Vier-Tage-Arbeitswoche: IG BAU und DGB weiter zurückhaltend

Verfasst von: Fabian Hesse
Veröffentlicht am: 3. Mai 2023
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Baugewerkschaft fordert keine Vier-Tage-Woche

Die Baugewerkschaft IG BAU hatte im letzten Jahr die Arbeitszeit zum zentralen Thema ihrer Agenda erklärt (wir berichteten). Dabei wurde zwar eine flexiblere Arbeitszeitgestaltung benannt, welche auch temporäre Verkürzungen beinhaltet (Stichwort Eltern- oder Pflegezeit). Die Vier-Tage-Woche taucht bislang jedoch nicht unter den erklärten IG BAU-Zielen auf.

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Vertreter der Bauwirtschaft halten eine Vier-Tage-Arbeitswoche in ihrer Branche für unrealistisch. Fotos: Sebastian Göbel / Rainer Sturm / Pixelio

Anders sieht das bei der IG-Metall aus. "Zuallererst brauchen wir die Viertagewoche für Berufe, in denen kein Homeoffice möglich ist", sagte zuletzt der Vorsitzende Jörg Hofmann in der Bild am Sonntag. Dies gelte beispielsweise auf Baustellen, bei Schichtarbeit und in der Stahlindustrie. Für letztere soll das Thema in die im Herbst anstehenden Tarifverhandlungen einfließen.

Die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Yasmin Fahimi, ist laut Deutschlandfunk grundsätzlich auch für Vorschläge bezüglich der Vier-Tage-Woche offen. Fahimi sieht darin aber keine Allgemeinlösung. Die Entscheidung dafür oder dagegen müsste in den jeweiligen Branchen einzeln getroffen werden. Die IG BAU ist Mitglied des DGB.

Baustelle vs. Büro: Arbeitszeitmodelle je nach Branche unterschiedlich

Für die Bauwirtschaft ist das Arbeitszeitmodell nach Einschätzung der Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen (BVMB) rundheraus "unrealistisch". BVMB-Hauptgeschäftsführer Michael Gilka argumentiert dabei eher entgegengesetzt der IG-Metall-Linie. Baustellen hätten eigene Abläufe, die nicht kompatibel seien mit Büro- oder Industriejobs bzw. sogenannten "Stechuhrjobs".

Im Zusammenhang mit der Forderung nach einer Vier-Tage-Arbeitswoche wird eine Pilotstudie aus Großbritannien immer wieder zitiert. Dort hatten Ende vergangenen Jahres mehr als 70 Firmen für ein halbes Jahr dieses Arbeitszeitmodell getestet. Sie zahlten 100 Prozent des Lohns für 80 Prozent der Arbeitszeit mit der Vorgabe an die Arbeitnehmer, dass trotzdem am Ende der Woche 100 Prozent der Arbeit erledigt sein mussten.

2022: Studie bestätigt Umsatzzuwachs durch Vier-Tage-Woche

Zweidrittel der Firmen meldeten, dass es dadurch einfacher wurde, Fachkräfte zu halten. 78 Prozent der Arbeitnehmer waren weniger gestresst. Der Umsatz der beteiligten Firmen stieg in diesem Zeitraum im Schnitt um 35 Prozent. Ungeachtet dessen sieht Michael Gilka darin derzeit kein mögliches Erfolgsmodell für die Bauwirtschaft.

"Wir haben immer weniger Fachkräfte und dafür immer mehr Bürokratie in Deutschland. Wie soll da eine generelle Vier-Tage-Woche funktionieren?" Bereits bei Betonagen, erst recht aber beispielsweise bei Bahnbaustellen seien die komplexen Bauaufgaben nicht mit solchen Einschränkungen zu bewerkstelligen.

"Die Firmen müssten in diesem Fall dann die komplette Baustellenmannschaft mittendrin austauschen, damit keiner über vier Arbeitstage pro Woche kommt, das ist völlig unrealistisch, organisatorisch ebenso wie finanziell", so Gilka weiter. "Im Ergebnis würde die Zahl der Arbeitstage auf vier pro Woche sinken, aber dafür deutlich mehr Überstunden anfallen", hält er die Idee auch nicht für arbeitnehmerfreundlich.