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Dienstag, 20. Februar 2018
Ausgabe 6028 | Nr. 51 | 17. Jahrgang
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Wohnungsbaugenossenschaft wertet Plattenbaugebiet in Dresden auf

# 07.04.2017

Einstige Arbeitergenossenschaft unterhält 9.000 Wohnungen im Westteil der Stadt. Pilotprojekt soll für 30 Millionen Euro städtisches Wohnen im Grünen ermöglichen. Hohe Baukosten und Wohnstandards machen Wohnraum teurer

Volksaufstand führte zur Zulassung von Genossenschaften

184 Wohnungen verteilen sich auf drei Haustypen: zehn Gartenhäuser senkrecht zu den Straßen, drei große Stadthäuser und zwei kleine Stadthäuser in Punktform. Quelle: Eisenbahner-Wohnungsbaugenossenschaft Dresden eG 184 Wohnungen verteilen sich auf drei Haustypen: zehn Gartenhäuser senkrecht zu den Straßen, drei große Stadthäuser und zwei kleine Stadthäuser in Punktform. Quelle: Eisenbahner-Wohnungsbaugenossenschaft Dresden eG

Als Reaktion auf den Volksaufstand in der ehemaligen DDR im Jahr 1953 wurde vom zuständigen Ministerrat unter anderem die Gründung von Arbeiterwohnungsbaugenossen­schaften (AWG) zugelassen. Ziel der Initiatoren war es, mit eigenen Mitteln und mit Unterstützung von Trägerbetrieben ausreichende und nicht zuletzt in der Nachkriegszeit wieder menschenwürdige Wohnungen zu bauen.

Unter diesen Voraussetzungen wurde am 5. Juli 1954 auch die Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft Deutsche Reichsbahn Dresden - seit 1990 Eisenbahner-Wohnungsbaugenossenschaft Dresden (EWG) - ins Leben gerufen. Die knapp 9.000 Wohnungen der bis heute existierenden Genossenschaft im Dresdner Westen befinden sich in den Stadtteilen Gorbitz, Löbtau, Cotta, Briesnitz, Naußlitz und Dölzschen.

Bestandswohnbauten: Denkmalschutz mit modernem Wohnen vereint

Von den Beständen der 1920er und 30er Jahre stehen viele unter Denkmalschutz. Diese wurden bereits in der Vergangenheit entsprechend saniert, wobei man durch Grundrissänderungen, dem Einbau moderner Heizungsanlagen und Bäder sowie dem Anbau von Balkonen laut Genossenschaft auch die heutigen Anforderungen an modernes Wohnen berücksichtigt habe.

Um den Wohnkomfort und die Attraktivität des einst vermeintlich "schönsten Plattenbaugebiets" mit circa 6.000 Wohnungen im Stadtteil Gorbitz weiter zu erhöhen, hat sich die Genossenschaft bereits 2002 zum Pilotprojekt "Kräutersiedlung" entschlossen. Hierbei soll neben der umfassenden Modernisierung der Wohnungsbestände besonderer Wert auf die Gestaltung der Freiflächen, Grünanlagen, Spielplätze und anderen öffentlichen Räume gelegt werden.

Genossenschafts-Neubauten sollen 184 Wohnungen im Grünen schaffen

Ein noch zu realisierendes Teilprojekt sieht die Errichtung eines neuen Wohnquartiers mit insgesamt 184 Wohnungen und einer Gesamtwohnfläche von rund 15.100 Quadratmetern für Familien, Singles, Paare und Senioren vor. Sämtliche Bauleistungen sowohl im Hochbau als auch im Tief- und Straßenbau werden von den Dresdner Niederlassungen des Bauunternehmens Wolff & Müller erbracht.

"Die anspruchsvolle Bauzeit von nicht einmal vier Jahren bedingt einen optimalen, gut organisierten Bauablauf", sagt Cliff Kürschner, Niederlassungsleiter der Wolff & Müller Hoch- und Industriebau GmbH & Co. KG. Das Unternehmen hat in der Region bislang unter anderem das Forschungszentrum "B CUBE" der Universität Dresden sowie das Zwinger-Forum in Dresden realisiert. Nun steht also der schlüsselfertige Bau von fünfzehn Mehrfamilienhäuser in drei Abschnitten an.

Wohnungsbaugenossenschaft investiert 30 Millionen in Häuser und Gärten

Bis zum Herbst 2018 soll der erste Bauabschnitt mit zehn Gartenhäusern, die jeweils paarweise einen kleinen "Kräuterhofgarten" umschließen und vor allem Familien ansprechen sollen, abgeschlossen sein. Im zweiten Abschnitt des Projekts "Kräuterterrassen" entstehen bis zum Frühsommer 2019 fünf Stadthäuser mit Dachterrassen und Mietergärten, deren Wohnungen barrierefrei erreichbar und seniorenfreundlich geplant sind. Parkbänder verbinden Gartenhäuser und Stadthäuser.

Insgesamt will die Eisenbahner-Wohnungsbaugenossenschaft Dresden 30 Millionen Euro in die "Kräuterterrassen" investieren. Ziel sei es, den Charakter der bestehenden "Kräutersiedlung" aufzunehmen, jedoch die Fläche besser zu nutzen und dichter zu bebauen.

Steigende Baukosten: Auch genossenschaftlicher Wohnraum teurer

Das Projekt kann als Paradebeispiel einer anspruchsvollen Neubebauung bei gleichzeitigem Anspruch der Bezahlbarkeit gesehen werden. In welchem Spannungsverhältnis sich die genossenschaftliche Auftraggebergesellschaft bewegt, beschreibt sie auf ihrer Webpräsenz:

"Wir wollen in einer Zeit bauen, in der die umfangreichen Vorschriften und gestiegenen Baupreise von der Genossenschaft Baukosten erfordern, die kaum noch Nettokaltmieten unter zehn Euro pro Quadratmeter zulassen.

Zusätzliche Wünsche, wie großzügige Wohnungen, Tageslichtbäder oder barrierefreie Erreichbarkeit für Senioren, lassen die Lücke zwischen Ansprüchen an das Wohnen und bezahlbarem Wohnraum immer größer werden."

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