Fachbeiträge & Interviews
Freitag, 22. März 2019
Ausgabe 6423 | Nr. 81 | 18. Jahrgang
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Aufschieberitis schadet nur mir

# 04.10.2013

Hinauszögern anstehender Arbeitsschritte kann Umsatzverluste bedeuten. Lösung liegt bei jedem selbst. Planen und Delegieren hilft

Es kann jeden (be-)treffen

Das sprichwörtliche Auf-die-lange-Bank-schieben hilft auf lange Sicht keinem Unternehmen. Foto: RainerSturm  / Pixelio Das sprichwörtliche Auf-die-lange-Bank-schieben hilft auf lange Sicht keinem Unternehmen. Foto: RainerSturm / Pixelio

Zuerst die gute Nachricht: "Aufschieberitis" ist keine ausschließliche Ingenieurserscheinung. Sie trifft alle Menschen und Berufsgruppen, ohne Rücksicht auf Geschlecht, Herkunft, Religion.

Jetzt die schlechte Nachricht: "Aufschieberitis" kann sie jeden Tag treffen und sie schadet in erster Linie Ihnen selbst. Anderen ist es meist egal, ob Sie an "Aufschieberitis" leiden.

Was ist wichtig, was dringend?
Sie schieben Dinge niemals auf, insbesondere wichtige, auch größere und vermeintlich schwierigere Dinge nicht? Wunderbar, dann brauchen Sie auch nicht weiter zu lesen, sondern können diesen Beitrag überspringen.

Alle anderen, die sich möglicherweise gelegentlich oder sogar regelmäßig dabei ertappen, Übersprunghandlungen auszuüben, unwichtige, aber vermeintlich dringend zu erledigende Dinge, wichtigen, aber noch nicht so dringenden Dingen vorzuziehen oder sich generell über einen Wust an "To-Dos" beschweren, der einfach nicht geringer wird, finden sich in einer der nächsten drei Szenen vielleicht wieder.

Szene1:
Der zugesagte Fachartikel? Ach ja, der muss ja auch noch geschrieben werden. Abgabe? Übermorgen. Hat also noch Zeit. Erstmal aufräumen, das wollte ich ohnehin schon lange tun. Einen Tag später: Der Artikel? Ach, den schreibe ich morgenfrüh schnell. Am nächsten Morgen: Ach herrje, der Artikel. Rasch den Redakteur anrufen, ob es auch morgen noch geht. Nicht? Heute Früh ist Redaktionsschluss? Wie schade, dann beim nächsten Mal, vielleicht?

Szene 2:
Das klärende Kundentelefonat mit diesem schwierigen Kunden müsste ich eigentlich führen. Aber da waren auch noch zwei, drei Dinge, die die Kollegen mit mir besprechen wollten, ganz eilig. Da muss ich hin. Den Kunden rufe ich morgen an. Einen Tag später: Das Kundengespräch? Richtig, ganz wichtig, aber erstmal muss ich noch die Unterlagen sichten, damit ich auch im Bilde bin. Und am Nachmittag habe ich schon wieder eine Projektsitzung. Einen Tag später: Der Kunde ruft an und verlangt eine sofortige Klärung des strittigen Punktes. Schade, Chance vertan.

Szene 3:
Das Angebot, meine Güte, richtig, das hatten wir ja in der letzten Woche für diesen Freitag zugesagt. Warte mal, heute ist Dienstag, der Tag ist quasi um, Mittwoch ist ganz schlecht, jede Menge Besprechungen, Donnerstag wird’s eng, aber das passt dann schon. Donnerstag: Das Angebot? Natürlich. Du liebe Güte, den Aufwand habe ich ja massiv unterschätzt. Einige Stunden später: Wo sind die Kollegen, wenn man sie braucht? Alle schon im Feierabend und ich sitze immer noch hier an diesem Angebot. Muss man denn alles selber machen? Freitag: Das können wir so nicht abgeben, es sind einfach zu viele Unsicherheiten enthalten. Der Kunde wird das sicher verstehen, schließlich will er ja auch eine perfekte Leistung haben. Anruf beim Kunden. Wie bitte? Sie haben sich auf unsere Zusage verlassen? Sie brauchen das Angebot heute, sonst sind wir aus dem Rennen?

Planen und Delegieren

Es gibt tausend Gründe, derenthalben Dinge aufgeschoben werden. Allen gemein ist, dass sie bei Ihnen liegen. Fünf Tipps gegen "Aufschieberitis":

  • Planen Sie große Themen. Ein komplexes Angebot schreibt sich nicht "einfach so". Möglicherweise müssen auch Kollegen einbezogen werden.
  • Unterscheiden Sie zwischen "dringend" und "wichtig". Die wichtigen Themen sind meist leiser als die dringenden, aber sie bleiben trotzdem wichtiger. Delegieren Sie dringende Themen.
  • Versprechen Sie nur Dinge, die Sie halten können. Halten Sie sie dann aber auch.
  • Verzichten Sie auf Perfektion. Das Bauwerk, das Sie planen, muss hochpräzise geplant sein, die meisten kaufmännischen Dinge müssen nicht perfekt sein.
  • Sparen Sie sich Ausreden. Fangen Sie einfach an.

Prof. Dr. Guido Quelle

ist geschäftsführender Gesellschafter der Mandat Managementberatung in Dortmund und hat bisher mehr als 120 Unternehmen und Organisationen dabei unterstützt, ihren Erfolg zu steigern und zu wachsen. Der Honorarprofessor lehrt an der SRH Hochschule für Logistik und Wirtschaft in Hamm/Westfalen "Strategy Consulting". Ende 2012 ist sein Buch "Profitabel wachsen - Wie Sie interne Bremsen lösen und Unternehmen neuen Schub geben" im Gabler-Verlag erschienen, beim Springer-Verlag auch in englischer Sprache.

Quellen-und-Verweise  QUELLEN UND VERWEISE:
Mandat Managementberatung GmbH
Hinauszögern Aufschieberitis Quelle Guido Arbeitsschritte Umsatzverluste Berufsgruppen Planen dringend wichtig delegieren kaufmännischen Zeitmanagement Berufswelt Bauingenieur https://www.bauingenieur24.de/fachbeitraege/berufswelt/aufschieberitis-schadet-nur-mir/2583.htm 684 de-DE
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