Fachbeiträge & Interviews
Sonntag, 25. August 2019
Ausgabe 6579 | Nr. 237 | 19. Jahrgang
Autor: Dipl.-Ing. Klaus D. Siemon, Osterode/Harz
Herausgeber: IWW Institut für Wirtschaftspublizistik GmbH & Co. KG email-weiterempfehlendruckansicht

Altengerechtes Wohnen planen

# 27.09.2013

Begriff in technischen Regeln nicht eindeutig geklärt. Planungslösung muss von Fall zu Fall bestimmt werden. Festlegung des Solls in Leistungsphase 1 am sinnvollsten

Wie eine Wohnung beschaffen sein muss, damit Menschen im Alter unbeschwert darin leben können, ist durch aktuelle Planungsvorgaben nicht klar definiert. Foto: Klaus-Uwe Pacyna  / Pixelio Wie eine Wohnung beschaffen sein muss, damit Menschen im Alter unbeschwert darin leben können, ist durch aktuelle Planungsvorgaben nicht klar definiert. Foto: Klaus-Uwe Pacyna / Pixelio

Welche Eigenschaften die Planungslösung aufweisen soll, kann gelegentlich zu größeren Auseinandersetzungen führen. Neben Planungsänderungen spielen dabei oft auch Mangelvorwürfe eine wichtige Rolle. Ein aktuelles Beispiel dafür ist das "altengerechte Wohnen".

"Altengerecht" nicht definiert
Der Begriff "altengerecht" ist in den allgemein anerkannten Regeln der Technik nicht mit einer Legaldefinition ausgestattet, aus der sich konkret ergibt, was darunter zu verstehen ist. Schon die Frage, ob altengerecht auch behindertengerecht bedeuten kann, zeigt die Komplexität auf. Dabei sind altengerecht und behindertengerecht längst nicht das Gleiche.

Während "behindertengerecht" inhaltlich anhand technischer Regeln definiert werden kann, gilt das für den Begriff "alten-" oder "seniorengerecht" nicht. Das zeigt auch ein Blick in die Rechtsprechung:

  • Der Begriff "seniorengerechte Wohnungen" bedeutet nicht, dass das Bauwerk besondere technische Eigenschaften aufweisen muss. (OLG Koblenz, Urteil vom 25.2.2011, Az. 10 U 1504/09)

  • Eine Vereinbarung wie zum Beispiel "behindertengerecht / rollstuhlgerecht" enthält dagegen konkrete Soll-Vorgaben für die Planer, in diesem Fall die Einhaltung der DIN 18025. (OLG Düsseldorf, Urteil vom 15.12.2009, Az. 23 U 11/08)

Konkretisierung in neuer HOAI

Die HOAI 2013 leistet eine kleine Hilfestellung für die Festlegung des Planungssolls. In der Leistungsphase 1 ist nämlich geregelt, dass der Auftraggeber bei Planungsbeginn Vorgaben machen muss. Hier ist folglich der (richtige) Zeitpunkt, um das Planungssoll abzuklären und festzulegen.

Alles, was nicht bzw. noch nicht in der Leistungsphase 1 geklärt wird, muss anschließend konkret geklärt werden. Bei "seniorengerechten Häusern" sollten deshalb die zu erfüllenden Anforderungen konkret beschrieben werden.

PRAXISHINWEISE:

  • Weder die HOAI noch das Werksvertragsrecht helfen bei der konkreten Beschreibung dessen, was die Planungslösung erfüllen muss. Das hat der BGH mehrfach bestätigt - und das gilt auch für das altengerechte Wohnen.

  • Regeln Sie deshalb bereits im Planungsvertrag, welche Eigenschaften das Planungsergebnis erfüllen soll und welche nicht.

  • Wenn das bei Vertragsabschluss noch nicht möglich erscheint, sind diese Klärungen im Rahmen der Leistungsphase 1 oder spätestens in der Leistungsphase 2 vorzunehmen und zu dokumentieren.
Quellen-und-Verweise  QUELLEN UND VERWEISE:
Planungsbüro professionell (PBP)
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