Fachbeiträge & Interviews
Samstag, 19. Oktober 2019
Ausgabe 6634 | Nr. 292 | 19. Jahrgang
Autor: Michael Braun
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Finale am Kamener Kreuz

# 24.08.2009

Am 25. August um 11 Uhr geht der Umbau des Kamener Kreuzes zu Ende. Baustart war im Mai 2005, zur Fußball-WM gab es zehn Monate Baupause. Jetzt stehen im wohl bekanntesten Autobahnkreuz der Republik auf A1 und A2 durchgängig sechs Fahrstreifen zu Verfügung. Der Verkehr von Hannover in Fahrtrichtung Köln bekam eine eigene Rampe.

Der Hauptverkehrsstrom am Kamener Kreuz von Hannover (A2, von rechts oben) nach Köln (A1, rechts unten) erhielt eine eigene Fahrrampe, Foto: Hans Blossey / Landesbetrieb Straßenbau NRW Der Hauptverkehrsstrom am Kamener Kreuz von Hannover (A2, von rechts oben) nach Köln (A1, rechts unten) erhielt eine eigene Fahrrampe, Foto: Hans Blossey / Landesbetrieb Straßenbau NRW

Am 25. August um 11 Uhr geht der Umbau des Kamener Kreuzes zu Ende. Baustart war im Mai 2005, zur Fußball-WM gab es zehn Monate Baupause. Jetzt stehen im wohl bekanntesten Autobahnkreuz der Republik auf A1 und A2 durchgängig sechs Fahrstreifen zu Verfügung. Der Verkehr von Hannover in Fahrtrichtung Köln bekam eine eigene Rampe.

Die Verkehrsdrehscheibe Kamener Kreuz wird nach dem Um- und Ausbau den täglich 160.000 Fahrzeugen auf A1 und A2 Platz auf jeweils sechs Fahrstreifen bieten. Der Umbau hatte im Mai 2005 mit einer zehnmonatigen Unterbrechung zur Fußballweltmeisterschaft 2006 begonnen. Die größte Herausforderung beim Bau war der Abriss und anschließende komplette Neubau der Brücke, die die A1 über die A2 führt. Diese Bauarbeiten waren pünktlich vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft 2006 abgeschlossen. Der Ausbau des Kamener Kreuzes kostet nach Angaben des Landesbetriebes Straßenbau Nordrhein-Westfalen 73 Millionen Euro.

Der meiste Verkehr im Kamener Kreuz findet auf den Abbiegespuren statt. Die meisten Fahrzeuge fahren hier in Ost-Südrichtung (Hannover - Köln) und umgekehrt. Mit dem Umbau des Kreuzes sollte deshalb vor allem die Leistungsfähigkeit dieser Hauptverkehrsrichtungen verbessert werden.

Die Rampe ersetzt die Kreisfahrt im Nordwesten des Autobahnkreuzes. Die Verkehrsteilnehmer, die von Hannover kommend in Fahrtrichtung Köln unterwegs sind, unterqueren zunächst in einem Trogbauwerk die A1 nördlich und überqueren anschließend die A2 westlich des Kreuzungspunktes beider Autobahnen. Anschließend wird der Verkehr auf der semidirekten Rampe südlich des Kreuzungspunktes auf die A1 in Fahrtrichtung Köln geführt. Die Beschleunigungs- und Einfädelspuren werden auf einer Länge von 500 Metern zweispurig und anschließend auf einer Länge von weiteren 500 Metern einspurig angelegt.

In der entgegengesetzten Fahrtrichtung Köln - Hannover wird die Tangentialfahrbahn im Südosten des AK Kamen 2-spurig ausgebildet und auf längerer Strecke als bisher an die A2 Fahrtrichtung Hannover angebunden. Bei allen übrigen, deutlich schwächer belasteten Verbindungen zwischen der A1 und der A2 bleibt es bei einstreifigen Kreis- und Tangentialfahrten, jedoch mit verbesserten Verzögerungs-, Beschleunigungs- und Einfädelungsspuren.

Geplant wurde das Kamener Kreuz mit den beiden Autobahnstrecken A1 und A2 bereits in den 1930er Jahren durch die Gesellschaft zur Vorbereitung der Reichsautobahnen e.V. Das Autobahnkreuz sollte die erste kreuzungsfreie Verbindung in Form eines "Kleeblatts" von zwei Autobahnen in Deutschland werden.

Der Ausbau der A2 wurde ab 1936 vorrangig betrieben und bis zum Jahre 1940 vollständig abgeschlossen. Erst mit dem Lückenschluss der A1 zwischen Münster und dem Autobahnkreuz Kamen im Jahre 1965 erhielt der Verkehrsknotenpunkt seine bundesweit bekannte überragende Bedeutung. Heute ist das Kamener Kreuz eines der am meisten belasteten Autobahnkreuze in Deutschland.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands und der Öffnung der Grenzen nach Osteuropa war in den vergangenen 15 Jahren ein überproportionaler Verkehrszuwachs zu verzeichnen. Folgerichtig wurde der inzwischen weit fortgeschrittene sechsspurige Ausbau von A1 und A2 mit dem Kamener Kreuz beschlossen.

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