Fachbeiträge & Interviews
Samstag, 19. Oktober 2019
Ausgabe 6634 | Nr. 292 | 19. Jahrgang
Autor: Michael Braun
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

"Green Hospital" als PPP

# 23.06.2009

Im Hochtaunuskreis wird der erste Klinikneubau in Public-Private-Partnership (PPP) errichtet: Beim Neubau der Hochtaunuskliniken arbeitet der Bauherr Hochtaunuskreis mit der Ingenieurgesellschaft Arcadis als Projektkoordinator zusammen.

Hessen hat eigens für die Realisierung von PPP-Projekten im Gesundheitswesen das Hessische Krankenhausgesetz angepasst, Foto: a. aperture / fotolia.com Hessen hat eigens für die Realisierung von PPP-Projekten im Gesundheitswesen das Hessische Krankenhausgesetz angepasst, Foto: a. aperture / fotolia.com

Arcadis wurde in Bietergemeinschaft mit Stein Projektmanagement mit der Projektsteuerung und technischen Beratung für den Neubau der Hochtaunuskliniken beauftragt. Der Bauherr ist der Hochtaunuskreis; es handelt sich um den deutschlandweit ersten Krankenhausneubau, der als PPP-Projekt realisiert wird.

Das Land Hessen hat eigens für die Realisierung von PPP-Projekten im Gesundheitswesen das Hessische Krankenhausgesetz zum 1. Januar 2008 angepasst. Angesichts der Diskussion um den Verkauf oder gar die Schließung kommunaler Krankenhäuser habe man so den Spielraum erweitert, erklärt die hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger: "Es gibt noch andere Wege als die völlige Privatisierung."

Die Hochtaunuskliniken sind ein Akutkrankenhaus mit etwa 1.200 Beschäftigten und Standorten in Bad Homburg und Usingen. Nachdem umfangreiche Voruntersuchungen die bestehenden Einrichtungen sowohl baulich als auch betriebsorganisatorisch als ineffizient einstuften und sich eine Modernisierung im Bestand als zu kostspielig herausstellte, entschied sich der Hochtaunuskreis für einen Neubau in Abstimmung mit dem Hessischen Sozialministerium als Fördermittelgeber. Investiert werden rund 140 Millionen Euro, weitere 30 Millionen Euro sind für Ausstattung und Medizintechnik fällig. Das Land ist mit 70 Millionen Euro an dem Projekt beteiligt. Durch die Realisierung als PPP-Projekt erwartet man bei der Betrachtung der Lebenszykluskosten über einen Zeitraum von 25 Jahren deutliche Kostenvorteile.

Das PPP-Konzept beinhaltet die Auswahl eines privaten Partners, der die Immobilie sowohl planen als auch bauen sowie über den Zeitraum von 25 Jahren betreiben wird. Der Projektzeitplan sieht im Sommer 2009 die Durchführung der europaweiten Ausschreibung zur Vergabe der Leistungen Planen, Bauen und Betreiben vor. Ob auch die Medizintechnik mit einbezogen wird, ist derzeit noch offen: "Der sogenannte weiße Bereich, also der ärztliche und pflegerische Betrieb, bleibt bei den Hochtaunuskliniken", erklärt Referatsleiter Jochen Metzner vom Sozialministerium. Die Finanzierung alleine über die privaten Unternehmen abzuwickeln sei unrealistisch, führt Jochen Metzner aus. Deshalb gebe das Land entsprechend Fördermittel hinzu. Eine Wirtschaftlichkeitsprüfung soll jetzt die Kostenvorteile des PPP-Modells belegen. Erste Voruntersuchungen stimmten zuversichtlich, erklärt Landrat Ulrich Krebs. "Wenn sich die PPP-Lösung nicht ergibt, müssen wir uns im normalen Bauprogramm hinten anstellen", erklärt der Landrat.

Voraussichtlich Ende 2010 wird der Zuschlag an einen privaten Partner erteilt werden. Die Bauarbeiten werden Ende 2010 beginnen und der Betrieb soll im Jahre 2013 aufgenommen werden. Der Neubau der Hochtaunuskliniken wird als Green-Building-Pilotprojekt nach den Kriterien der DGNB (Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen) zertifiziert. Damit sind die Hochtaunuskliniken das erste Green Hospital in Deutschland.

Der Auftrag mit einem Honorarvolumen von 2,26 Millionen Euro umfasst einen Zeitrahmen von fünf Jahren und beinhaltet sowohl die technische Beratung als auch die Projektsteuerung inklusive der Steuerung der juristischen und wirtschaftlichen Berater. Dabei geht es nicht nur um das Planungs- und Baucontrolling, sondern das Projekt soll auch nach der Inbetriebnahme noch weitere sechs bis zwölf Monate im Rahmen des Betriebscontrollings begleitet werden.

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