Fachbeiträge & Interviews
Dienstag, 29. November 2022
Ausgabe 7771 | Nr. 333 | 22. Jahrgang
Autor: Dipl.-Ing. Klaus D. Siemon, Kassel-Espenau
Herausgeber: IWW Institut für Wirtschaftspublizistik GmbH & Co. KG email-weiterempfehlendruckansicht

Zusammenarbeit zwischen Architekt und Fachplanern: OLG nennt Anforderungen

# 09.05.2008

Unterdeckungen beim Honorar haben ihren Grund unter anderem auch in der mangelhaften Effizienz der Zusammenarbeit der Planer untereinander. Effektive Planung bedeutet nicht nur Schnelligkeit, sondern auch, dass alle Partner eines Planungsteams wissen, was sie selbst zu leisten haben und was man von Beteiligten erwarten darf. Das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart hat jetzt klargestellt, wie eine mustergültige Zusammenarbeit zwischen Architekten und Tragwerksplanern auszusehen hat.

Architekt muss Anforderungen vorgeben

Das Schaubild fasst die Vorgaben des OLG Stuttgart zur Pflichtenverteilung zwischen Architekt und Fachplaner zusammen, Abb.: IWW Das Schaubild fasst die Vorgaben des OLG Stuttgart zur Pflichtenverteilung zwischen Architekt und Fachplaner zusammen, Abb.: IWW

Die Richter haben festgelegt, dass der Architekt seine Anforderungen an die Tragwerksplanung rechtzeitig darlegen muss, damit der Tragwerksplaner erkennt, was architektonisch und funktionell gewollt ist. Dazu gehört zum Beispiel die Festlegung, ob eine Wand im Gebäude eine Wohnungstrennwand (Schallschutz) ist oder nur eine Wand innerhalb einer Wohnung. Bei Reihenhäusern soll der Architekt zum Beispiel auch vorgeben, ob jedes Haus eine eigene Gründung erhalten soll oder die Reihenhauswände auf einem gemeinsamen Fundament stehen dürfen, obwohl sie schalltechnisch getrennt sind. Auch ob eine spätere Aufstockung oder der Aufbau eines Gründachs möglich sein soll, hat der Architekt vorzugeben.

Hat das Fachbüro gegen die Vorgaben des Architekten Bedenken, ist es gehalten, diese begründet vorzutragen, also den Architekten fachkundig zu beraten, so das OLG in seinem Urteil vom 14. Februar 2008 (Az: 2 U 73/07).

Checkliste

für Angaben der Architekten an Tragwerksplaner. Die folgende Checkliste enthält Angaben, die der Architekt dem Tragwerksplaner auf jeden Fall zugänglich machen muss:

  • Schallschutzanforderungen, Funktionsbeschreibung als Grundlage für Lastannahmen
  • Grundlegende Materialvorgaben und gegebenenfalls gestalterische Vorgaben zum Tragwerk (die genauen Materialangaben wie zum Beispiel Stahlgüte werden vom Tragwerksplaner geplant)
  • Gestalterische Vorgaben (zum Beispiel für sichtbare Tragelemente und Verbindungselemente aus Stahl)
  • Bauordnungsrechtliche Vorgaben (zum Beispiel Brandschutzanforderungen an das zu planende Tragwerk)
  • Angaben zum Deckensystem (zum Beispiel Unterzugsprinzip, Massivdecke ohne Unterzüge, Hohlkörperdecken, Lage von Durchbrüchen oder Öffnungen)

Rücklauf

der Fachplanung: Prüfpflicht des Architekten? Hat das Fachbüro seine Leistungen in enger Koordination erbracht, werden diese in die Architektenleistungen integriert. Integrieren bedeutet aber nicht, dass alle Fachplanerangaben in die Zeichnungen des Architekten übernommen werden müssen.

Im Rahmen der Grundleistungen nach § 15 Absatz 2 HOAI muss der Architekt dann prüfen, ob die Fachplanung grundlegende Mängel aufweist. Er ist nicht verpflichtet, die Planung des Tragwerkplaners auf fachliche Richtigkeit zu überprüfen. Er muss also zum Beispiel eine statische Berechnung nicht überprüfen. Diese Fachkenntnisse seien von ihm nicht zu erwarten, so das OLG Stuttgart.

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