Fachbeiträge & Interviews
Sonntag, 20. Oktober 2019
Ausgabe 6635 | Nr. 293 | 19. Jahrgang
Autor: Ralf Pfisterer
Herausgeber: bauingenieur24® Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Das Zentralstadion in Leipzig

# 26.05.2006

Äußere historische Form des begrünten Walls bleibt beim Neubau erhalten / Gabionen als natürliche Stützwandkonstruktion verbaut

Rund um die Arena wurden etwa 1.200 laufende Meter Gabionenwände mit einer Höhe von bis zu acht Metern als natürliche Stützwandkonstruktion eingebaut, Foto: Rothfuss Rund um die Arena wurden etwa 1.200 laufende Meter Gabionenwände mit einer Höhe von bis zu acht Metern als natürliche Stützwandkonstruktion eingebaut, Foto: Rothfuss

Zur Fußballweltmeisterschaft 2006 wurden zahlreiche Stadien neu errichtet oder umgebaut. Als einziger Austragungsort in den neuen Bundesländern ist das Zentralstadion in Leipzig vertreten. Die neue Leipziger Fußballarena mit 44.000 Sitzplätzen wurde in den begrünten Wall des ursprünglichen Stadions eingebettet, wobei das außerhalb des Walls stehende Hauptgebäude erhalten blieb. Geplant wurde das neue Zentralstadion durch eine Arbeitsgemeinschaft, die aus den Büros Wirth + Wirth, Glöckner Architekten und Körber-Barton-Fahle bestand. Prägendes Element des neuen Stadions ist das geschwungene Dach, das mit einer 17 Meter hohen Bogen-Tragkonstruktion auf 202 Meter die Tribünen stützenfrei überspannt. Über den Wall des alten Stadions führen vierzehn Treppen auf die Haupterschließungsebene des Stadions. Durch den Neubau innerhalb des vorhandenen Geländes waren umfangreiche Erdbauarbeiten und Stützbauwerke erforderlich.

Für die Stützwandkonstruktionen wurden etwa 8.000 Kubikmeter Gabionen zwischen Juli 2001 und Juli 2003 in Abschnitten verbaut, Foto: Rothfuss Für die Stützwandkonstruktionen wurden etwa 8.000 Kubikmeter Gabionen zwischen Juli 2001 und Juli 2003 in Abschnitten verbaut, Foto: Rothfuss

Die Firma Rothfuss GmbH u. Co. KG aus Hemmingen lieferte hierfür etwa 8.000 Kubikmeter Gabionen, die zwischen Juli 2001 und Juli 2003 in Bauabschnitten montiert und verbaut wurden. Neben dem enormen Termindruck für die einzelnen Bauabschnitte wurden an die Firma Rothfuss auch besondere bauliche Anforderungen gestellt. So erforderten beispielsweise die Nischenausbildungen der Tragstützen für die Tribünen und die umlaufend schräg ausgebildete Oberkante zur Anpassung an die Parkflächen in den beiden unteren Ebenen viele Sonderelemente. Der Gabionenspezialist aus Süddeutschland konnte hierbei auf die erprobten monotec-Gabionen mit dem "Bewehrte-Erde-Prinzip" zurückgreifen, bei dem der Boden zur Tragwirkung mit herangezogen wird. Die monotec-Gabionen zeichnen sich durch hervorragenden Korrosionsschutz, hohe Festigkeit, hohe Korbstabilität unter Last sowie durch eine leichte, schnelle Montage aus. Die Bauarbeiten für das gesamte Stadion konnten im März 2004 abgeschlossen werden. Das erste bedeutende sportliche Großereignis in der "Schüssel in der Schüssel" war das Fußball-Länderspiel Deutschland gegen Kamerun am 17. November 2004.

Über den historischen Trümmerwall des alten Stadions führen vierzehn Treppen auf die Haupterschließungsebene des Stadions, in dem heute 44.000 Zuschauer Platz finden, Foto: Bernd Horlbeck / Westend PR Über den historischen Trümmerwall des alten Stadions führen vierzehn Treppen auf die Haupterschließungsebene des Stadions, in dem heute 44.000 Zuschauer Platz finden, Foto: Bernd Horlbeck / Westend PR

Das alte Zentralstadion war in den Jahren 1955/56 in nur 15 Monaten Bauzeit auf dem Kriegsschutt der Stadt erbaut worden. Da es über 100.000 Sitzplätze verfügte, wurde es auch "Stadion der Hunderttausend" genannt. Trotz verschiedener Sanierungsmaßnahmen, wurde das Stadion zuletzt nicht mehr den Anforderungen einer modernen Arena gerecht. Der Grundstein des neuen Stadions wurde im Januar 2000 anlässlich des 100. DFB-Geburtstages gelegt - Baubeginn war aber erst im Dezember 2000. Das Stadion bietet verschiedene Möglichkeiten, das Spielfeld zu einem späteren Zeitpunkt vollständig zu überdachen. Die Tribünen sind in einen Unterrang (mit 32 Blöcken) und einen Oberrang (mit 22 Blöcken) aufgeteilt. Unter dem Oberrang sind die funktionellen Flächen für Besucher- und VIP-Bereiche sowie Stadionverwaltung, Presse und Technik untergebracht. Die Parkdecks, Sportlerbereiche und Betriebsräume befinden sich unter dem Unterrang.

Die Zuschauerbereiche der Arena sind in vier Sektoren unterteilt. Sie sind im Stadioninneren durch Absperrungen voneinander getrennt und können separat genutzt werden. Die Fassade wurde ihrer Funktionalität entsprechend in verschiedene Bereiche gegliedert. Hierbei wurden unterschiedliche Materialien verwendet. Die Parkebenen verschwinden teilweise im historischen Wall, die übrigen Ebenen sind mit einer Lamellenfassade versehen.

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Quellen-und-Verweise  QUELLEN UND VERWEISE:
Rothfuss GmbH u. Co. KG
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