Fachbeiträge & Interviews
Sonntag, 09. Dezember 2018
Ausgabe 6320 | Nr. 343 | 18. Jahrgang
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Herausgeber: IWW Institut für Wirtschaftspublizistik GmbH & Co. KG IWW Institut für Wirtschaftspublizistik GmbH & Co. KG email-weiterempfehlendruckansicht

HOAI 2013: Tragwerk klar definiert

# 23.10.2013

Tragwerksbegriff auf wesentliche Bestandteile der Fachplanung beschränkt. Standsicherheit als Kriterium nicht ausreichend. Regelungen von anrechenbaren Kosten unberührt

HOAI zu Tragwerksplanung: Nicht alle statischen Nachweise sind Grundleistungen

Der Standsicherheitsnachweis für bestimmte Stahltreppen gehört nicht zu den Grundleistungen der Tragwerksplanung. Foto: Alexander Dreher  / Pixelio Der Standsicherheitsnachweis für bestimmte Stahltreppen gehört nicht zu den Grundleistungen der Tragwerksplanung. Foto: Alexander Dreher / Pixelio

Eine der wesentlichen Änderungen, die die HOAI 2013 für den Bereich der Tragwerksplanung gebracht hat, ist die Klarstellung, was als Tragwerksplanung gilt (§ 49 HOAI). Diese Anpassung hat zur Folge, dass viele Leistungen, die bisher landläufig (aber unzutreffend) als Grundleistungen angesehen wurden, gar keine mehr sind.

Nach § 49 HOAI bezieht sich die Tragwerksplanung auf die statische Fachplanung für die Objektplanung Gebäude und Ingenieurbauwerke.

Das Tragwerk bezeichnet dabei das statische Gesamtsystem der miteinander verbundenen, lastabtragenden Konstruktionen, die für die Standsicherheit von Gebäuden, Ingenieurbauwerken und Traggerüsten bei Ingenieurbauwerken maßgeblich sind.

Damit ist klargestellt, dass längst nicht alle Konstruktionen, die standsicher sein müssen, im Rahmen der Grundleistungen zu bearbeiten sind.

Das gilt für folgende – beispielhaft genannte – Konstruktionen:

Standsicherheitsnachweise als Besondere Leistungen

  • Standsicherheitsnachweise für die nichttragende Fassadenkonstruktion einschließlich Nachweis der Befestigung am Tragwerk
  • Standsicherheitsnachweise für Stahltreppen als eingeschossige selbsttragende Treppen, die an den tragenden Betonkonstruktionen befestigt werden
  • Standsicherheitsnachweise für Gitterroste in Vertikalschächten, soweit die Gitterroste großflächig durchbrochen werden (Installationen) und daher die sogenannte Typenstatik nicht mehr verwendbar ist
  • Angaben zu Standsicherheitsanforderungen (z.B. Befestigungen) bei Gerüsten, soweit einzelfallbezogen erforderlich Gerüstklasse

Statische Nachweise als Besondere Leistungen

  • Statische Nachweise für Stahlbetonfertigteiltreppenläufe, die nicht zum Tragwerk gehören
  • Statischer Nachweis für Absturzsicherungen in Versammlungsstätten, soweit entsprechende Nachweise vorzulegen sind

Diese Regelungen nach § 49 HOAI sind unberührt von den anrechenbaren Kosten, die mit 55 Prozent der Kostengruppe 300 und 10 Prozent der Kostengruppe 400 geregelt sind. Mit anderen Worten: Die anrechenbaren Kosten werden um die oben genannten Kosten (Treppenläufe, Gitterroste, nichttragende Fassade) nicht reduziert.

Tragwerksplaner mit Konstruktionen beauftragen

Die Erbringung der oben genannten Leistungen kann frei vereinbart werden. In vielen Fällen (z.B. Gitterroste in Vertikalschächten, Fassaden, Treppenläufe) ist es sinnvoll und wirtschaftlich, den Tragwerksplaner direkt mit den entsprechenden Leistungen und nicht Dritte (z.B. die Hersteller der Treppen, Gitterroste) zu beauftragen.

Schließlich ist der Tragwerksplaner ohnehin in Bezug auf die fachspezifische Koordination und Integration an den tragwerksrelevanten Planungsinhalten beteiligt.

2017-09-29 Ingenieurbauwerken Tragwerksplanung HOAI 2013 Traggerüsten Standsicherheit Objektplanung Stahlbetonfertigteiltreppenläufe Grundleistungen Tragwerk Fassadenkonstruktion Standsicherheitsnachweise Baurecht HOAI https://www.bauingenieur24.de/fachbeitraege/baurecht/hoai-2013-tragwerk-klar-definiert/2592.htm 400 de-DE
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