Fachbeiträge & Interviews
Donnerstag, 24. Oktober 2019
Ausgabe 6639 | Nr. 297 | 19. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Schulbau: Personalmangel verschärft Investitionsstau

# 02.10.2019

42,8 Milliarden Euro für Sanierung und Neubau nötig. Baumaßnahmen müssen pädagogischen Wandel berücksichtigen. Münchens größtes Schulbauprojekt pünktlich fertig gestellt

Schulen gehören zur infrastrukturellen Grundausstattung

Abb. 1: In ältere bzw. historische Schulgebäude (hier das Goethe-Gymnasium in Pritzwalk, erbaut 1904) wurde in der Vergangenheit zu wenig investiert. Viele dieser Bauwerke sind entsprechend sanierungsbedürftig. Foto: Horst Schröder / Pixelio Abb. 1: In ältere bzw. historische Schulgebäude (hier das Goethe-Gymnasium in Pritzwalk, erbaut 1904) wurde in der Vergangenheit zu wenig investiert. Viele dieser Bauwerke sind entsprechend sanierungsbedürftig. Foto: Horst Schröder / Pixelio

Zur öffentlichen Infrastruktur als "Grundausstattung einer Volkswirtschaft" (Gabler Wirtschaftslexikon) gehören neben Verkehrsbauten, wie Straßen oder Schienen, und Versorgungseinrichtungen, wie Stromnetze oder Wasserwerke, die staatlichen Schulgebäude.

Wie in fast allen Bereichen der Infrastruktur herrscht auch hier ein immens hoher Investitionsrückstau, welchen das Deutsche Institut für Urbanistik (difu) aktuell mit 42,8 Milliarden Euro beziffert. Zum Vergleich: Im Jahr 2008 lag der Wert bei rund sechs Milliarden Euro (siehe Quellen und Verweise).

Was konkret hinter dieser Zahl steckt, verdeutlicht ein Beispiel aus der Bundeshauptstadt: Wie die Zeitschrift "Erziehung und Wissenschaft" berichtet, führen in einer Berliner Grundschule die vorgeschriebenen Fluchtwege direkt durch die Klassen, weshalb die Tische für Gruppenarbeiten nicht mehr zusammengestellt werden dürfen. Alternative Fluchtwege sind aufgrund der schlechten Statik des Altbaus nicht realisierbar.

Bürokratie und Fachkräftemangel hemmen Fördermittelabfluss

Neben Sanierungen und Umbauten sind aufgrund steigender Schülerzahlen auch zahlreiche Neubauten erforderlich. In stark wachsenden Großstädten wie Köln oder Berlin sind laut Tagespresse innerhalb der nächsten Jahre jeweils zwischen 40 bis 60 neue Schulen erforderlich und bereits in Planung.

Um der Situation Herr zu werden, wurden in der Vergangenheit zwar verschiedene staatliche Förderprogramme aufgelegt (siehe Quellen und Verweise). Aufgrund fehlenden Fachpersonals in den städtischen und kommunalen Verwaltungen sowie bürokratischer Hürden und unklarer Zuständigkeiten können die bereitstehenden Mittel jedoch oft nicht adäquat abgerufen werden. Länderspezifische Schulbauverordnungen erschweren zudem ein flächendeckend einheitliches Vorgehen.

Länderspezifische Schulbauverordnungen: Einheitliches Vorgehen schwierig

Zusätzlich zu Fragen des Geldes und des Personals erschweren länderspezifische Schulbauverordnungen ein flächendeckend einheitliches Vorgehen bei der Sanierung bzw. Neuerrichtung von Schulen. Zudem sind letztlich die einzelnen Städte und Gemeinden für bauliche Belange und die sachliche Ausstattung zuständig. Einige Kommunen verfolgen hier ein Raumkonzept mit klar definierten Standards, andere hingegen nicht.

Das in Sachen Schulneubau dennoch "große Sprünge" möglich sind, zeigt ein aktuelles Beispiel aus der bayerischen Landeshauptstadt. Rund 245 Millionen Euro soll das momentan größte Schulbauprojekt Münchens im neu erschlossenen Stadtteil Freiham kosten. Bauherr ist die Stadt München, Träger der Freistaat Bayern.

Bildungscampus in München mit komplexer Gebäudetechnik ausgestattet

Abb. 2: Lichtdurchflutet und geräumig präsentiert sich die Neubauten auf dem Bildungscampus im Münchner Stadtteil Freiham. Foto: Obermeyer Abb. 2: Lichtdurchflutet und geräumig präsentiert sich die Neubauten auf dem Bildungscampus im Münchner Stadtteil Freiham. Foto: Obermeyer

Auf dem Campus befinden sich eine Grundschule, ein Sonderpädagogisches Förder- und Kompetenzzentrum, eine Realschule, ein Gymnasium sowie ein weiteres Gemeinschaftsgebäude (vgl. Abb. 2).

Die Objekte wurden mit modernster Gebäudetechnik ausgestattet, wofür die aus München stammende Ingenieurgesellschaft Obermeyer mit Planungsleistungen der Versorgungs- und Klimatechnik sowie des Brandschutzes und der Mess-, Steuer- und Regelungstechnik verantwortlich zeichnete.

Beispielhaft für die herausfordernde technische Gebäudeausrüstung steht eine Küchenlüftungsdecke in einer Produktionsküche, wo pro Tag über 3.000 Mahlzeiten zubereitet werden sollen (vgl. Abb. 3). Darin integriert ist eine automatische Ansul-Löschanlage, welche mit einer Aufschaltung auf die Brandmeldeanlage ausgestattet ist und durch die eventuell auftretende Fettbrände bereits im Keim erstickt werden.

Lean-Construction unterstützt schnellen Schulneubau

Abb. 3: Die Produktionsküche des Bildungscampus' in Freiham, München wurde mit modernsten technischen Anlagen ausgestattet. Foto: Obermeyer Abb. 3: Die Produktionsküche des Bildungscampus' in Freiham, München wurde mit modernsten technischen Anlagen ausgestattet. Foto: Obermeyer

Für den Unterricht in den naturwissenschaftlichen MINT-Fächern wie Chemie und Physik wurden spezielle Anlagen zur Verwendung von Brenngas sowie der Ver- und Entsorgung installiert, einschließlich der Sonderabluftanlagen für Chemie-Abzüge und Lagerschränke.

Die Umsetzung der Baumaßnahme erfolgte laut Obermeyer mit Methoden und Werkzeugen des LEAN-Construction-Managements unter Anwendung weit reichender Objektüberwachungsmethoden.

Die Rohbauarbeiten an dem großzügigen Bildungscampus begannen 2017 und wurden im Sommer 2018 abgeschlossen. Pünktlich zum Beginn des Schuljahres 2019/20 ging der neue Campus in Betrieb.

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