Fachbeiträge & Interviews
Dienstag, 15. Oktober 2019
Ausgabe 6630 | Nr. 288 | 19. Jahrgang
Autor: Michael Braun
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

A5-Ausbau soll Modellcharakter für ÖPP-Projekte haben

# 21.08.2009

Öffentlich-Private Partnerschaften (ÖPP) sieht das Bundesverkehrsministerium als zukunftsträchtiges Modell für den Bau und den Betrieb von Autobahnen an. Das Projekt BAB A5 sollte als Pilotprojekt ein erstes Erfolgserlebnis bringen, nachdem das Konsortium Hochtief / Vinci / Reif / Kirchhoff die Vergabe gewonnen hatte. Doch nur kurze Zeit später stieg Hochtief aus dem Projekt aus.

Über die Konzessionsgesellschaft Via Solution Südwest GmbH & Co. KG ist Strabag (durch die Tochter F. Kirchhoff AG) am Konsortium beteiligt, Foto: Redaktion Über die Konzessionsgesellschaft Via Solution Südwest GmbH & Co. KG ist Strabag (durch die Tochter F. Kirchhoff AG) am Konsortium beteiligt, Foto: Redaktion

Im Zuge einer Überprüfung der Rendite- und Risikoprofile von Aufträgen habe sich Hochtief aus dem A5-Konsortium verabschiedet, sagte ein Hochtief-Sprecher der Financial Times Deutschland (FTD). Der Rückzug bedeute jedoch keine grundsätzliche Entscheidung von Hochtief gegen die Beteiligung an ÖPP-Modellen im Autobahnbau, versicherte der Sprecher. Hochtief werde Ausschreibungen für ÖPP-Projekte mit großem Interesse prüfen, hieß es. Hintergrund für den Ausstieg bei der A5 sei, dass Hochtief alle Projekte weltweit auf die Rendite-Erwartungen überprüfe. Die Autobahn wird dem Zeitungsbericht zufolge nun von Töchtern des französischen Baukonzerns und der österreichischen Strabag (über die Tochter F. Kirchhoff AG) erweitert.

Aus dem Verfahren zur Vergabe des Betreibermodells für die BAB A 5 im Abschnitt zwischen Malsch, Baden-Baden und Offenburg war das Konsortium Hochtief / Vinci / Reif / Kirchhoff als Gewinner hervorgegangen. Das Konsortium erhielt den Zuschlag für Ausbau, Betrieb und Erhalt des insgesamt 59,8 Kilometer langen Konzessionsabschnittes.

Die hoch belastete und über 40 Jahre alte vierspurige Strecke sollte fit gemacht werden für das heutige Verkehrsaufkommen. "Es entsteht eine moderne, leistungsfähige sechsstreifige Verkehrsader. Der Verkehr fließt reibungsloser, Staus und Unfälle werden zurückgehen", hatte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee bei der Bekanntgabe des Vergabeergebnisses noch gesagt. Im 41,4 Kilometer langen Teilbereich zwischen der Anschlussstelle südlich Baden-Baden bis südlich der Anschlussstelle Offenburg sollte der Konzessionsnehmer für den sechsstreifigen Ausbau zuständig sein. Bis Herbst 2014 sollte dieser durchzuführen sein.

Während der Bauzeit soll der Abschnitt für den Verkehr befahrbar bleiben. Bestandteil der Konzession sind 99 Ingenieurbauwerke, davon sind 58 Brücken neu zu bauen bzw. umzubauen. Erstmalig werden Lärmschutzwände mit einer Gesamtlänge von 12 Kilometern sowie diverse andere Bauwerke (z.B. Verkehrszeichenbrücken, Regenklärbecken) errichtet. Das Projekt im Wert von 600 Millionen Euro (bei einem Bauvolumen von Bauvolumen 343 Millionen Euro) umfasst neben Finanzierung, Planung und Ausbau auch den Betrieb und die Erhaltung des Abschnitts über einen Zeitraum von 30 Jahren. Die Vergütung der Konzessionsnehmerin erfolgt auf Basis der streckenbezogenen Mauteinnahmen für schwere Lkw über 12 Tonnen, welche von der Toll Collect GmbH über ein satellitengestütztes Mautsystem eingesammelt werden.

"Öffentlich-Private Partnerschaften sind ein Erfolg. Das Betreibermodell bringt jedem Verkehrsteilnehmer Vorteile: Die Bauzeit wird, verglichen mit einer konventionellen Vergabe, kürzer sein. Unser privater Partner ist nicht nur für einzelne Teilleistungen verantwortlich, sondern für Ausbau, Betrieb und Erhalt. Dadurch erwarten wir hohe Qualität und Wirtschaftlichkeit", erklärte Tiefensee.

Das Betreibermodell für den mehrstreifigen Autobahnausbau (sog. A-Modell) ist mit Einführung der streckenbezogenen Lkw-Maut auf Autobahnen möglich geworden. Dabei werden der Bau zusätzlicher Fahrstreifen, der Erhalt und der Betrieb aller Fahrstreifen sowie die Finanzierung des Maßnahmenpaketes an einen privaten Betreiber zur Ausübung übertragen. Dafür erhält der Betreiber das Gebührenaufkommen oder Teile davon aus der Lkw-Maut für diesen Streckenabschnitt. Zusätzlich kann der Bund eine Anschubfinanzierung zahlen, deren Höhe dem Wettbewerb unterliegt.

Mit den A-Modell-Pilotprojekten hat das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung den Einstieg in die Vergabe von Projekten als Öffentlich-Private-Partnerschaften in größerem Umfang begonnen. Vorteil dieser langfristigen Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Verwaltung und Privatwirtschaft soll eine höhere Effizienz und Wirtschaftlichkeit sein - sowohl bei Planung, Organisation als auch bei der Durchführung des Projektes.

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