Fachbeiträge & Interviews
Montag, 18. März 2019
Ausgabe 6419 | Nr. 77 | 18. Jahrgang
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Herausgeber: IWW Institut für Wirtschaftspublizistik GmbH & Co. KG IWW Institut für Wirtschaftspublizistik GmbH & Co. KG email-weiterempfehlendruckansicht

Aufnahmetest vor Ausbildung sinnvoll

# 03.06.2014

Planungsbürospezifische Prüfung erleichtert richtige Auswahl. Praktische Übungen neben schriftlichen sinnvoll. Gesamtbild für erfolgreiche Zusammenarbeit entscheidend

Einstellungstest auf Position zuschneiden

Bevor ein Ausbildungvertrag unterschrieben wird, sollte die Eignung eines Bewerbers gründlich getestet werden. Foto: GG-Berlin  / Pixelio Bevor ein Ausbildungvertrag unterschrieben wird, sollte die Eignung eines Bewerbers gründlich getestet werden. Foto: GG-Berlin / Pixelio

Wie filtert man aus einer Vielzahl an Bewerbern für einen Ausbildungsplatz den oder die richtigen Auszubildenden heraus? Wie verhindert man teure Fehleinstellungen? Auf diese Herausforderungen hat unser Büro eine eigene Lösung gefunden: Wir führen Einstellungstests durch, um auszuloten, ob Bewerber über die Fähigkeiten verfügen, die in bautechnischen Berufen ganz besonders benötigt werden, nämlich räumliches Vorstellungsvermögen und Konzentrationsfähigkeit.

Vorbereitungsphase: Wen suchen wir?
Für das Einstellungsjahr 2014 begann die Vorbereitung beispielsweise schon im Oktober 2013. In diesem Monat wurde der Bedarf an Ausbildungsstellen zum 1. September 2014 ermittelt. Die Geschäftsleitung entschied sich, je einen Ausbildungsplatz auszuschreiben für einen Bauzeichner Fachbereich Statik, einen technischen Systemplaner für Gebäude- und Ausrüstungstechnik, einen technischen Systemplaner für elektrotechnische Systeme und einen Fachinformatiker für Systemintegration.

Nach einer solchen "Bedarfsanalyse" werden in jedem Jahr über einen Zeitraum von zwei Monaten Bewerbungen gesammelt. Sechs Bewerber des jeweiligen Berufsfeldes kommen in die engere Wahl und werden getrennt voneinander zu einem Bewerbungstag eingeladen.

Auswahlphase: Wer passt zu uns?

Der Bewerbungstag ist in vier Stufen gegliedert:

Stufe Eins - Das Vorstellungsgespräch
Der Bewerber stellt sich zunächst selbst vor. Uns ist hier vor allem die Aussage wichtig, warum er sich für den konkreten Ausbildungsberuf entschieden hat. Dann stellen wir Fragen zu "Hobbies", "Vorstellungen über die Ausbildung", "Erfahrungen über bisherige Praktika" und andere Themen. Diese dienen dazu, erste Eindrücke über die Person zu gewinnen.

Stufe Zwei - Der Einstellungstest
Im zweiten Teil des Bewerbungstags absolviert der Bewerber einen schriftlichen Einstellungstest, der sich aus einem allgemeinen und einem fachspezifischen Teil zusammensetzt. Im allgemeinen Teil werden für alle Ausbildungsberufe die gleichen Fragen gestellt. Dieser Test ist sehr breit gefächert und reicht von grundlegenden Fragen aus der Mathematik und Allgemeinbildung bis zu Sprach- und Logikaufgaben sowie einer Konzentrationsübung.

Bei den Fragen stehen den Bewerbern jeweils mehrere Antwortmöglichkeiten zur Verfügung, von denen die richtige auszuwählen ist. Der Test fordert nicht nur Konzentration, sondern auch Belastbarkeit und die Bereitschaft, sich auf verschiedene Aufgaben einzustellen.

Der fachspezifische Teil ist auf den jeweiligen Ausbildungsberuf zugeschnitten. Hier werden einfache Grundkenntnisse getestet, die man während der Schulzeit erlernt oder sich durch persönliches Interesse angeeignet hat.

Praxishinweis
Bei der Ausbildung zum Bauzeichner haben wir zum Beispiel räumliches Vorstellungsvermögen und Geometrie anhand von aufgeklappten Würfeln und Figuren getestet. Beim Ausbildungsberuf zum Fachinformatiker werden EDV-Kenntnisse wie zum Beispiel "Wie viel Bits hat ein Byte?" oder "Was bedeutet Bluetooth?" abgefragt. Der Ausbildungsberuf Systemplaner verlangt Kenntnisse im physikalischen Bereich und technisches Vorstellungsvermögen.

Stufe Drei - Praktische Übungen
Um das praktische Verständnis zu testen, lassen wir den Bewerber praktische Übungen durchführen. Dies erfolgt im Anschluss an den theoretischen Teil in der jeweiligen Abteilung und umfasst die Lösung kleinerer Aufgaben aus dem Arbeitsalltag.

Stufe Vier - Die Auswertung und Nachbesprechung
Während der Bewerber seinen praktischen Teil durchläuft, wird der Einstellungstest ausgewertet. Das hat den Vorteil, dass unser Büro "am Ende des Tages" einen sehr guten weil umfassenden Überblick über den Bewerber gewonnen hat. Das Ergebnis dieser, d.h. unserer Meinungsbildung erhält der Bewerber dann in einer persönlichen Nachbesprechung. Dort hat der Bewerber auch die Möglichkeit, über den praktischen Teil sowie seine Stärken und Schwächen im Testverfahren zu berichten.

Praxishinweise

Entscheidend für die Auswahl ist das Gesamtbild. Es ist schon vorgekommen, dass wir Bewerber eingestellt haben, die im Allgemeinbildungs-Test schlecht abgeschnitten haben, diese Defizite aber durch das persönliche Erscheinungsbild oder besonders gutes räumliches Vorstellungsvermögen kompensieren konnten.

Schulnoten sind weniger entscheidend. Das Interesse und Engagement für den Ausbildungsberuf steht für uns an erster Stelle.

Wichtige Eigenschaften sind neben den genannten natürlich auch Teamfähigkeit und Eigeninitiative.

Unser Büro ist mit der Entscheidung, sich bei der Auswahl der Auszubildenden nicht nur auf die Noten, das Gespräch und das "Bauchgefühl" zu verlassen, sondern mit dem berufsspezifischen Einstellungstest eine "vierte Dimension" hinzuzufügen, sehr zufrieden. Die Erfahrungen sind rundherum positiv.

Pamela Reiß

ist Personalverantwortliche bei pbb Planung + Projektsteuerung GmbH in Ingolstadt. Wenn Sie das Thema "planungsbürospezifischer Aufnahmetest" interessiert und Sie zusätzliche Informationen wünschen, können Sie sich gern direkt an Frau Reiß wenden: Pamela Reiß, Tel. 0841/88585-67 oder E-Mail: [email protected]

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