Fachbeiträge & Interviews
Friday, 12. August 2022
Ausgabe 7662 | Nr. 224 | 21. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Autor: Dipl.-Ing. Klaus D. Siemon
Herausgeber: IWW Institut für Wirtschaftspublizistik GmbH & Co. KG email-weiterempfehlendruckansicht

Nachträgliche Erweiterung des Planungsumfangs: Welches Honorar ist angemessen?

# 31.05.2022

Erhöhung der anrechenbaren Kosten nicht immer ausreichend. Einheitliche Planung nach sechs Monaten nicht mehr gegeben. Zeit- und Pauschalhonorar für Bauherren hinnehmbar

Planungsergänzung bei erheblicher zeitlicher Trennung eigenständig abrechnen

Woran bemisst sich das Zusatzhonorar bei einer nachträglichen Erweiterung des Planungsumfangs? Grafik: Tony Hegewald / Pixelio Woran bemisst sich das Zusatzhonorar bei einer nachträglichen Erweiterung des Planungsumfangs? Grafik: Tony Hegewald / Pixelio

Geringfügige räumliche Erweiterungen des Planungsumfangs können dazu führen, dass diesbezügliche Änderungshonorare unauskömmlich werden. Anhand des folgenden Beispiels aus der Praxis wird erkennbar, wie Planende solche Konstellationen gut lösen können.

Der Fall: 15 Monate nach der Genehmigung des Bauantrags und nach circa 50 Prozent bereits erbrachter Leistungsphase 8 wird der Planungsumfang räumlich erweitert. Die Erweiterung beträgt etwa fünf Prozent des bisherigen gesamten räumlichen Planungsumfangs. Das Planungsbüro stellt sich die Frage, ob der bürointerne Aufwand durch eine anteilige Erhöhung der anrechenbaren Kosten adäquat abgedeckt wird.

Die Einschätzung: Aufgrund der erheblichen zeitlichen Trennung kann nicht mehr davon ausgegangen werden, dass es hier mit einer Erhöhung der anrechenbaren Kosten getan ist. Vielmehr ist von einer kalkulatorisch eigenständigen Abrechnungseinheit auszugehen.

Planungsumfang bereits in Leistungsphase 2 definiert

Folgende Argumente sprechen für die die oben angeführte Lesart:

  • Der räumliche Planungsumfang ist bereits am Ende der Leistungsphase 2 zu definieren.
  • Die zeitliche Trennung ist zu groß, um noch von einer einheitlichen Planung bzw. Planungsvertiefung ausgehen zu können.
  • Es handelt sich um einen nachträglich angehängten kleinen Bauabschnitt. Das geistige Planungswerk wird damit in zwei eigenständigen Planungsabschnitten erbracht.
  • Es handelt sich nicht um einen einheitlichen Auftrag, sondern um einen Nachtrag zum bereits abgeschlossenen Planungsvertrag.

Zeitliche Trennung: Sechs Monate als gängiger Richtwert

Die zeitliche Trennung war nur in alten HOAI-Fassungen (bis 2002) geregelt, seitdem nicht mehr. Dies bedeutet nicht, dass es hier keine angemessene Honorierung gibt. Es ist inzwischen lediglich einzelfallbezogen zu entscheiden.

Nach der Literatur zu den alten HOAI-Fassungen hat sich eine zeitliche Trennung ab sechs Monaten Zeitversatz als entscheidendes Kriterium gezeigt. Diese Sechs-Monate-Frist wird auch heute noch häufig angewendet.

HOAI lässt Zeithonorar oder Pauschale als Lösungen zu

Im vorliegenden Fall liegen mit dem ursprünglichen Vertrag und dem nachträglichen Auftrag zur Planungsergänzung zwei Aufträge vor. Es bestehen also gute Aussichten, für den Auftrag zur Planungsergänzung auf der Basis eines eigenständigen Objekts angemessene Honorare zu erreichen.

Professionelle Bauherren verständigen sich in solchen Situationen fast immer auf der Basis eines Zeithonorars oder einer kalkulatorisch nachvollziehbaren Pauschale. Gegenargumente durch Rechnungsprüfungsbehörden sind nicht ersichtlich, da die HOAI genau diese Honorierungen zulässt.

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