Fachbeiträge & Interviews
Montag, 21. Oktober 2019
Ausgabe 6636 | Nr. 294 | 19. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Mechanisierte Zustellbasis für Deutsche Post errichtet

# 14.10.2014

Anlage soll wachsenden Paketversand beschleunigen. Baugrund und Spannbreiten erfordern Sonderlösungen. Elemente aus Holz und Stahl für Konstruktion kombiniert

Post investiert in Logistik

Ein 440 Quadratmeter großer, zweistöckiger Verwaltungsbereich wurde in die Zustellanlage integriert, setzt sich jedoch in der Fassadengestaltung ab. Foto: Brüninghoff Ein 440 Quadratmeter großer, zweistöckiger Verwaltungsbereich wurde in die Zustellanlage integriert, setzt sich jedoch in der Fassadengestaltung ab. Foto: Brüninghoff

Die Meldung ist noch nicht alt: Der Preis für den Briefversand mit der Deutschen Post wird voraussichtlich das dritte Jahr in Folge steigen. Die Post begründet dies mit höheren Lohnkosten und Investitionen.

Letztere sind in der Nähe von Recklinghausen beispielhaft sichtbar. Der Projektbau-Spezialist Brüninghoff hat hier auf einem 20 Hektar großen Grundstück innerhalb von acht Monaten eine mechanisierte Zustellbasis für die Paketzustellung errichtet. Der Neubau sei auch auf den Betrieb einer aufwendigen Sortiertechnik ausgerichtet, heißt es vom Erbauer: Was in bisher üblichen Zustellbasen per Hand erledigt wurde, soll künftig automatisch geschehen.

Mit der modernen Zustellbasis reagiert DHL auf das rasante Wachstum des Online-Versandhandels. Für eine schnelle Auslieferung von Paketen und Postsendungen ist eine ausgeklügelte Logistik unerlässlich. In modernen Zustellbasen werden die Sendungen automatisch den einzelnen Paketboten zugeordnet und gelangen so in die Bezirke im Umkreis. Dieses soll nun auch die Anlage in Recklinghausen leisten. Das Gesamtgebäude bietet Platz für 4500 Quadratmeter Logistikfläche und einen 440 Quadratmeter großen, zweistöckigen Verwaltungsbereich.

Materialverbund und Vorfertigung als Schlüsselfaktoren

Die Vorfertigung der einzelnen Elemente - wie hier der Stahlbetonstützen - gewährleisteten eine kurze Bauzeit. Foto: Brüninghoff Die Vorfertigung der einzelnen Elemente - wie hier der Stahlbetonstützen - gewährleisteten eine kurze Bauzeit. Foto: Brüninghoff

Für das bauausführende Unternehmen war der intelligente Materialverbund verschiedener Werkstoffe sowie ein hoher Vorfertigungsgrad der einzelnen Bauelemente ein wichtiger Bestandteil. Zu den besonderen Herausforderungen des Projektes zählte ein Gefälle auf dem Grundstück von bis zu sieben Metern.

Um das Gefälle des Grundstückes zu kompensieren, wurde dieses neu modelliert. Die Zufahrten und Wege wurden in ihrer Neigung so angepasst, dass sie einerseits das Befahren von Sattelschleppern und Transportern ermöglichen und anderseits wirtschaftlichen Aspekten Rechnung tragen. Ein übermäßiges Anfüllen des Geländes und die erhöhte Abfuhr von Bodenaushub konnten vermieden werden. Im Zuge dieser Maßnahme wurde auch eine Bodenstabilisierung vorgenommen.

Um einen schnellen Baufortschritt zu gewährleisten, wurden viele Elemente der neuen Halle vorgefertigt. Für eine zeitliche Optimierung wurden parallel zur Bodenverkalkung die Stahlträger für die Hallenkonstruktion vorproduziert. Der beauftragte Generalunternehmer Brüninghoff fertigte die einzelnen Elemente im eigenen Hause vor.

Stahl und Holz in Kombination

Für die Dachkonstruktion wurden Brettschichtholzbinder gewählt, welche 42 Meter stützenfrei überspannen. Foto: Brüninghoff Für die Dachkonstruktion wurden Brettschichtholzbinder gewählt, welche 42 Meter stützenfrei überspannen. Foto: Brüninghoff

Neben der Baugrundanpassung galt es, die Hallenbreite von 42 Metern stützenfrei zu überspannen. Weiterer Schwerpunkt war die Ausrichtung auf die spätere Verwendung der Halle, wobei die innen liegende Verteiltechnik reibungslose An- und Ablieferungen erlauben muss. Hinsichtlich Einbruch- und Brandschutz wurden schließlich ebenfalls erhöhte Anforderungen gestellt.

Um eine wirtschaftliche Konstruktion zu gewährleisten und gleichzeitig die Anforderungen hinsichtlich Spannweiten und Brandschutz zu berücksichtigen, setzte Brüninghoff auf eine Kombination aus Brettschichtholz für das Dach und Stahlbeton für das Traggerüst des Gebäudekörpers. Mit den eingesetzten Brettschichtholzbindern lassen sich große Spannweiten stützenfrei überbrücken.

Sie werden als Satteldachträger mit geradem Untergurt ausgeführt und in ihrer Trägergeometrie der Dachneigung angepasst, die über einen Mindestgrad für den Ablauf des Wassers verfügt. Die Auflagerung der Konstruktion erfolgt auf Stützen aus Stahlbeton, die die Lasten des Daches aufnehmen und in die Fundamente ableiten.

Hinsichtlich des Brandschutzes lässt sich mit Brettschichtholz zumeist die Klasse F30 problemlos erreichen. Im Fall des neuen Versandzentrums war dies aufgrund der statisch ohnehin geforderten Querschnitte mit geringem Aufwand möglich.

Funktionalität im Fokus

Für die spätere Funktionalität des Gebäudes war die Lage der Türen und Tore sowie die Maße und Gewichte von Maschinen – insbesondere der Sortieranlage – und Lagergut zu berücksichtigen. Auch die Außenanlagen wurden auf die spätere Nutzung ausgerichtet.

Hierzu zählen die Lage und Neigung der Rampen zur Anlieferung oder auch die genaue Positionierung von Stellplätzen der Auslieferungs- und Mitarbeiterfahrzeuge.

Die Brüninghoff GmbH & Co. KG

gehört seit 40 Jahren zu den führenden Projektbau-Spezialisten in Deutschland. Der Hauptsitz des Unternehmens ist im münsterländischen Heiden. Weitere Niederlassungen sind an den Standorten Hamburg, Niemberg und Villingen-Schwenningen beheimatet. 400 Mitarbeiter realisieren europaweit über 160 Bauprojekte im Jahr. Das Kerngeschäft des Familienunternehmens ist die Produktion von vorgefertigten Bauelementen aus Beton, Stahl, Holz, Aluminium sowie die ganzheitliche Konzeption, Planung und schlüsselfertige Ausführung von Bauprojekten.

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