Fachbeiträge & Interviews
Dienstag, 07. April 2020
Ausgabe 6805 | Nr. 98 | 19. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Korrosionsbekämpfung: Was kann das Wassereisstrahlverfahren?

# 07.02.2020

Methode wird in Jenaer Forschungsprojekt untersucht. Prototypentwicklung und Serienproduktion angestrebt. Umweltbundesstiftung fördert mit 450.000 Euro

Korrosionsbekämpfung mit Sandstrahlverfahren nicht überall zulässig

Stahlbauten und andere Metallkonstruktionen sollen mit dem Wassereisstrahlverfahren umweltschonender gereinigt werden können. Foto: angieconscious / Pixelio Stahlbauten und andere Metallkonstruktionen sollen mit dem Wassereisstrahlverfahren umweltschonender gereinigt werden können. Foto: angieconscious / Pixelio

Einer der größten Widersacher im Stahlbau ist die Korrosion. Betroffene Metallkonstruktionen, wie Brücken und Hochspannungsmasten, zu reinigen, ist mitunter problematisch. Zum Einsatz kommen bislang häufig das Sandstrahlverfahren und das Trockeneisverfahren.

Beim Sandstrahlverfahren wird ein Strahl aus trockenem, festem Material erzeugt, der Verschmutzungen und alte Farbschichten besonders wirksam abträgt. Allerdings entstehen dabei größere Mengen Feinstaub und Abfall, weshalb das Verfahren in vielen Arbeitsbereichen verboten ist.

"Eine umweltfreundlichere, aber weniger leistungsfähige gängige Methode ist das Trockeneisstrahlen", erklärt Dr. Jörg Lefèvre, Referatsleiter für Umwelt- und gesundheitsfreundliche Verfahren und Produkte bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Beide Verfahren haben also Vorteile und Nachteile.

Wassereisstrahlen als leistungsstarke Alternative

Einen gänzlich neuen Ansatz bietet das sogenannte Wassereisstrahlen, welches mit dem Trockeneisverfahren nichts zu tun hat. Dabei wird ein Strahl aus Eis mit hoher Geschwindigkeit auf das zu reinigende Bauteil gelenkt. Beim Auftreffen des Strahls schmilzt das Eis und bindet dabei den gelösten Feinstaub. Der als Treibgas verwendete Stickstoff entweicht in die Atmosphäre.

"Das abgetragene Material kann in gebundener Form sachgerecht entsorgt oder wiederverwertet werden und die Arbeitsplatzbelastung wird verringert", erklärt Hannes Nowak von der jenpneumatik & Schlauchtechnik GmbH.

Mobiler Prototyp für Baustelleneinsatz als Forschungsziel

Das Unternehmen untersucht in einem Forschungsprojekt in Kooperation mit der RS Korrosionsschutz GmbH aus dem thüringischen Bucha und der Friedrich-Schiller-Universität in Jena die Methode. Die DBU fördert das Projekt fachlich und finanziell mit 450.000 Euro.

Zu Beginn des Projekts werde man Laboruntersuchungen durchführen, um die Technologie bis zu einem funktionsfähigen stationären Prototyp weiterzuentwickeln. Später soll auch ein Prototyp für den mobilen Einsatz auf Baustellen gebaut werden.

Serienproduktion von tatsächlichen Vorteilen der Methode abhängig

Für Projektleiter Nowak sind „die ökonomischen, gesundheitlichen und ökologischen Vorteile“ die wichtigsten Aspekte des Verfahrens. Es müsse auf allen drei Ebenen überzeugen, um eine nachhaltige Entwicklung in der Industrie zu gewährleisten, so Nowak.

Insgesamt sollen die Prototypen günstiger und die Methode umweltschonender und gesünder als derzeit verfügbare Verfahren sein. In dem Forschungsprojekt sollen die Grundlagen für die spätere Produktentwicklung zur Serienreife gelegt werden.

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