Fachbeiträge & Interviews
Freitag, 02. Dezember 2022
Ausgabe 7774 | Nr. 336 | 22. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

BIM in Deutschland: Bundesregierung startet öffentliches Nutzerportal

# 12.10.2022

Neue Plattform soll öffentliche Auftraggeber mit Auftragnehmern zusammenbringen. Definition von projektspezifischen Informationsbedarfen als zentrales Element. Bauindustrie hofft auf engere Verzahnung von Planung und Bau durch digitale Arbeitsmethode

Bundesregierung schaltet neues BIM-Portal frei

Mit dem BIM-Portal des Bundes sollen öffentliche Auftraggeber mit ihren Auftragnehmern besser vernetzt werden. Grafik: planen-bauen 4.0 GmbH Mit dem BIM-Portal des Bundes sollen öffentliche Auftraggeber mit ihren Auftragnehmern besser vernetzt werden. Grafik: planen-bauen 4.0 GmbH

Deutschland ist ein BIM-Land. Wer daran bislang zweifelte, wurde mit der offiziellen Freischaltung des BIM-Portals der Bundesregierung am 11. Oktober 2022 eines Besseren belehrt.

Die beteiligten Akteure rund um den Konsortialführer von BIM Deutschland, die planen-bauen 4.0 GmbH, sind sich einig:

"Die flächendeckende Einführung der Methode Building Information Modeling (BIM) ist der zentrale Schritt zur Digitalisierung des Bauwesens in Deutschland." Und weiter heißt es unmissverständlich: "Nur gemeinsam kann BIM erfolgreich umgesetzt werden."

"Mit der Freischaltung beginnt die kontinuierliche Weiterentwicklung des BIM-Portals. Als offene Plattform konzipiert, kann das BIM-Portal von allen Akteuren der Wertschöpfungskette genutzt und ergänzt werden", sagt Inga Stein-Barthelmes, Geschäftsführerin der planen-bauen 4.0 GmbH.

Ziel: Informationsbedarfe definieren und Qualität von Bauwerksmodellen sichern

Sinn und Zweck des BIM-Portals benennt Markus König, Professor an der Fakultät für Bau- und Umweltingenieurwissenschaften und am Lehrstuhl für Informatik im Bauwesen der Ruhr-Universität Bochum: "Es wird zukünftig öffentliche Auftraggeber bei der Definition von Informationsbedarfen und Auftragnehmer bei der qualitätsgesicherten Lieferung von digitalen Bauwerksmodellen unterstützen."

Zu den Informationsbedarfen gehören insbesondere Angaben, wer, wann, in welcher Detaillierung und in welchem Format die angeforderten Daten liefern soll, damit der Auftraggeber auf der Grundlage dieser Daten seine Prozesse steuern und notwendige Entscheidungen treffen kann. Die angeforderten Daten umfassen nicht nur die geometrischen Maße, sondern auch relevante Eigenschaften zu Bauteilen.

Vernetztes Planen, Ausführen und Betreiben in drei Ausbaustufen

In der ersten Ausbaustufe des BIM-Portals werden anzufordernde Informationen für alle Fachbereiche erfasst, abgestimmt und standardisiert zur Verfügung gestellt. Diese Informationen (auch als Merkmale und Merkmalsgruppen bezeichnet) sind die Basis für die Erstellung von projektspezifischen Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA).

Digitale Vorlagen und Möglichkeiten zur Konfiguration von AIA sind Bestandteil der zweiten Ausbaustufe. In der dritten Ausbaustufe werden den öffentlichen Auftraggebern Werkzeuge breitgestellt, um zu prüfen, ob während der Planung, der Bauausführung und des Betriebs die angeforderten Informationen korrekt erfasst wurden.

Bauproduktanforderungen öffentlicher Auftraggeber für Anbieter einsehbar

Durch Verwendung von abgestimmten Informationsanforderungen, erhalten zukünftige Auftragnehmer eindeutige und konsistente Leistungsbeschreibungen, um die erwarteten Leistungen kalkulieren bzw. umsetzen zu können. Zudem können sich IT- und Bauproduktanbieter im BIM-Portal darüber informieren, welche Anforderungen von Seiten öffentlicher Auftraggeber an ihre Produkte gestellt werden.

Alle registrierten Nutzer können über Änderungen automatisch informiert werden und Kommentare sowie Vorschläge an die verantwortlichen Stellen übermitteln. Auch private Auftraggeber sollen auf die veröffentlichten Inhalte zugreifen und bei Bedarf für ihre eigenen Ausschreibungen verwenden können.

Pflegestelle soll Fachbereiche Straße, Wasserstraße und Schiene harmonisieren

Parallel zum Start des Pilotbetriebes des BIM-Portals hat eine "Fachliche Pflegestelle" ihre Arbeit aufgenommen. Sie hat die Aufgabe sicherzustellen, dass Doppelarbeiten vermieden und das BIM-Portal entsprechend der Bedarfe der Nutzer weiterentwickelt wird.

Zudem soll sie eine fachübergreifende Harmonisierung und Erstellung der von den Fachbereichen Straße, Wasserstraße, Schiene und Hochbau benötigten Informationselementen gewährleisten.

Bauindustrie: BIM-Portal wichtig, um mit weniger Personal mehr zu bauen

Der Start der neuen kostenfreien BIM-Nutzeroberfläche wird von Vertretern der Bauindustrie sehr begrüßt. "Die Freischaltung ist ein wichtiger Meilenstein zur Digitalisierung des Planen, Bauen und Betreibens von Bauwerken", sagt Hauptverbandsgeschäftsführer Tim-Oliver Müller.

Als Bauwirtschaft erhoffe man sich durch diese "hohe Informationstransparenz" vor allem weniger Reibungsverluste innerhalb des Projektablaufs, weniger Schnittstellenprobleme zwischen Planung und Bauausführung und somit "weniger Streitigkeiten über das eigentliche Bau-Soll", so Müller weiter.

Die konsequente Implementierung von BIM sei für ihn zudem ein "absolutes Muss, um sowohl junge Menschen für das digitale Bauen zu begeistern als auch künftig mit eher weniger Menschen mehr bauen zu können."

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