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Samstag, 20. April 2019
Ausgabe 6452 | Nr. 110 | 18. Jahrgang
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Einsatz von BIM: Auswirkungen auf Leistungsbilder und Honorar

# 03.04.2017

Bundesweite Einführung der Arbeitsmethode bis 2020 geplant. Einzelverträge mit herkömmlichen Leistungsbildern für BIM-Projekte ungeeignet. Neudefinierte Grundleistungen machen Honorarerhöhung wahrscheinlich

BIM in Deutschland: Ziele und Umsetzung

Grafik 1: Für den Einsatz der BIM-Methode ist eine kooperative Leistungsstruktur unabdingbar. Quelle: DhochN Digital Engineering GmbH Grafik 1: Für den Einsatz der BIM-Methode ist eine kooperative Leistungsstruktur unabdingbar. Quelle: DhochN Digital Engineering GmbH

Das erklärte Ziel des "Building Information Modeling" (BIM) ist es, weniger störanfällige Bauausführungen sowie präzisere Kosten- und Terminkalkulationen zu erreichen und ein Bauwerk vollständig, ohne Medienbrüche und Informationsverluste über seinen gesamten Lebenszyklus zu verwalten.

Dazu werden alle fachlichen Beiträge der Projektbeteiligten in einem System von virtuellen Modellen zusammengeführt. Aus dem konsistent aufgebauten Gesamtmodell lassen sich während des Baus zum Beispiel Bautagesberichte, Mängelverfolgungen oder Abrechnungen generieren. Als Grundlage für das Betreiben kann eine As-Built-Dokumentation geliefert werden. Schließlich wird ein genauer Soll-Ist-Abgleich ermöglicht.

In Deutschland soll der flächendeckende Einsatz von BIM-Methoden unter anderem mit dem Stufenplan des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) vorangetrieben werden (siehe "Quellen und Verweise"). Die Deutsche Bahn will bereits ab 2017 alle Projekte nur noch mit BIM planen lassen. Das BMVI will dies für seine Projekte ab 2020 tun.

Kultur- und Methodenwandel im Bauwesen macht neue Leistungsbilder erforderlich

Grafik 2: Mit BIM liegt der Fokus auf einem Gesamtmodell der Planung und nicht mehr auf den Einzeldisziplinen. Dies muss bei zukünftigen Planungsverträgen berücksichtigt werden. Quelle: DhochN Digital Engineering GmbH Grafik 2: Mit BIM liegt der Fokus auf einem Gesamtmodell der Planung und nicht mehr auf den Einzeldisziplinen. Dies muss bei zukünftigen Planungsverträgen berücksichtigt werden. Quelle: DhochN Digital Engineering GmbH

Der konsequente Einsatz der BIM-Methoden bringt einen Wandel gegenüber der bisherigen Planungs- und Baukultur mit sich. Der gewohnte Fokus der Beteiligten auf ihre eigene Disziplin und ihren Teil der Wertschöpfung weicht einem integrierten Blick auf den gesamten Planungsprozess und der Baurealisierung (siehe Grafik 1).

Im Zuge der digitalen Methoden verändern sich auch Zuständigkeiten und Aufgaben. Traditionelle Leistungsbilder und Abrechnungsregeln sind in den vorliegenden Regelwerken der analogen Planung in vielen Fällen nicht mehr sinnvoll, da es inzwischen effizientere, transparentere und genauere Möglichkeiten gibt.

Beim Einsatz von BIM-Methoden wird zukünftig der optimierte, integrierte, digitale Prozess der Leistungserbringung im Vordergrund stehen, so dass die jeweiligen Leistungsbilder und die bisher üblichen Regelwerke sich den modernen Erfordernissen anpassen werden. Gleichwohl lassen sich die neuen Formen der Zusammenarbeit auch mit den vorhandenen Mitteln rechtssicher gestalten, wie im Folgenden beschrieben wird.

BIM-Verträge: Mehr Details und verbindliche Standards notwendig

Für die Vereinbarung von BIM-Leistungen ist eine detailliertere Beschreibung der Leistungsinhalte notwendig, was im Grunde dem Werkvertragsprinzip des Planungsvertrags widerspricht. Zudem gilt es, einen einheitlich verbindlichen Standard für das zentrale Modellsystem zu verabreden. Dies kann idealerweise mit Gesamtplanungsverträgen oder mit kooperativen Planungsverträgen umgesetzt werden. Einzelvertragslösungen mit herkömmlichen Leistungsbildern je Fachdisziplin sind nicht geeignet.

Der Aufbau eines BIM-Gesamtmodells wird in der Praxis zunehmend von einem zentralen Kompetenzteam geleistet. Für die effiziente und erfolgreiche Umsetzung von BIM-Methoden ist eine klare und präzise Auftraggeber-Informations-Anforderung wichtig. Ebenso müssen die erforderlichen Anwendungsfälle definiert werden, die mit abstimmungsfreien Datenprozessen versorgt werden sollen (Grafik 2). Diese können zum Beispiel sein:

  • modellbasierte geometrische Koordination,
  • Kostenermittlung,
  • Erstellen von Plänen,
  • Bauleistungsabrechnung.

