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Freitag, 22. März 2019
Ausgabe 6423 | Nr. 81 | 18. Jahrgang
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Akzeptanzprobleme von Großprojekten auflösen

# 25.07.2011

53 Infrastrukturprojekte mit einem Investitionsvolumen von 46 Mrd. Euro, vornehmlich aus den Bereichen Verkehr und Energieversorgung, können derzeit in Deutschland aufgrund von Akzeptanzproblemen in der Bevölkerung, politisch motivierten Blockaden oder ungelösten Finanzierungsproblemen nicht umgesetzt werden. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie unter seinen Mitgliedsverbänden zum Thema "Deutschland im Infrastrukturstau".

Umstrittenes Großprojekt Stuttgart21: Die Zulaufstrecken sollen in Tunnel verlegt und die frei werdenden Gleisflächen der Stadtentwicklung zur Verfügung gestellt werden, Foto: Peter von Bechen / Pixelio Umstrittenes Großprojekt Stuttgart21: Die Zulaufstrecken sollen in Tunnel verlegt und die frei werdenden Gleisflächen der Stadtentwicklung zur Verfügung gestellt werden, Foto: Peter von Bechen / Pixelio

Die Widerstände gegen große Infrastrukturvorhaben seien in den vergangenen Jahren in Deutschland gewachsen, erklärt der neue Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Prof. Dipl.-Kfm. Thomas Bauer. Dies sei auch eine Ursache dafür, dass es in Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Mitgliedsstaaten einen vergleichsweise schwachen "Fluss" an größeren Projekten gebe, was vor allem mittelständischen und großen Unternehmen zunehmend Sorge bereite.

Für die Bauindustrie am Standort Deutschland sei es deshalb überlebenswichtig, dass die Investitionsblockade aufgelöst werde, forderte Bauer. Dies könne jedoch nur mit und nicht gegen den Bürger erreicht werden. Die Bauindustrie setze sich deshalb für eine frühere Bürgerbeteiligung im Planfeststellungsverfahren (z.B. durch Einschaltung von Mediatoren), die Ausschöpfung aller Möglichkeiten für eine Bürgerbefragung, die Verkürzung der extrem langen Planungs- und Genehmigungsverfahren, vor allem aber für mehr Transparenz ein, um den Ideologen frühzeitig den "Wind aus den Segeln" zu nehmen.

Gleichzeitig müsse aber zumindest die Verkehrswegefinanzierung auf eine neue belastbarere Grundlage gestellt werden, ergänzte Bauer. Die deutsche Bauindustrie halte deshalb an der Umstellung der Verkehrswegefinanzierung von der bisherigen Haushalts- bzw. Steuerfinanzierung auf eine Nutzerfinanzierung fest. Mit der Einführung eines Finanzierungskreislaufs Bundesfernstraße sei im Bundeshaushalt 2011 ein erster Schritt getan worden, dem jedoch weitere folgen müssten; dazu gehören kurzfristig die Ausstattung der Verkehrsinfrastrukturfinanzierungsgesellschaft (VIFG) mit dem Recht der eigenständigen Kreditaufnahme, mittelfristig die Erweiterung der Lkw-Gebühr auf alle Fahrzeuge über 7,5 Tonnen Gesamtgewicht und die Einführung einer elektronischen Vignette für Pkw und leichte Lkw, sowie langfristig die Ablösung der elektronischen Vignette für Pkw und leichte Lkw durch eine streckenbezogene Maut. Ein Systemwechsel in der Verkehrwegefinanzierung sei dem Bürger jedoch nur dann zu vermitteln, wenn zumindest die privaten Autofahrer eine Kompensation über die Kfz-Steuer und/oder die Energiesteuer erhalten.

Die Bürger hätten aber auch ein Anrecht darauf, dass knappe Steuermittel effizient eingesetzt würden, erklärte Bauer. Deutschland müsse deshalb stärker auf Öffentlich Private Partnerschaften (ÖPP) setzen. Große Verkehrsprojekte wie die Elbquerung an der A20 oder der Albaufstieg könnten aus Haushaltsmitteln allein nicht finanziert werden. Zur großen Strukturreform der Bundeswehr, insbesondere zur Modernisierung der baulichen Infrastruktur, könnten ÖPP ebenso einen wertvollen Beitrag leisten wie zur Modernisierung der Schienenwege.

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