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Sonntag, 11. April 2021
Ausgabe 7174 | Nr. 101 | 20. Jahrgang
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Autor: Michael Braun
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Flächenverbrauch verlangsamt sich

# 10.11.2010

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) hat die Siedlungs- und Verkehrsfläche in Deutschland in den Jahren 2006 bis 2009 insgesamt um 3,0 Prozent oder 1371 Quadratkilometer zugenommen. Das entspricht rechnerisch einem täglichen Anstieg von 94 Hektar oder etwa 134 Fußballfeldern. Das statistische Bundesamt verzeichnet damit einen Rückgang der Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche. Um die Ziele der Bundesregierung bis 2020 zu erreichen, reicht der aktuelle Rückgang allerdings nicht aus.

Zum Stichtag Ende 2009 sind 13,3 Prozent der Fläche Deutschlands als Siedlungs- und Verkehrsfläche genutzt, Foto: Dieter Schütz / Pixelio Zum Stichtag Ende 2009 sind 13,3 Prozent der Fläche Deutschlands als Siedlungs- und Verkehrsfläche genutzt, Foto: Dieter Schütz / Pixelio

Die Flächeninanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrszwecke hat sich damit gegenüber dem letzten Berechnungszeitraum (2005 bis 2008) verlangsamt, in dem die Zunahme noch 104 Hektar pro Tag betrug. Ziel der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung ist es, die tägliche Inanspruchnahme neuer Siedlungs- und Verkehrsflächen bis zum Jahr 2020 auf 30 Hektar pro Tag zu reduzieren. "In den letzen Jahren hat sich der Zuwachs an Siedlungs- und Verkehrsfläche mit erkennbarem Trend abgeschwächt. Eine Fortsetzung der durchschnittlichen jährlichen Entwicklung der letzten Jahre würde jedoch weiterhin nicht genügen, um das vorgegebene Reduktionsziel bis 2020 zu erreichen", heißt es allerdings in den umweltökonomischen Gesamtrechungen des Statistischen Bundesamtes im Auftrag der Bundesregierung.

"Zu den direkten Umweltfolgen der Ausweitung der Siedlungs- und Verkehrsflächen zählen der

  • Verlust der natürlichen Bodenfunktionen durch Versiegelung,
  • Verlust fruchtbarer landwirtschaftlicher Flächen oder
  • Verlust naturnaher Flächen mit ihrer Biodiversität.
Zudem zieht jede Neuerschließung von Bauflächen im Umfeld der Städte und außerhalb der bisherigen Siedlungskerne auch weiteren Verkehr und Flächenzerschneidung nach sich", heißt es weiter in dem Bericht. Zum Erhebungsstichtag 31.12.2009 teilt sich die Bodenfläche Deutschlands (357.125 km²) auf in
  • Siedlungs- und Verkehrsfläche 47.422 km² (13,3 %)
  • Waldfläche 107.534 km² (30,1 %)
  • Landwirtschaftsfläche 187.291 km² (52,4 %)
  • Wasserfläche 8513 km²

sowie in sonstige Flächen mit 6366 km².

Nach Bundesländern betrachtet liegt der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche an der Bodenfläche in den Stadtstaaten Berlin (70,2 Prozent), Hamburg (59,6 Prozent) und Bremen (57,2 Prozent) am höchsten. In den anderen Bundesländern reicht die Spanne des Siedlungs- und Verkehrsflächenanteils von 7,9 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern bis 22,3 Prozent in Nordrhein-Westfalen. Den höchsten Waldanteil erreicht Rheinland-Pfalz mit 41,9 Prozent. Schleswig-Holstein weist mit 69,9 Prozent den höchsten Anteil an landwirtschaftlich genutzten Flächen auf.

"Siedlungs- und Verkehrsfläche" und "versiegelte Fläche" dürfen nicht gleichgesetzt werden. Die Siedlungs- und Verkehrsflächen umfassen auch einen erheblichen Anteil unbebauter und nicht versiegelter Flächen. So haben zum Beispiel die Erholungsflächen, dabei handelt es sich insbesondere um Grünanlagen und Sportflächen, derzeit einen Anteil von 8,2 Prozent an der Siedlungs- und Verkehrsfläche. Sie tragen in den Jahren 2006 bis 2009 in erheblichem Umfang (39 ha/Tag) zum Anstieg der Siedlungs- und Verkehrsfläche bei.

Detaillierte Ergebnisse der Flächenerhebung zum 31.12.2009 sowie eine Zeitreihe seit 1992 bietet die Publikation "Bodenfläche nach Art der tatsächlichen Nutzung" im Internetangebot des Statistischen Bundesamtes unter www.destatis.de > Weitere Themen > Umwelt > Umweltökonomische Gesamtrechnungen > Publikationen > Flächennutzung.

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