Fachbeiträge & Interviews
Mittwoch, 20. November 2019
Ausgabe 6666 | Nr. 324 | 19. Jahrgang
Autor: Michael Braun
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Leipzig: Eisenbahntechnischer Ausbau im City-Tunnel beginnt

# 30.04.2009

Der City-Tunnel Leipzig als bestimmendes Bauprojekt in der Leipziger City soll eine Verbindung zwischen den Kopfbahnhöfen Leipzig Hauptbahnhof und Leipzig Bayerischer Bahnhof als Lückenschluss im bestehenden Eisenbahnnetz herstellen. Damit erhält der Nahverkehr auf der Nord-Süd-Achse eine neue Ausrichtung mit Direktanschluss in die größte und wirtschaftlich bedeutendste Stadt der Region. Jetzt wurde der fertige Rohbau der ersten Abschnitte zum weiteren Innenausbau an die Deutsche Bahn AG übergeben.

Grundriss des City-Tunnel-Verlaufes mit Stationslagen, Abb.: Freistaat Sachsen Grundriss des City-Tunnel-Verlaufes mit Stationslagen, Abb.: Freistaat Sachsen

Damit erreicht die gut vierjährige Bauphase, die das Leben in der Leipziger Innenstadt bestimmt hat, eine wichtige Etappe: Die Übergabe erfolgte durch die verantwortlichen Projektleiter der Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und bau GmbH (DEGES) an die Deutsche Bahn AG. Damit kann die DB mit dem bahntechnischen Innenausbau der Tunnelröhren beginnen.

Zuerst wird nun in der Tunnelröhre vom neuen Haltepunkt Semmelweisstraße bis zum Haltepunkt Markt eine Betonsohle in der Röhre aufgebracht, auf der anschließend die zur Erschütterungsdämmung elastisch gelagerte sogenannte Feste Fahrbahn entsteht. Die tangierenden Maßnahmen zur Anbindung des City-Tunnels Leipzig im Vorfeld des Leipziger Hauptbahnhofes im Bereich der Nord- und der Westrampe werden parallel begonnen. Im Anschluss an die Westrampe des City-Tunnels wird ein Kreuzungsbauwerk für eine niveaufreie Kreuzung der Verkehre aus Leutzsch und Halle entstehen.

Dirk Stecher, Bauherrenvertreter City-Tunnel Leipzig der DB Netz AG erläutert das weitere Vorgehen: "Mit dem Beginn der eisenbahntechnischen Ausrüstung des Tunnels sind wir jetzt in wahrsten Sinne des Wortes am Zug. Die Bauarbeiten für die Streckenzuführung im Bereich des Leipziger Hauptbahnhofes werden überwiegend ‚unter dem rollendem Rad’ durchgeführt, um die Einschränkungen für die Reisenden so gering wie möglich zu halten."

Der Anschluss des Tunnels an die bestehende Infrastruktur im Bahnhofsbereich erfordert unter anderem den Neubau von 12 Kilometern Gleis, 30 Kilometer Oberleitungsanlagen, 50 Weichen und zirka 5000 m² Stützwände. Hinter der Berliner Brücke, im Bereich des Industriegebietes entsteht der neue Haltepunkt Theresienstraße.

Bereits fertig gestellt wurde in den letzten zwei Jahren eine Eisenbahnbrücke unter der Brücke "Richard-Lehmann-Straße". Sie ermöglicht die südliche Einbindung der City-Tunnel Verkehre in das bestehende Gleisnetz.

Zum Fahrplanwechsel im Dezember des Jahres 2009 soll der Regelbetrieb durch den Tunnel aufgenommen werden. Mit Inbetriebnahme der insgesamt fünf Kilometer langen Neubaustrecke mit dem 3,4 Kilometer langen Tunnel im Untergrund von Leipzig werden die Systeme des Schienennahverkehrs im wichtigsten Verkehrskreuz im mitteldeutschen Raum völlig neu geordnet – von den Verbindungen bis zum Einsatz von neuen Fahrzeugen. Experten haben errechnet, dass mit dem öffentlichen Nahverkehr täglich mehr als 320.000 Pkw-Kilometer ersetzt werden können. Das entlastet vor allem die Leipziger Innenstadt.

Die Vision des Lückenschlusses wurde schon vor mehr als 100 Jahren geboren. Beim Bau des Leipziger Hauptbahnhofs – das imposante Gebäude wurde 1915 fertig gestellt - hielten die Ingenieure dafür bereits den nötigen Platz vor. Doch abgesehen von der technischen Herausforderung, den komplizierten Leipziger Untergrund sicher zu untertunneln, war auch die finanzielle Hürde für das Projekt einer "Leipziger U-Bahn" bislang stets zu hoch. Erst mit der Deutschen Einheit konnten die Verkehrsplaner die kühnen Gedanken wieder aufnehmen, die sich schon dem Laien beim Betrachten von Schienenplänen der Region geradezu aufdrängen.

Mit der Gründung der S-Bahn-Tunnel Leipzig GmbH als Planungsgesellschaft wurde das Projekt 1996 gestartet. Am 19. Mai 2000 lag der Planfeststellungsbeschluss für die Tunnelstrecke vor. Der offizielle Spatenstich erfolgte am 9. Juli 2003 am Platz vor dem neuen Leipziger Bildermuseum. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 571,62 Millionen Euro, davon trägt der Freistaat Sachsen mit 182 Millionen Euro den größten Anteil. 169 Millionen Euro kommen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Weitere 114,5 Millionen Euro steuert der Bund aus Mitteln nach dem Bundesschienenwegeausbaugesetz (BschWAG) sowie weitere 77,20 Millionen Euro nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) bei. Die Deutsche Bahn AG und die Stadt Leipzig engagieren sich mit jeweils 16,4 Millionen Euro bzw. 12,8 Millionen Euro.

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