Fachbeiträge & Interviews
Samstag, 21. September 2019
Ausgabe 6606 | Nr. 264 | 19. Jahrgang
Autor: Dipl.-Ing. Klaus D. Siemon, Osterode/Harz
Herausgeber: IWW Institut für Wirtschaftspublizistik GmbH & Co. KG email-weiterempfehlendruckansicht

Honorarvorschlag: Örtliche Bauüberwachung von Verkehrsanlagen und Ingenieurbauwerken berechnen

# 28.02.2014

Leistungsvergütung in HOAI 2013 nicht geregelt. Altes Berechnungssystem ohne Berücksichtigung der Honorarzonen abgelehnt. Unverbindliche Honorartabelle gibt Empfehlung für angemessene Mindestsätze und Höchstsätze

HOAI 2013: Keine verbindliche Regelung zur Bauüberwachung

Anhand der Honorartabelle sind die empfohlenen Mindestsätze bzw. Höchstsätze für eine angemessene Leistungsberechnung ablesbar. Grafik: Arbeitsgemeinschaft GWT/TUD Börgers, Kalusche, Siemon Anhand der Honorartabelle sind die empfohlenen Mindestsätze bzw. Höchstsätze für eine angemessene Leistungsberechnung ablesbar. Grafik: Arbeitsgemeinschaft GWT/TUD Börgers, Kalusche, Siemon

Die HOAI 2013 enthält leider keine verbindliche Regelung zur Höhe der Honorare für die örtliche Bauüberwachung bei Ingenieurbauwerken und Verkehrsanlagen. Planungsbüros und Auftraggeber suchen deshalb nach Berechnungsmodalitäten, die zu angemessenen Honoraren führen.

Lernen Sie im Folgenden einen Vorschlag kennen, der nach den gleichen Berechnungsprinzipien erarbeitet wurde wie die verbindlichen Honorartafeln der HOAI 2013.

Hinweis: Die Honorartabelle ist direkt dem BMWi-Gutachten entnommen worden. Sie war dafür vorgesehen, in die HOAI 2013 als verbindliche Preisrechtsregelung aufgenommen zu werden. Der Verordnungsgeber hat das aber nicht getan. Deshalb bleibt die Tabelle rein formal betrachtet eine Empfehlung.

Hintergrund: Kritik an alter Vergütungsregelung ohne Honorarzonen

Die Honorare für die örtliche Bauüberwachung wurden mit der HOAI 1985 in das Preisrecht übernommen. Damals wurde auf Basis eines Abstimmungsprozesses der jeweiligen Berufsvertreter und der großen Auftraggeber eine Vergütungsregelung gefunden, die nicht nach Honorarzonen bzw. Schwierigkeitsgraden unterschied. Diese Methode stieß in der Fachwelt auf Kritik.

Bereits im Statusbericht HOAI 2000 Plus war deshalb vorgeschlagen worden, die Schwierigkeitsgrade als Honorarzonen bei der örtlichen Bauüberwachung einzuführen (wie bei anderen Bauüberwachungsleistungen auch).

Um dieses Defizit mit der HOAI 2013 zu beseitigen, schlugen Berufsvertretungen und Auftraggeber im Abschlussbericht des Bundesministeriums für Verkehr, Bauwesen und Städtebau (BMVBS) 2011 vor, für unter- und überdurchschnittlichen Aufwand sogenannte Honorar-Öffnungsklauseln zu installieren.

Arbeitsgruppe erstellte Honorartabelle für spezielle Bauüberwachung

Diese Ziele sind in der Honorartabelle der Arbeitsgemeinschaft GWT/TUD Börgers, Kalusche, Siemon umgesetzt worden, die das Honorargutachten zur HOAI 2013 für das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) erarbeitet hat.

Die Berechnungssystematik ist vergleichbar mit der, die bei der Aktualisierung der anderen Honorartafeln der Objektplanung zur Anwendung kam. Des Weiteren wurden ein sachgerechter Degressionsverlauf und eine Schichtung nach fünf Honorarzonen eingearbeitet, um die Unterscheidungen nach Schwierigkeitsgraden rechnerisch zu berücksichtigen. Dabei wurden hier ebenfalls die Berechnungsmethoden gemäß BMWi-Gutachten angewendet.

Die oben stehende Grafik zeigt die Honorartabelle für die örtliche Bauüberwachung bei Ingenieurbauwerken und Verkehrsanlagen aus dem Gutachten für das BMWi zur HOAI 2013. Damit steht der Praxis eine Honorartafel zur Verfügung, die für ein angemessenes Honorar sorgt und deren Honorartafelwerte schlüssig und plausibel sind. Diese Honorartafel eignet sich auch bei VOF-Verfahren.

Fazit: Honorartabelle als Hilfe für Auftraggeber und Planer wertvoll

Die Honorartabelle ist eine wertvolle Hilfe für alle Auftraggeber und sich bewerbende Planer. Das gilt vor allem für öffentliche Auftraggeber, die nach ihren Haushaltsvorschriften ja auch gehalten sind, Aufträge zu angemessenen Preisen zu vergeben.

Die Tabelle gibt Auskunft darüber, wo die angemessenen Honorare liegen (zwischen Mindest- und Höchstsatz in der zutreffenden Honorarzone bei entsprechenden anrechenbaren Kosten).

Auftraggeber, die Honorarvereinbarungen unterhalb dieser Tafelwerte treffen, ohne dass der Leistungsumfang nach § 8 Abs. 2 HOAI entsprechend reduziert wurde, dürfen davon ausgehen, dass sie ihrem Auftrag kein angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis zugrunde legen.

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