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Massivbau oder Fachwerk? Wie ein altes Wirtschaftsgebäude mit den Bauweisen spielt

Verfasst von: Fabian Hesse
Veröffentlicht am: 29. Aug. 2023

Fachwerkhaus aus dem 14. Jahrhundert 2022 frisch saniert

In Schorndorf nahe Stuttgart steht die "Alte Kelter", ein ehemaliges reines Fachwerkgebäude mit Krüppelwalmdach aus dem 14. Jahrhundert. Doch was ist es heute? 2022 eröffnete in dem grundsanierten Objekt ein Schulungs- und Kulturzentrum nach den Plänen der Sigrid Hintersteiniger Architects. Darüber hinaus waren folgende Unternehmen an dem Instandsetzungsprojekt beteiligt:

Alte_Kelter
Ungewöhnlich und ästhetisch reizvoll: Die Fassade der "Alten Kelter" in
Schorndorf bei Stuttgart. Foto: Brigida González / beton.org
  • Mayer-Vorfelder Dinkelacker Ingenieurgesellschaft für Bauwesen (Tragwerksplanung)
  • Bauberatung Brandschutz Fakesch (Brandschutzgutachten)
  • Ingenieurbüro Stapf (HLS-Planung)
  • Horstmann + Berger (Ingenieurbüro für Bauphysik)
  • GEP Gebäudetechnik (Elektroplanung)
  • BFI Zeiser (Büro für Ingenieurgeologie, Bodengrundgutachten)
  • Käser Ingenieure (Ingenieurbüro für Vermessung)
  • Kalis Innovation (Bauausführung)

Wer die Alte Kelter heute sieht, vermutet wahrscheinlich, dass es sich um einen Umbau handelt. Tatsächlich war ursprünglich auch das Erdgeschoss als Holzfachwerk errichtet worden, obwohl das Gebäude zum Teil im ansteigenden Gelände steht. Über die Zeit setzte die Feuchtigkeit des Erdreichs dem Fachwerk zu.

Betonwände zeigen Spuren des vormaligen Fachwerks

Der Zustand der Außenwände war vor der Sanierung derart schlecht, dass es abgetragen werden musste und somit zwangsläufig auch der noch tragfähige Kehlbalkendachstuhl. Das Gebälk und das Fachwerk der Giebelwände wurden demontiert, zwischengelagert, gereinigt und wiederaufgebaut. Heute steht das historische Dachgeschoss auf neu errichteten Betonwänden.

Obwohl völlig neu, wirkt die Sichtbetonfassade nicht ganz fremd. Das mag daran liegen, dass die Außenseite der 16 Zentimeter dünnen Betonwände Spuren des vormaligen Fachwerks zeigt. Für diesen Effekt wurde eine Schalungsmatrize entwickelt, bei der sägeraue Holzbretter, die das historische Fassadenbild nachbildeten, auf die großflächigen Außenwandschaltafeln aufgebracht wurden.

(Weitere Bilder, darunter die Gesamtansicht des Objekts, befinden sich hier.)