Fachbeiträge & Interviews
Donnerstag, 26. Mai 2022
Ausgabe 7584 | Nr. 146 | 21. Jahrgang
Autor: Dr. Sebastian Schattenfroh
Herausgeber: Höpken, Königer & Börgers, Rechtsanwälte email-weiterempfehlendruckansicht

Haftung des Architekten für Undichtigkeit des von ihm geplanten Gebäudes

# 27.08.2001

Der BGH hat in einer jetzt veröffentlichten Entscheidung wesentlichen Grundsätze zur Haftung des Architekten aufgestellt und bestätigt

Der Architekt schuldet eine mangelfreie, funktionstaugliche Planung. Dazu gehört die Berücksichtigung der Bodenverhältnisse. Wenn mit drückendem Wasser zu rechnen ist, muss die Planung des Architekten hiergegen den erforderlichen Schutz vorsehen. Dabei sind die Grundwasserstände zu berücksichtigen, die in langjähriger Beobachtung nur gelegentlich erreicht worden sind. Die Planung der Abdichtung eines Bauwerkes muss bei einwandfreier Ausführung zu einer fachlich richtigen, vollständigen und dauerhaften Abdichtung führen. Der Architekt kann sich nicht ganz einfach dadurch "exkulpieren", dass ihm die erforderliche Fachkenntnis gefehlt habe, die konkreten Wasser- und Bodenverhältnisse zu beurteilen.

Wenn ihm nämlich diese fachspezifischen Kenntnisse fehlen, muss er: 1) den Bauherrn hierauf hinweisen und ihm die Hinzuziehung eines Sonderfachmanns (z.B. Bodengutachter) empfehlen, 2) den Bauherrn bei der Auswahl eines geeigneten, qualifizierten und zuverlässigen Sonderfachmanns beraten, 3) dem hinzuzuziehenden Sonderfachmann einen zur abschließenden Klärung der Grundwasserverhältnisse geeigneten Auftrag erteilen und 4) die Feststellungen des Sonderfachmanns auf Plausibilität und Widerspruchsfreiheit untersuchen.

Im konkreten Fall hatte der Architekt gegen seine Verpflichtungen in mehrfacher Hinsicht verstoßen: Er hatte für den Bauherrn lediglich die Erstattung eines Gründungsgutachtens in Auftrag gegeben, obwohl zur abschließenden Klärung der Grundwasserverhältnisse ein hydro-geologisches Gutachten erforderlich gewesen wäre. Außerdem hatte er übersehen, dass der beauftragte Gutachter Bohrungen lediglich bis 3,2 m Tiefe vorgenommen hatte, während die Aushubtiefe der Aufzugschächte bis zu 4,8 m betrug.

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