Fachbeiträge & Interviews
Montag, 26. Oktober 2020
Ausgabe 7007 | Nr. 300 | 20. Jahrgang
Autor: Dipl.-Ing. Klaus D. Siemon, Osterode/Harz
Herausgeber: IWW Institut für Wirtschaftspublizistik GmbH & Co. KG email-weiterempfehlendruckansicht

Planungsbüro: Leistungsgrenzen kennen und kommunizieren

# 28.04.2015

Bauüberwachung für Ingenieurbüros ohne Spezialkenntnisse zulässig. Ausführendes Unternehmen haftet für mangelhafte Umsetzung. Planer sollte Bauherrn über Unerfahrenheit aufklären

Fachtechnisches Neuland in Büros keine Seltenheit

Auch wenn Bauüberwacher für ihre Unkenntnis in speziellen Bauweisen nicht immer haften, sollten sie den Bauherrn vorab über eigene Leistungsgrenzen informieren. Foto: Thorben Wengert  / Pixelio Auch wenn Bauüberwacher für ihre Unkenntnis in speziellen Bauweisen nicht immer haften, sollten sie den Bauherrn vorab über eigene Leistungsgrenzen informieren. Foto: Thorben Wengert / Pixelio

Es gehört zum Tagesgeschäft der planenden Berufe, dass man auch einmal einen Auftrag annimmt, in dem man fachtechnisch Neuland betritt. In dem Fall ist es wichtig, die eigenen Grenzen zu erkennen und diese im Zuge der Vertragsabwicklung ehrlich zu kommunizieren. Dann – so die Lehre aus einer Entscheidung des OLG Jena – kann das "Haftungsschwert" an einem vorübergehen.

Im konkreten Fall war ein Architekt mit Generalplanungsleistungen im Schwimmbadbau beauftragt. Lediglich die Planung der Technischen Ausrüstung war ihm nicht übertragen worden, da er in dem Leistungsbild lediglich die Bauüberwachung (Lph 8) innehatte.

Nachdem das Schwimmbad fertig gestellt war, gab es die ersten Undichtigkeiten des Beckens. Ein Beweisverfahren brachte heraus, dass eine spezielle Abdichtungsfolie nicht fachgerecht eingebaut war. Außerdem war die Sekundärdichtung nicht funktionsfähig.

Architekt führt mangelhafte Fachkenntnis erfolgreich als Verteidigung an

Für den Bauherrn war die Sache klar: Der ausführende Unternehmer habe mangelhaft ausgeführt, der Generalplaner eine mangelhafte Bauüberwachung erbracht. Beide wurden gesamtschuldnerisch in Anspruch genommen. Der Architekt wehrte sich. Er behauptete, der Mangel sei allein auf eine unsachgemäße Bauausführung zurückzuführen. Ihn treffe keine Verantwortung, weil dem Bauherrn bekannt gewesen sei, dass er ein "ganz normaler Hochbaufachmann" sei und nicht über die erforderlichen Fachkenntnisse verfüge, um hier eine ordnungsgemäße Bauüberwachung zu gewährleisten.

Das OLG gab ihm Recht. Es folgte der Auffassung des Sachverständigen, dass für einen "einfachen Bauüberwacher" nicht feststellbar war, dass die verlegte Schwimmbadfolie undicht gewesen sei. Hierzu sei eine spezielle funktionstechnische Überprüfung erforderlich. Diese setze Spezialkenntnisse voraus, die von einem "einfachen Bauüberwacher" nicht zu erwarten seien (OLG Jena, Urteil vom 8.1.2015, Az. 1 U 268/13).

Beratungspflicht unverzichtbar zur Risikovermeidung

Das Urteil darf nicht verallgemeinert werden. Zwar müssen Planer tatsächlich nicht alle Einzelheiten spezieller Bauweisen kennen und in der Lage sein, deren sachgemäße Ausführung zu überwachen. Sie müssen den Bauherrn aber rechtzeitig auf fachliche Defizite hinweisen und ihm vorschlagen, Fachkräfte mit speziellen Leistungen zu beauftragen. Dann ist es am Bauherrn, entsprechende Maßnahmen zur Qualitätssicherung zu ergreifen.

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Planungsbüro professionell (PBP)
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