Fachbeiträge & Interviews
Montag, 05. Dezember 2022
Ausgabe 7777 | Nr. 339 | 22. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Autor: Dipl.-Ing. Klaus D. Siemon
Herausgeber: IWW Institut für Wirtschaftspublizistik GmbH & Co. KG email-weiterempfehlendruckansicht

Wie Planungsbüros dem Kostendruck mit klarer Beratung begegnen

# 27.07.2022

Festlegung der Kostenvorstellung in Leistungsphase 1 gerichtlich gefordert. Unterschiedliche Arten der Kostenermittlung in DIN 276/18 geregelt. Zusatzhonorar und Haftungsrisiko eng mit Planungsberatung verknüpft

Planende zunehmend mit Mängelanzeigen konfrontiert

Planende müssen mit ihren Auftraggebern während der Lph 1 genau klären, welche Faktoren die Kostenermittlung bestimmen. Foto: Thorben Wengert / Pixelio Planende müssen mit ihren Auftraggebern während der Lph 1 genau klären, welche Faktoren die Kostenermittlung bestimmen. Foto: Thorben Wengert / Pixelio

Das Thema Kosten ist zuletzt noch bedeutender geworden als es schon immer war. In der Praxis ist zu beobachten, dass Auftraggeber vermehrt Planende mit Mangelvorhalten konfrontieren, um aus Projekten "schmerzfrei" aussteigen oder sie verschieben zu können.

Auch eine Entscheidung des Landgerichts (LG) Neuruppin ist ein eindeutiger Beleg dafür. Hieraus lassen sich wichtige Konsequenzen für die eigenen Kostensteuerungs- und -beratungsmaßnahmen ableiten.

Konkret hat das LG Neuruppin folgendes gesagt: Bereits in der Leistungsphase 1 müssen die Kostenvorstellungen oder -möglichkeiten geklärt werden, unter denen das zu planende Projekt bearbeitet werden soll. Ist die Klärung nicht erfolgt, liegt eine mangelhafte Planung vor (LG Neuruppin, Beschluss vom 21.02.2022, Az. 1 O 44/21).

Unterschiedliche Ausgangslagen: Fachliche Anforderungen vs. Kostenziele

Das Risiko, eine mangelhafte Planung im Hinblick auf die Kosten vorzulegen und damit das gesamte Honorar zu riskieren, kann leicht vermieden werden. Es gibt dazu unterschiedliche, weil projektabhängige Herangehensweisen.

  1. Fachliche Anforderungen bestimmen Kostenermittlung

    Sind bestimmte fachliche Vorgaben (z. B. Raumprogramm, Standards, technische Anforderungen) bereits vom Bauherrn als Planungsgrundlage vorgegeben, haben diese Einfluss auf die Höhe des Ergebnisses der Kostenermittlungen. Diese Tatsache regelt die DIN 276/18 in Ziffer 4.1, zweiter Spiegelstrich.

    Mit anderen Worten: In solchen Fällen müssen die Kosten nur auf der Grundlage der gesetzten Planungsvorgaben ermittelt werden. Im Anschluss wird mit dem Kostenziel abgeglichen. Der Bauherr kann schließlich Einsparungen bei Umfang oder Standards anordnen oder er passt seine Kostenvorstellungen an die Verhältnisse an.

  2. Kostenziele bestimmen Kostenermittlung

    Anders sieht es aus, wenn der Auftraggeber klar zu erkennen gegeben hat, dass er bestimmte Kostenziele verfolgt und sich die Planungsinhalte dieser Kostenvorgabe anpassen müssen. In diesem Fall muss die Beratung exakt darauf ausgerichtet sein.

    Diese umgekehrte Priorität, dass sich die Planungsinhalte nach den Kosten richten müssen, ist in DIN 276/18, Ziff. 4.1, erster Spiegelstrich geregelt.

Planungsberatung muss Auftragsziele würdigen

Für Planende kommt es also darauf an, direkt nach der Übernahme des Planungsauftrags die Präferenzen des Auftraggebers zu erkunden. Zu klären ist, welcher der oben skizzierten Fälle vorliegt. Diese Klärung kann auch unkompliziert in einem Gespräch erfolgen. Wichtig ist nur, dass ein Ergebnis herbeigeführt wird.

