Fachbeiträge & Interviews
Mittwoch, 19. Januar 2022
Ausgabe 7457 | Nr. 19 | 21. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Campus V: Wie ein Stück Frankfurt für 25 Jahre zwischengenutzt wird

# 14.01.2022

Deutsche Nationalbibliothek stellt Alleenring-Fläche bis 2050 zur Verfügung. Hochschulbündnis will soziales Lern- und Forschungszentrum errichten. Ideenwettbewerbe binden Studenten in Planungen ein

Neue Campusmeile soll Hochschulen der Stadt verbinden

Beim studentischen Ideenwettbewerb "Neubau innovatives Lernzentrum CAMPUS V – Verantwortung" gewann die Masterstudentin Liza Schäfer den 1. Preis. Foto: Jean Heemskerk / Frankfurt University of Applied Sciences Beim studentischen Ideenwettbewerb "Neubau innovatives Lernzentrum CAMPUS V – Verantwortung" gewann die Masterstudentin Liza Schäfer den 1. Preis. Foto: Jean Heemskerk / Frankfurt University of Applied Sciences

Mit der sogenannten Campusmeile in Frankfurt am Main verfolgen die Hochschulen der Stadt das langfristige Ziel der räumlichen und inhaltlichen Vernetzung ihrer Bildungseinrichtungen entlang des nördlichen Alleenrings.

Hinzu kommt die Absicht, die städtebaulichen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen vor Ort umzugestalten.

Mit der Umsetzung des neuen Lern- und Forschungszentrums Campus V auf der Campusmeile will ein gleichnamiges Konsortium nun einen Schritt weitergehen.

Auf dem Erweiterungsgelände der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) soll der Neubau als Interimsgebäude mit einer Brutto-Grundfläche von ca. 17.600 Quadratmeter für eine Nutzungsdauer von 25 Jahren geplant werden.

Investor für Lern- und Forschungszentrum gesucht

Die Übernahme des Grundstücks ist für den 1. Januar 2023 vorgesehen. Dabei sollen der Anspruch auf Nachhaltigkeit und die begrenzte Nutzungsdauer in Einklang gebracht werden. Derzeit wird ein Vergabeverfahren vorbereitet. Das Konsortium ist auf der Suche nach einem Investor, der das Projekt realisieren kann.

Campus V soll nach den Plänen der Verantwortlichen um Professor Jean Heemskerk, Prodekan des Fachbereichs Architektur, Bauingenieurwesen, Geomatik der Frankfurt University of Applied Sciences (FUAS), eine "Bibliothek der Zukunft und in diesem Sinne ein offenes Haus der Wissenschaft, Anlaufstelle für die Gesellschaft, ein Haus für kreative Ideen und eine fruchtbare Zusammenarbeit" sein.

Idee: Haus für soziale Innovationen und Nachhaltigkeit

Die thematischen Schwerpunkte lägen in der Nachhaltigkeit (u.a. green finance) sowie in einem sozialen Unternehmertum (social entrepreneurship) und sozialen Innovationen (social innovation). Den Hochschulen in Frankfurt und der Stadt selbst fehle bislang ein Ort für das Thema Unternehmertum in den Feldern Soziale Innovationen und Nachhaltigkeit.

Campus V hat den Anspruch, diese Lücke zu füllen. Dazu sollen die Studien- und Forschungsschwerpunkte der FUAS und der Frankfurt School zusammen mit dem Kooperationspartner Goethe-Universität, der Teil der Campusmeile ist, gebündelt und verstärkt werden. Campus V soll letztlich als Anlaufpunkt für die Gesellschaft fungieren und Vorträge sowie Diskussionen anbieten.

Nationalbibliothek plant Erweiterungsbau ab 2050

Frank Scholze, Generaldirektor der DNB, sieht in dem Verbundprojekt eine gute Möglichkeit der weiteren Digitalisierung seines Hauses: "Für die Deutsche Nationalbibliothek ist die Campusmeile der ideale Rahmen, um auf dem Erweiterungsgelände der Bibliothek die Idee eines digitalen Wissensraumes umzusetzen."

Die gesammelten Erkenntnisse und Erfahrungen würden in den großen Magazin-Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek einfließen, den die DNB ab 2050 am Standort des Campus V errichten will.

Initiatoren wollen Frankfurt als Wissenschaftsstadt positionieren

Für Frank E. P. Dievernich, Präsident der Frankfurt AUS, stellt die Campusmeile einen Meilenstein in der Stadtentwicklung Frankfurts dar und verweist gleichzeitig auf den Anspruch, Frankfurt als Wissenschaftsstadt zu positionieren. Er spricht zugleich von einem "Leuchtturmprojekt in der europäischen Hochschullandschaft".

Nils Stieglitz, Präsident der Frankfurt School, sieht in dem Projekt Campus V nichts weniger als eine Weiterentwicklung der "zentralen Gründungsideen der Bundesrepublik - das erfolgreiche Modell Ludwig Erhards der sozialen Marktwirtschaft".

Studenten durch Wettbewerbe in Projektentwicklung eingebunden

Die Frankfurter Campusmeile kann als Beispiel für die frühe praktische Einbindung angehender Stadtplaner und Projektenwickler in die Planung eines Bauprojekts gesehen werden. So wurden von Jean Heemskerk mehrere nationale studentische Wettbewerbe und Studienprojekte konzipiert und durchgeführt.

Heemskerk betreute auch den Studentischen Ideenwettbewerb "Neubau innovatives Lernzentrum CAMPUS V - Verantwortung". Die Wettbewerbe sind laut Hochschule ein für die Campusmeile bewährtes Verfahren, welches es ermöglicht, vorab authentische Ideenskizzen aus der Zielgruppe heraus zu erhalten.

Zehn Entwürfe von Master-Studenten wurden eingereicht und von einer Jury unter Beteiligung des Konsortiums begutachtet. Der erste Preis über 800 Euro ging an Liza Schäfer. Ihrem Entwurf gelingt es nach Meinung der Jury unter anderem, die schwierige Situation an der Kreuzung Adickesallee / Eckenheimer Landstraße überzeugend aufzulösen (siehe Abbildung).

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