Die vereinbarten Anwendungen und die kundenspezifisch erforderlichen Datenprozesse bestimmen die jeweilige Modellierungsmethodik und die dort zu kumulierenden Informationen.

Anwendung der Honorarordnung in BIM-Projekten: Begrifflichkeiten umdefinieren

Die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) ist grundsätzlich methodenneutral aufgebaut, auch wenn sie noch "Zeichnungen" und "Maßstäbe" erwähnt, die auf analoge, dokumentenorientierte Methoden schließen lassen.

Diese Begriffe ließen sich leicht als "Anweisungen für die Herstellung von Bauleistungen" in verschiedenen "Detaillierungsstufen" umdefinieren. Die Form zur Übermittlung dieser "Anweisungen" sollte im Sinn des Werkvertragsrechts den Beteiligten überlassen und von diesen eindeutig festgelegt werden.

Honorarerhöhung mit Erweiterung der Grundleistungen begründbar

Die Vergütung der Leistungen kann nach wie vor über die HOAI abgewickelt werden. Ihre Leistungsbilder sehen funktional beschriebene Erfolge vor. Die Summe der Leistungsbilder im Projekt stellen die interdisziplinäre Gesamtleistung dar.

Zu beachten ist dabei, dass in vielen Fällen Grundleistungen nach HOAI um womöglich zusätzliche Anforderungen der nötigen BIM-Anwendungsfälle angepasst und erweitert werden müssen. Der Einsatz der neuen modellbasierten Methoden führt somit mittelfristig zu einem neuen Verständnis von "Grundleistungen". Sie lassen sich allerdings mit der aktuellen Systematik als Kombination aus Grund- und Besonderen Leistungen formulieren.

Eine durch BIM-Methoden verfügbare größere Planungstiefe und neue, weitergehende Anwendungen des Modells können eine Erhöhung der Honorare gegenüber den Grundleistungsgebühren begründen - insbesondere wenn der Kunde damit eine höhere Wertschöpfung erzielt.

Offene Kooperation mit geschlossener BIM-Lösung am einfachsten

Grafik 3: Für den reibungslosen Ablauf der Datenprozesse innerhalb des BIM ist eine umfangreiche Softwarelandschaft vonnöten. Quelle: DhochN Digital Engineering GmbH Grafik 3: Für den reibungslosen Ablauf der Datenprozesse innerhalb des BIM ist eine umfangreiche Softwarelandschaft vonnöten. Quelle: DhochN Digital Engineering GmbH

Im Planungsrecht und Bauvertragsrecht stellt eine "Offene Kooperations-Regelung" eine hohe Transparenz und hohe Kooperationsbereitschaft zwischen den Partnern sicher. In der Regel sind hierbei alle Prozesse und Informationen über einen Bau offen zu legen.

Für BIM muss dabei zunächst ein konsistentes Modell mit einem durchgängigen, kompatiblen, abstimmungsfrei anwendbaren Informationsfluss festgesetzt werden (Grafik 2). Technisch gelingt dies am besten mit einer "closed BIM-Lösung", bei der nur eine Software zum Einsatz kommt.

Bei "open BIM-Methoden" arbeiten die verschiedenen Disziplinen mit unterschiedlichen Softwareprodukten, was Abstimmungs- und Koordinationsaufwand erzeugt: Die unterschiedlichen Fachmodelle werden in das offene Datenformat "IFC" (Industry Foundation Classes) exportiert und auf einer neutralen Plattform zum Gesamtmodell zusammengeführt. Dessen Qualität hängt dabei von der IFC-Implementierung der beteiligten Systeme ab.

Fazit und Ausblick: HOAI und Baurecht mittelfristig an BIM anzupassen

BIM wird die Planung, Realisierung und den Betrieb von Bauwerken grundlegend verändern. Ziel der digitalen Transformation in der Bauwirtschaft ist, eine schlanke, datengestützte, effiziente Projektabwicklung mit hoher Transparenz zu realisieren. Dafür müssen die verschiedenen Disziplinen enger kooperieren und offen kommunizieren.

Bezogen auf die Honorierung und die geltenden rechtlichen Regeln sind für den erfolgreichen Einsatz von BIM kurzfristig keine grundsätzlichen Veränderungen nötig. Mittelfristig werden gewisse Anpassungen und Erweiterungen allerdings erforderlich sein.

Prof. Dipl.-Ing. Hans-Georg Oltmanns

ist Geschäftsführer der DhochN Digital Engineering GmbH sowie der BIM-Baumeister-Akademie gUG in Oldenburg.

Zum Thema des Textes hält Professor Oltmanns am 17. Mai 2017 einen Vortrag im Rahmen der VDI-Fachkonferenz "BIM im Hoch- und Infrastrukturbau" in Düsseldorf.

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