Die Erfahrungen aus der Praxis lehren, dass Auftraggeber im Moment die "Quadratur des Kreises" anstreben. Soll heißen: Die Kostenzielerreichung hat zwar oberste Priorität, dennoch geht der Auftraggeber wie selbstverständlich davon aus, dass auch das vorgegebene Raumprogramm und die gewünschten Standards eingehalten werden.

Einer solchen Taktik können sich Planende mit einem entsprechenden Beratungsschreiben erwehren, in welchem die fachlichen und kostentechnischen Zusammenhänge klar kommuniziert werden. Das folgende Muster kann dabei als Grundlage dienen.

Musterschreiben: Beratung bei Zielkonflikt "Planungsvorgaben – Kostenziele"

  • Sehr geehrte Damen und Herren,

    im Zuge der Einarbeitung und der Vorentwurfsplanung ist es notwendig geworden, dass wir mit Ihnen als Grundlage für die weitere Planungsvertiefung klären, ob die von Ihnen genannten Kostenziele des Projekts (... Euro inkl. MwSt. für die Kostengruppen ... gemäß DIN 276) mit den uns für die Planung vorgegebenen Daten (wie Raumprogramm, Standards, Materialien) in Übereinstimmung zu bringen sind.

    Betrachten Sie unsere Beratung im Hinblick auf die Kostensituation als Erfüllung unserer Aufgaben. Diese bestehen u. a. darin, die ursprünglich gesetzten Ziele

    • möglichst zu erreichen,
    • im Rahmen der Kontrolle regelmäßig zu hinterfragen,
    • bei sich ergebenden Bedenken rechtzeitig zu beraten, um ihnen eine Entscheidung zeitnah zu ermöglichen.

    Nach derzeitiger Kenntnis ist davon auszugehen, dass es bei gleichbleibenden fachlichen Anforderungen an die Planungsvorgaben inkl. Materialstandard zu relevanten Kostensteigerungen kommt. Um spätere Planungsänderungen, Terminverzögerungen oder Umdispositionen möglichst gering zu halten, ist es daher bereits jetzt erforderlich, dass Sie Entscheidungen in Bezug auf die voraussichtlich erforderlichen Finanzmittel oder die Berücksichtigung von Einsparmöglichkeiten treffen, da im Zuge der Leistungsphase 2 eine Reihe von Planungsinhalten endgültig festzulegen sind, die für das Gesamtprojekt relevant sind.

  • Zunächst bitten wir Sie daher um eine Stellungnahme, ob Sie bereit sind, entsprechende Kostensteigerungen zu tragen und die Finanzierung entsprechend anzupassen. Ist das nicht der Fall, würden wir bereits jetzt empfehlen, einige relevante Einsparungen vorzunehmen. Die größte Einsparmöglichkeit besteht darin, die BGF-Flächen zu reduzieren. Dem folgen (als zweite Präferenz) Einsparungen bei Standards und Funktionalitäten.

    Da der Planungsvertiefungsprozess eine stufenweise Vertiefung der Planung erfordert und auf der vorherigen Planung aufbaut, ist es erforderlich, dass Sie diese Entscheidungen jetzt treffen. Wir freuen uns, wenn es gelingt, innerhalb der nächsten sechs Wochen darüber und über die Frage der Projektkosten insgesamt eine einvernehmliche Lösung zu finden.

    Beachten Sie, dass sich die späteren Baukosten (verbindlich) erst aus den Verträgen ergeben, die Sie mit den Baufirmen schließen. Unsere aktuellen Kostenermittlungen sind also vorkalkulatorischer (unverbindlicher) Natur.

    Wir empfehlen, diese Kostenermittlungen noch mit einem Kostenpuffer von ca. 20 Prozent zu versehen. Damit wir für die Vorentwurfsplanung disponieren können, bitten wir Sie um entsprechende Rückäußerung bis zum ... (vier Wochen).

    Mit freundlichen Grüßen
  • Formgerechte Beratung begründet Anspruch auf Zusatzhonorar

    Die formgerechte Beratung des Bauherrn ist auch der entscheidende Hebel, um später ein Zusatzhonorar für die berechtigten Planungsänderungen abrechnen zu können, da hierfür ja immer eine Anspruchsgrundlage vonnöten ist.

    Zudem wird mit diesem Schreiben das Haftungsrisiko gemindert, da der Bauherr sich gemäß § 642 BGB entscheiden muss, welche Prioritäten er setzt.

    IHRE MEINUNG UND WÜNSCHE ZU UNSERER BERICHTERSTATTUNG

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