Fachbeiträge & Interviews
Dienstag, 10. Dezember 2019
Ausgabe 6686 | Nr. 344 | 19. Jahrgang
Autor: Susanne Ruhrländer, Christian Wieg
Herausgeber: bauingenieur24® Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Neue Lufthansa-Hauptverwaltung am Frankfurter Flughafen

# 18.07.2005

Der Neubau der Hauptverwaltung der Deutschen Lufthansa AG am Flughafen Frankfurt/Main soll bis Ende 2005 fertig gestellt sein

Der Bau des Lufthansa Aviation Center (LAC) steht auf einem Streifen zwischen Autobahn 3 und dem Flughafen. In dieser Ansicht liegt der Flughafen hinter dem Gebäude, Foto: Ingenhoven und Partner Der Bau des Lufthansa Aviation Center (LAC) steht auf einem Streifen zwischen Autobahn 3 und dem Flughafen. In dieser Ansicht liegt der Flughafen hinter dem Gebäude, Foto: Ingenhoven und Partner

Dem Architekturbüro Ingenhoven und Partner aus Düsseldorf gelang in Zusammenarbeit mit dem Statikbüro Werner Sobek Ingenieure auf einzigartige Weise, die Unternehmensphilosophie der Fluggesellschaft dreidimensional umzusetzen. Der Bau des Lufthansa Aviation Center (LAC), wie ihn die Mitarbeiter nach einem Namenswettbewerb tauften, wurde innerhalb einer Arbeitsgemeinschaft federführend von der Adam Hörnig Bauunternehmung aus Aschaffenburg realisiert.

Die Architektur stützt sich auf große Betonflächen, deren makelloses Erscheinungsbild durch hochqualitative Schalungssysteme ermöglicht wurde. Der internationale Architektenwettbewerb für das LAC wurde 1999 ausgelobt. Das Architekturbüro Ingenhoven konnte sich gegen sechs Mitbewerber in der Endausscheidung durchsetzen. Die Bauarbeiten begannen Ende 2003. Das LAC erstreckt sich längs auf einem schmalen Streifen zwischen der Autobahn 3 und dem Flughafengelände - mit Blick auf Start- und Landebahnen.

65.000 m3 Beton / 15.300 Tonnen Betonstahl

15.300 Tonnen Betonstahl werden verbaut, Foto: Ingenhoven und Partner 15.300 Tonnen Betonstahl werden verbaut, Foto: Ingenhoven und Partner

Großflächig dominiert im Inneren des Gebäudes der Sichtbeton. Schlank, leicht, so zieht er das Auge des Betrachters auf sich. Herrlich helle Oberflächen signalisieren Optimismus. Natürlich unbehandelt – soll wollten es die Planer. Vom Sichtbeton sind in den Obergeschossen ca. 30.000 m² in höchster Qualität für Wände und Stützen verbaut. Dazu kommen 50.000 m² horizontale Deckenuntersichten und 8.000 m² zweifach gekrümmte Dachschalen.

Zur Festlegung der Betonqualitäten wurden im Vorfeld Musterflächen im Maßstab 1:1 gebaut. Die in Teilbereichen zu erwartende besonders hohe statische Belastung der schlanken Stützen und der schmalen Wände erforderte in bestimmten Abschnitten einen hochfesten Beton der Festigkeitsklasse B 85.

Dachkonstruktion erforderte Schalungsspezialisten

Eine schalungstechnische Herausforderung bildete die Erstellung der Stahlbeton-Dachschalen, die zweiachsig gekrümmt sind, Foto: Ingenhoven und Partner Eine schalungstechnische Herausforderung bildete die Erstellung der Stahlbeton-Dachschalen, die zweiachsig gekrümmt sind, Foto: Ingenhoven und Partner

An der Flügelform eines Kranichs, dem Signet der Lufthansa AG, orientiert sich die Schalenform des LAC-Daches. Die doppelt gekrümmten, 42 m langen und 28 cm starken Stahlbetonschalen über den Bürobereichen verjüngen sich nach Außen von ca. 16,0 m auf 12,0 m. Seitlich ruhen sie auf Unterzügen bzw. auf den Wänden der Kerne.

