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Donnerstag, 21. Oktober 2021
Ausgabe 7367 | Nr. 294 | 21. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Ausbildungsoffensive: Mecklenburg-Vorpommern schafft neue Studienplätze im Bauingenieurwesen

# 01.10.2021

Ausweitung der Studienlandschaft auf drei Hochschulstandorte. Öffentliche Hand und Wirtschaft unterstützen neues Landeskonzept zur Ingenieurausbildung. Erster Jahrgang startet im Wintersemester mit 13 Studierenden

Norddeutschland: Problem der zu geringen Ausbildungsquote erkannt

In Mecklenburg-Vorpommern kann man nun an drei statt wie bisher nur an einem Standort Bauingenieurwesen studieren. Bildrechte: Hochschule Neubrandenburg In Mecklenburg-Vorpommern kann man nun an drei statt wie bisher nur an einem Standort Bauingenieurwesen studieren. Bildrechte: Hochschule Neubrandenburg

Die Frage, wie vakante Bauingenieurstellen besetzt werden können, beschäftigt Unternehmen im Planungs- und Bauwesen wie auch die öffentliche Hand nicht erst seit gestern.

Längst setzen beide Arbeitgebergruppen nicht mehr nur auf die Ansprache ausgebildeter Fachkräfte. Vielmehr wird inzwischen gezielt mit den Hochschulen zusammengearbeitet, um junge Leute für das Bauingenieurwesen und letztlich für sich zu gewinnen.

In Norddeutschland legte man diesbezüglich bereits vor einigen Jahren Hand an die Wurzel des Übels, nämlich der zu geringen Ausbildungsquote. So wurde 2018 ein zehn Jahre zuvor wegrationalisierter Studiengang Bauingenieurwesen in Schleswig-Holstein reanimiert (siehe Quellen und Verweise). Gleiches hat nun Mecklenburg-Vorpommern vollzogen.

BLU-Konzept: Neue Studiengänge in Kooperation mit Wirtschaft und Verwaltung

Im Rahmen des hochschulübergreifenden Landeskonzeptes zur Ingenieurausbildung im Bereich Bauen, Landschaft und Umwelt (BLU-Konzept) kann ab sofort wieder Bauingenieurwesen an der Hochschule Neubrandenburg wie auch an der Universität Rostock studiert werden. Das Bundesland hat dafür 2,5 Millionen Euro bereitgestellt.

Die Verantwortlichen verweisen explizit auf eine breite Unterstützung durch Praxispartner aus der öffentlichen Verwaltung und der Privatwirtschaft. So erhalten die Studierenden ab dem kommenden Wintersemester die Möglichkeit ihre Praxisphasen innerhalb der Kreisverwaltungen verschiedener Landkreise zu absolvieren.

Öffentliche Hand lockt angehende Bauingenieure mit finanzieller Förderung

Zudem wird ein Studienförderungsbeitrag in Anlehnung an den Tarifvertrag für Auszubildende des öffentlichen Dienstes (TVAöD) angeboten. Dieser beträgt aktuell im ersten Studienjahr bereits 1.018,26 Euro. Bei erfolgreichem Abschluss des Studiums bestehen nach Aussage der Landkreise "sehr gute Übernahmechancen" in die Kreisverwaltungen.

Viele Unternehmen aus der Region werben ebenfalls mit einer Festeinstellung nach erfolgreichem Abschluss sowie einer studienbegleitenden Einarbeitung und finanziellen Unterstützung. Dazu finden Studierende in den Betrieben Hilfe bei der obligatorischen Bachelor- oder Masterarbeit, zum Beispiel durch Mentoren.

Studium an zwei Standorten zum Start gut nachgefragt

Zum Start des neuen Bachelor-Studiengangs haben sich 13 Erstsemstler an der Hochschule Neubrandenburg im Fach Bauingenieurwesen eingeschrieben. Die Mindestbewerberzahl lag bei fünf. Johann Fröhlich, Professor für Baurecht und Baubetriebswirtschaft, freut sich über die hohe Nachfrage trotz der Aufteilung des Studiums auf die Hochschulstandorte Neubrandenburg und Wismar.

"Zwei Orte und zwei Hochschulen kennenzulernen, ist eine sehr gute Vorbereitung auf einen Beruf, in dem Mobilität und soziale Kompetenz sehr wichtig sind", sagte Fröhlich gegenüber der Zeitung Nordkurier.

Mecklenburg-Vorpommern kann Eigenbedarf an Bauingenieuren bislang nicht decken

Laut einer statistischen Erhebung wurden mit Stand 2020 in Mecklenburg-Vorpommern nicht einmal halb so viele Bauingenieure ausgebildet wie durch altersbedingtes Ausscheiden ersetzt werden müssten.

Zudem verließen zwei Drittel der bisher jährlich rund 50 Absolventen im Bereich Bauingenieurwesen nach Abschluss des Studiums das Land, was die Situation verschärfe. Das neue zusätzliche Studienangebot soll hier Abhilfe schaffen.

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Quellen-und-Verweise  QUELLEN UND VERWEISE:
Bauingenieure in Norddeutschland knapp
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