U5 in Hamburg: Wo ab 2027 Deutschlands modernste U-Bahn fahren soll

Verfasst von: Fabian Hesse
Veröffentlicht am: 12. Mai 2023

Großprojekt der Hamburger Hochbahn AG seit 2022 im Bau

Die Hamburger Hochbahn AG ist eines der größten Nahverkehrsunternehmen in Deutschland und der größte öffentliche Verkehrsdienstleister im Raum Hamburg. Bei den heute eingesetzten Verkehrsmitteln handelt es sich um Busse und Untergrund- bzw. Stadtbahnen. Die letzte Hamburger Straßenbahn fuhr 1978 ins Depot.

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Bild 1: Für die künftige U-Bahn-Linie U5 in Hamburg sind 23 Haltestellen geplant. Mit den Arbeiten im ersten Bauabschnitt (siehe Vergrößerung u.l.) wurde 2022 begonnen. Grafiken: Hochbahn AG

Um den öffentlichen Personennahverkehr in der Elbmetropole zu stärken und weiter auszubauen, baut die Hochbahn AG seit September 2022 an der neuen U-Bahn-Linie U5. Diese soll künftig auf einer Strecke von insgesamt rund 24 Kilometern vom Osten Hamburgs über die City Nord in Richtung Innenstadt verlaufen.

Von dort geht es Richtung Norden entlang an der Universität und dem Universitätsklinikum (UKE) bis nach Lokstedt und schließlich zu den Sportstätten des Volksparks (Bild 1). Das Infrastrukturgroßprojekt U5 ist in seiner Größenordnung und städtebaulichen Bedeutung und Komplexität vergleichbar mit dem Bau der 2. Stammstrecke in München.

Die geplanten Tunnelstrecken sollen grundsätzlich in geschlossener Bauweise im Schildvortrieb und die Stationen sowie unterirdische Abstell- bzw. Kehranlagen und Gleiswechsel in offener Bauweise hergestellt werden. Insgesamt sollen rund 68 Prozent der unterirdischen Anlagen in geschlossener und 32 Prozent in offener Bauweise errichtet werden.

Vollautomatische Bahn soll 270.000 Fahrgäste am Tag transportieren

Nach Einschätzungen der Verantwortlichen, werden mit der U5 und ihren 23 Haltestellen bis zu 180.000 Menschen in Hamburg an das bestehende U- und S-Bahn-Netz der Stadt angeschlossen. Insgesamt geht man von mehr als 270.000 täglichen Fahrgästen auf der vollautomatischen Linie aus, wodurch laut Hochbahn Millionen von Pkw-Fahrten vermieden werden könnten.

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Bild 2: Bis 1978 fuhren in Hamburg auch Straßenbahnen ​(im Bild:
Haltestelle ​​​​​​U-Bahn Mundsburg). Quelle: Norbirt / Wikimedia

Im Rahmen des Bauprojekts U5 werden sieben bestehende Haltestellen ausgebaut. So wird beispielsweise an der Station Sengelmannstraße ein weiterer Bahnsteig ans Netz angeschlossen. Das Besondere dabei: Der zweite Bahnsteig für das zweite Gleis existiert bereits seit den 1970er Jahren. Er wurde damals beim Bau der Haltestelle für eine mögliche Netzerweiterung mit gebaut, kam bis heute allerdings nie zum Einsatz. Mit der geplanten Fertigstellung Ende 2024 wird die U1 dann über das neue Gleis geleitet, um im Anschluss mit dem Umbau des aktuell genutzten Bahnsteigs beginnen zu können.

Mit dem geplanten Probebetrieb auf dem ersten Teilabschnitt der U5-Linie zwischen Sengelmannstraße und City Nord könnte ab 2027 erstmalig eine vollautomatisch betriebene U-Bahn in Hamburg fahren. Dieser Abschnitt bietet nach Angaben der federführenden Hochbahn U5 Projekt GmbH ideale Voraussetzungen, das neue System intensiv und von Grund auf zu testen. Die Strecke wird aus Tunnelabschnitten, oberirdischen Strecken, Rampen, Abstellanlagen sowie der Umsteigehaltestelle Sengelmannstraße bestehen. Getestet werden soll hier auch das Zusammenspiel von konventioneller und neuer Betriebstechnik.

Erster Bauabschnitt: Ein Tunnel für zwei Gleise vorgesehen

Bevor es soweit ist, muss auf dem Bauabschnitt ein Tunnel gebaut werden. Dieser soll mit einem Zweigleisschild aufgefahren werden, sodass die beiden Gleise der Strecke hier einen gemeinsamen Tunnel nutzen werden. Für die weiteren Bauabschnitte ist hingegen der Einsatz von Schildvortriebsmaschinen mit Eingleisschild vorgesehen. Die U5 verfügt auf diesen Abschnitten über zwei separate Streckentunnel.

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Bild 3: Ein bislang ungenutzter Bahnsteig (o.l.) soll für die Erweiterung der Haltestelle Sengelmannstraße genutzt werden. Foto und Visualisierung: Flor!an / Wikimedia / beyond Visual Arts / Hochbahn AG

Klaus Uphoff kann von seinem Bürostandort in der City Nord den Baufortschritt unmittelbar mitverfolgen. Aktuell ist der technische Geschäftsführer der Hochbahn U5 Projekt GmbH zuversichtlich: „Wir sind mit einem Team von mittlerweile rund 100 Kolleginnen und Kollegen gut aufgestellt, um die U5 als größtes U-Bahn-Projekt Deutschlands erfolgreich voranzutreiben.“

Für die Realisierung des ersten Bauabschnitts der U5 vom Stadtteil Bramfeld bis zur City Nord hat die Projektgesellschaft eine Arbeitsgemeinschaft (ARGE) bestehend aus den Unternehmen Wayss & Freytag Ingenieurbau AG aus Frankfurt und Ed. Züblin AG aus Stuttgart beauftragt. Die prognostizierten Kosten allein für diesen Bauabschnitt haben sich nach Angaben der U5-Projektgesellschaft inflationsbedingt von bisher veranschlagten 1,75 Milliarden Euro auf 2,86 Milliarden Euro erhöht.