Fachbeiträge & Interviews
Mittwoch, 23. Juni 2021
Ausgabe 7247 | Nr. 174 | 20. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Wohneigentumsquote: Bis 2030 nur geringes Wachstum

# 17.03.2021

Studie der Landes- und Bausparkassen sieht Anstieg auf 43,6 Prozent voraus. Urbanisierung und mehr Singlehaushalte erschweren Immobilienanschaffung. Wohlstandsentwicklung der Nachkriegsgenerationen wirkt weiter

Demografischer Wandel: Mehr Menschen leben alleine in der Stadt

Die Wohneigentumsquote steigt laut LBS-Prognose bis 2030 nur geringfügig. Grafik: Bundesgeschäftsstelle LBS Die Wohneigentumsquote steigt laut LBS-Prognose bis 2030 nur geringfügig. Grafik: Bundesgeschäftsstelle LBS

Demografische, also die Bevölkerung betreffende Veränderungen haben den größten Einfluss auf die durchschnittliche Wohneigentumsquote in Deutschland. Ein dämpfender Effekt resultiert dabei aktuell zum einen aus dem Sog der Städte und zum anderen aus dem Trend, allein zu wohnen.

Aufgrund der hohen Immobilienpreise ist ein Leben in der Stadt für die meisten Menschen notgedrungen an das Wohnen zur Miete gebunden.

Auch Alleinlebende sind oft verhinderte Wohneigentümer, denn sie haben es schwerer, eine Immobilienfinanzierung zu stemmen als Doppelverdienerhaushalte.

Leichter Zuwachs der Eigentumsquote um 1,5 Prozent

In einer Projektion, die das Berliner Forschungsinstitut empirica im Rahmen der Wohneigentumsstudie für die Landesbausparkassen für das Jahr 2030 berechnet hat, wirkt der demografische Effekt für sich genommen in Ostdeutschland negativer als in Westdeutschland.

Die LBS-Studie basiert auf Daten der aktuellen Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) des Statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2018. Unter Status-quo-Bedingungen ist demnach für ganz Deutschland nur noch eine leichte Zunahme der Wohneigentumsquote von 42,1 Prozent (2018) auf 43,6 Prozent im Jahr 2030 zu erwarten. Vorausgesetzt wird hierbei, dass die Baukosten und Baulandpreise in Relation zu den Einkommen weder sinken noch steigen.

Ost- und Westdeutschland nähern sich weiter an

In Westdeutschland ist mit einem Selbstnutzeranteil von etwas mehr als 45 Prozent zu rechnen. Dies würde ein niedrigeres Niveau als 2013 bedeuten. In Ostdeutschland (ohne Berlin) hingegen könnten trotz des demografischen Wandels 2030 gut 41 Prozent der Haushalte in den eigenen vier Wänden leben, was einem Anstieg um rund fünf Prozentpunkte entspricht.

Dabei werden die Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur laut LBS von zwei anderen Entwicklungen überkompensiert. Zum einen wirkt bis 2030 der sogenannte Wohlstandseffekt. Dabei ist entscheidend, dass die Nachkriegsgenerationen öfter in Eigentum leben als ihre Eltern.

Nachholeffekt in Ostdeutschland kompensiert negative Effekte

Zum anderen kommt in Ostdeutschland der historische Rückstand in Sachen Wohneigentumsbildung gegenüber dem Westen hinzu. Es gibt noch mehr unerfüllte Wünsche nach der eigenen Immobilie und auch noch mehr bezahlbares Bauland.

Dieser Nachholeffekt hat einen Anteil von fünf Prozentpunkten an der Entwicklung in Ostdeutschland bis 2030 und ist damit nach Einschätzung der Studienautoren allein verantwortlich für die zu erwartende Steigerung der Wohneigentumsquote, da sich der demografische und der Wohlstandseffekt gegenseitig nahezu aufheben.

LBS fordert Freibetrag in der Grunderwerbsteuer

Ansatzpunkte für eine stärkere als die prognostizierte Wohneigentumsbildung sind laut LBS die Erwerbsnebenkosten, die Baulandpreise und die Baukosten. Ein Freibetrag in der Grunderwerbsteuer für Erstkäufer oder -bauherren könnte demnach die Schwelle zum Eigentum spürbar senken. Das derzeit im Bundestag diskutierte Baulandmobilisierungsgesetz könne dazu beitragen, in Zukunft mehr Fläche zu mobilisieren, so die Bausparexperten.

Empirica und LBS Research schlagen zudem vor, Familien in urbanen Zuzugsgebieten den Weg in die eigenen vier Wände zu erleichtern, dort aber gerade auch für Singles und kinderlose Paare ein zielgruppenspezifisches, eigentumsaffines Angebot zu schaffen.

Infrastruktur im ländlichen Raum für Wohneigentumsbildung entscheidend

Um den Eigentumserwerb im Umland attraktiver zu machen, müssten laut LBS die Verkehrsanbindung verbessert, sauberer und pünktlicher ÖPNV zügig ausgebaut und Radschnellwege möglichst kreuzungs- und autoverkehrsfrei angelegt werden.

Auf dem Land seien städtebauliche und Infrastrukturinvestitionen nötig. Zwischen Dörfern, Ankerstädten und regionalen Zentren müsste zudem eine bessere Abstimmung und Aufgabenteilung gelingen.

Ihre Bewertung für diesen Fachbeitrag
von 5 Sternen | Abstimmungen
Kurz-Link  Kurz-Link zu diesem Beitrag:
https://www.bauingenieur24.de/url/700/3319