Eine schalungstechnische Herausforderung bildete die Erstellung der Stahlbeton-Dachschalen. Jede wurde in 19 Querachsen zu 2,70 m Breite aufgeteilt. Um die Handhabung zu erleichtern wurde jedes der 19 Querstücke wiederum geteilt, so dass die Schalung jedes Fingers aus 38 unterschiedlich bogenförmig geneigten Schalelementen in Längen von 6,50 bis 8,50 m bestand. Doch kein Element glich dem anderen und jedes bestand wiederum aus fünf unterschiedlichen Nagelplatten-Bindern. Die computergestützt berechnete und passgenau erstellte Sonderform kam vormontiert auf die Baustelle. Dann wurde sorgfältig eine Dreischichtschalhaut aufgebracht, erläutert Rainer Schmitz, Geschäftsführer Euroform Schalungsservice.

In Längsrichtung der Dachschalen haben die Architekten und Tragwerksplaner Spannbewehrung ähnlich einer Brückenkonstruktion vorgesehen. An der Stirnseite wurde eine vorgespannte Seilunterspannung konstruiert.

4.500 m² Großflächen-Schalungsplatten

Bei der Erstellung der Sichtbetonflächen im Bereich der Treppenhäuser, Flure und sichtbaren Kernwände sowie bei den Unterzügen im Dachbereich erfüllten 4.500 m² der Großflächen-Schalungsplatte Betoplan Plus eine wichtige Aufgabe. Die Furniersperrholzplatten aus Hartholzfurnieren nach DIN 68792 mit einer abriebfesten Filmbeschichtung von 300 g/m² je Seite eignen sich für alle glatten, fugenarmen Betonoberflächen mit erhöhten Anforderungen. Der Schalungsbauer konfektionierte die 2000 mm x 5200 mm großen und 21 mm starken Platten des Herstellers Westag & Getalit AG entsprechend den baulichen Vorgaben und auch nach mehrmaligem Einsatz wurde eine einwandfreie Sichtbetonqualität festgestellt.

Themenorientierte Innenhöfe

Das Bild zeigt eines der fünf Atrien, in denen dann jeweils ein Themengarten für jeden Kontinent der Erde gestaltet wird, Foto: Ingenhoven und Partner Das Bild zeigt eines der fünf Atrien, in denen dann jeweils ein Themengarten für jeden Kontinent der Erde gestaltet wird, Foto: Ingenhoven und Partner

Ein weiteres Highlight bilden in den Atrien die filigranen Schleuderbetonstützen, die nach Herstellerangaben einmalig in Lastaufnahme und Schlankheit sind. Ihr hochfester B 105 Beton trägt im Abschlussbereich des Daches die Last der Glas-Stahl-Schalen.

Transparente Atrien mit themenorientierten, intensiv bepflanzten Innenhöfen dienen als Schall- und Immissionspuffer. In den Innenhöfen werden Landschaftstypen aus den fünf Kontinenten dargestellt. Sie symbolisieren die weltweiten Verbindungen der Lufthansa. Das Klimakonzept entstand nach den Berechnungen von Klaus Daniels (HL-Technik) und wird für ein angenehmes Raumklima und damit hohe Arbeitsplatzqualität sorgen.

Zwei Drittel weniger Energie als ein Gebäude herkömmlicher Bauweise wird das LAC als "Low Energy Building" wegen seiner modularen Baustruktur verbrauchen. Es bietet später bis zu 1.800 Büroarbeitsplätze.

Ihre Bewertung für diesen Fachbeitrag
Kurz-Link  Kurz-Link zu diesem Beitrag:
https://www.bauingenieur24.de/url/700/1575