Fachbeiträge & Interviews
Donnerstag, 08. Dezember 2022
Ausgabe 7780 | Nr. 342 | 22. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Höchste Talsperre Deutschlands ausgezeichnet

# 24.06.2022

Rappbode-Stauanlage liefert Trinkwasser und Strom im Unterharz. Große Bedeutung für Hochwasserschutz und Tourismus. 50er-Jahre-Bauwerk erhält Titel "Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland"

Talsperre im Harz: Trinkwasserspeicher und Touristenattraktion

Die Rappbodetalsperre in Sachsen-Anhalt ist mit 106 Metern Höhe (bei 415 Metern Länge) die höchste Talsperre Deutschlands. Foto: Talsperrenbetrieb Sachsen-Anhalt Die Rappbodetalsperre in Sachsen-Anhalt ist mit 106 Metern Höhe (bei 415 Metern Länge) die höchste Talsperre Deutschlands. Foto: Talsperrenbetrieb Sachsen-Anhalt

Die Rappbodetalsperre in Sachsen-Anhalt ist mit 106 Metern Höhe (bei 415 Metern Länge) die höchste Talsperre Deutschlands.

Das beeindruckende Bauwerk, mit dem sich eine Wasserfläche von 390 Hektar und mehr als 113 Millionen Kubikmeter Wasser anstauen lässt, ist das Kernstück eines aus sechs Talsperren bestehenden Anlagensystems. Es dient dem Hochwasserschutz, der Trinkwasserversorgung sowie der Stromerzeugung.

Eine nicht geringe Bedeutung hat die Talsperre inzwischen auch für den Tourismus. So locken ein Wanderweg über die Staumauer, die längste Doppelseilrutsche Europas (ca. 1 km Länge, max. 120 m ü. d. Wasseroberfläche) und eine 483 Meter lange Fußgängerhängebrücke (118 t Gewicht) jedes Jahr tausende Besucher in den Harz.

Besondere Ingenieurleistung mit Nationalpreis der DDR ausgezeichnet

Geplant wurde die Rappbodetalsperre bereits vor dem Zweiten Weltkrieg. Die Weiterentwicklung und der Bau erfolgten jedoch erst ab 1952 unter zum Teil schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen.

Anlässlich der Inbetriebnahme im Jahr 1959 wurden die verantwortlichen Ingenieurinnen und Ingenieure mit dem Nationalpreis der DDR ausgezeichnet. Gegenüber anderen Staumauern weist die konstruktive Gestaltung der Rappbodetalsperre gleich mehrere Besonderheiten auf.

Spezielle Feldfugen schützen vor Rissbildung

So ermöglichen beispielsweise spezielle Feldfugen eine gewisse Beweglichkeit der einzelnen Mauerfelder, wodurch das sehr große, starre Bauwerk weitestgehend vor Rissbildung geschützt werden soll. Darüber hinaus erlaubt ein ausgeklügeltes Gangsystem die intensive Überwachung.

Aufgrund ihrer besonderen Merkmale und Geschichte wurde die Rappbodetalsperre nun in die Liste der "Historischen Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland" aufgenommen. Die Verleihung fand im Rahmen des Tages der Ingenieure Sachsen-Anhalt 2022 statt.

Nach Pretziener Wehr zweites historisches Wahrzeichen in Sachsen-Anhalt

1948 wurden die Planungen und der Bau der Rappbodetalsperre als "das größte Nachkriegsprojekt der Sowjet-Zone" wieder aufgenommen. Foto: Erich Dumm / Bundesarchiv 1948 wurden die Planungen und der Bau der Rappbodetalsperre als "das größte Nachkriegsprojekt der Sowjet-Zone" wieder aufgenommen. Foto: Erich Dumm / Bundesarchiv

"Es freut mich sehr, dass nach dem Pretziener Wehr nun das zweite sachsen-anhaltische Wahrzeichen und somit auch die meisterliche Leistung ihrer Erbauer, gewürdigt wird", sagt Steffen Eichner, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt.

"Die Auszeichnung der Rappbodetalsperre zeigt, dass Sachsen-Anhalt ein Land mit einer herausragenden Ingenieurtradition ist. Auch in Zukunft werden wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Entwicklung nur mit außergewöhnlichen Ingenieurleistungen möglich sein", ergänzt Jörg Herrmann, Präsident der Ingenieurkammer Sachsen-Anhalt.

Auch der Präsident der Bundesingenieurkammer, Heinrich Bökamp, spricht von einer verdienten Auszeichnung: "Bis heute leistet das Bauwerk einen wichtigen Beitrag zum Schutz und zur Versorgung der dort lebenden Menschen. Das zeigt, wie wichtig Ingenieurwissen für unser tägliches Leben ist– damals wie heute."

Historische Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland

Seit 2007 erhielten 29 Bauwerke die Auszeichnung als "Historische Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland".

In der gleichnamigen Schriftenreihe wird auch die Rappbodetalsperre mit technischen und historischen Hintergründen ausführlich porträtiert. Die entsprechende Publikation von Mathias Deutsch und Henrik Eberle erscheint Ende des Jahres.

Die Auszeichnungsreihe wird vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB), den Ingenieurkammern der Länder und einem gemeinnützigen Förderverein unterstützt.

Ihre Bewertung für diesen Fachbeitrag
0 von 5 Sternen | 0 Abstimmungen
Kurz-Link  Kurz-Link zu diesem Beitrag:
http://www.bauingenieur24.de/url/700/3448