habe ich in dieser Zeit als Nebentätigkeit weitergeführt. Seit April 2023 bin ich wieder komplett selbstständig.

Einen Höhepunkt meiner bisherigen Arbeit als Planungsingenieur sehe ich in der Instandsetzung eines Hochwasserrückhaltebeckens im ostthüringischen Greiz-Aubachtal von 2013 bis 2015 (vgl. Bild 2). Auch die Aufbauarbeit für den genannten Gewässerunterhaltungsverband werte ich als persönlichen beruflichen Erfolg.

Wie schätzen Sie hinsichtlich vermehrter Starkregenereignisse und Hochwasserrisiken die Lage für Thüringen ein bzw. wie gut ist der Freistaat Ihrer Meinung nach organisatorisch und baulich aufgestellt?

Die Klimahysterie, auf die jedes Schadereignis geschoben wird, kann ich so nicht teilen. Ja, die Schäden werden immer größer. Dies liegt aber an den steigenden Werten, die in gefährdeten Bereichen gebaut werden. Zudem hat die enorme Flächenversiegelung und Nutzungsänderung der Einzugsgebiete zu erheblichen Veränderungen des Abflussgeschehens geführt. Wenn man Baugebiete mit den Namen "Flutwiese", "Talaue" oder ähnliches liest, muss man sich doch sehr wundern oder dann halt im Schadensfall nicht mehr.

Hochwasser_Greiz

Bild 2: 2013 kam es in Deutschland infolge tagelanger Regenfälle zu einem
flächendeckenden Hochwasser. Unter anderem im thüringischen Greiz (Bild)
wurde die Innenstadt überflutet. Foto: HTW Dresden / Naumann

Der Freistaat Thüringen nimmt viel Geld und Ressourcen in die Hand, um den Hochwasserschutz einschließlich Starkregenereignisse in den Griff zu bekommen. Für die bauliche Umsetzung von Hochwasserschutzmaßnahmen stehen in Thüringen in den nächsten Jahren rund 80 Millionen Euro zur Verfügung.

Derzeit wird eine flächendeckende Karte entwickelt, aus der die möglichen Fließwege beim Starkregen ersichtlich sind. Die Karte soll am Ende online frei verfügbar sein, wahrscheinlich über den Thüringen Viewer. Das ist für Eigentümer sicherlich eine gute Informationen, um sein Hab und Gut besser zu schützen. Die Datenbereitstellung für den Bürger und Planer ist generell in Thüringen vorbildlich. Gegenüber anderen Bundesländern wird hier der Gedanke der offenen Daten gelebt.

Neben den fehlenden Kapazitäten bei den Planungsbüros sehe ich den Flaschenhals beim Fördermittelgeber. Hier sind sehr engagierte Mitarbeiter tätig, aber leider zu wenige. In der Summe muss man aber festhalten, dass das zuständige Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz und hier speziell die Referate für Hochwasserschutz und Starkregenvorsorge sowie für Gewässerschutz und Wasserressourcen sehr aktiv sind, um den Hochwasserschutz flächendeckend zu verbessern.

Bitte vervollständigen Sie den Satz: "Um erfolgreich zu planen und zu bauen kommt es in Zukunft darauf an, dass..."

…man Mut zur Entscheidung hat.

In welche Technik/IT investiert Ihr Unternehmen? Wie digitalisiert sind Sie dabei?

Für meine Arbeit benötige ich natürlich die stets aktuelle Planungssoftware. Die entsprechende Weiterbildung im Umgang damit ist für mich maßgeblich.

Da ich Einzelkämpfer bin, befindet sich meine IT nur auf einem Lowlevel. Neben Cloudlösungen für mobiles Arbeiten ist bei mir die externe Datensicherung obligatorisch und essentiell. Meine Rechner werden regelmäßig auf dem Stand der Technik gehalten. Langsame Technik ist nicht tragbar.

Welchen Wunsch haben Sie an die Politik?

Wenn ich ehrlich bin, habe ich keine Erwartungen mehr an die Politik. Hier sehe ich nur Eigeninteresse von Lobbyverbänden und daher leider schwarz. Auf Deutsch gesagt, muss man zusehen, wie man mit dem Hintern an die Wand kommt.

Gleichzeitig gibt es in meinen Augen durch zu viele politische Eingriffe keine wirkliche Planungssicherheit. Das ist ein Grund, warum ich niemanden einstellen möchte, abgesehen davon, dass man niemanden findet.

Wie sieht Ihre individuelle Weiterbildung aus?

Das ist oftmals projektbezogen. Tritt eine Problematik auf, vertiefe ich die Recherche, frage nach, belese mich in der Fachliteratur oder erkundige mich bei Kollegen.

Bei Bedarf besuche ich entsprechende Weiterbildungen und das oftmals online. Für die richtige Softwarebedienung sind beispielsweise Youtube-Videos sehr hilfreich.

Wofür begeistern Sie sich nach Feierabend?

Letztes Jahr bin ich erstmals Vater geworden, dieses Jahr kommt Nummer zwei. Somit verbringe ich gerne und viel Zeit mit meiner jungen Familie. Daneben brauchen Haus und Hof ihre Pflege.

Gerne bin ich auch in der Natur und hier vor allem im Wald unterwegs. Als Vorsitzender der örtlichen Waldgenossenschaft sowie als Jäger übernehme ich hier Verantwortung für die Hege und Pflege.

Wenn es die Zeit erlaubt, versuche ich mich mit Fußballspielen oder joggen fit zu halten. Erholung finde ich auch beim Angeln und Klavierspielen.