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Samstag, 25. Januar 2020
Ausgabe 6732 | Nr. 25 | 19. Jahrgang
Autor: Pressestelle
Herausgeber: Bayerische Ingenieurkammer - Bau email-weiterempfehlendruckansicht

Bachelor- und Masterstudiengänge an Bayerns Hochschulen immer beliebter

# 16.01.2002

Das Bachelor-Studium sei aber aufgrund der reduzierten Studiendauer qualitativ deutlich unterhalb des Diplom-Studiums einzuordnen

München - Studiengänge mit internationalem Bezug erfreuen sich immer größerer Beliebtheit bei Bayerns Studierenden. Wie Wissenschaftsminister Hans Zehetmair mitteilte, haben sich im Wintersemester 2000/2001 rund 1.300 Studentinnen und Studenten in die neuen Bachelor-und Masterstudiengänge eingeschrieben. Im Vergleich zum Vorjahr habe sich die Anzahl der Studierenden, die einen Bachelor- bzw. Masterabschluss anstreben, damit mehr als vervierfacht. Besonders gefragt seien die neuen Studiengänge bei ausländischen Studierenden: Der Anteil von Studierenden aus einem anderen Land mache fast 32 Prozent aus und liege damit erheblich über dem Ausländeranteil an allen Studierenden in Bayern von etwa 10 Prozent.

Über 160 Studiengänge mit internationalem Bezug haben die bayerischen Universitäten und Fachhochschulen in den vergangenen drei Jahren entwickelt. Die Studienangebote schließen zum Großteil mit den neuen akademischen Graden "Bachelor" und "Master" ab und sind zunächst zur Erprobung auf fünf Jahre befristet. Allein im vergangenen Jahr hat sich die Zahl der genehmigten international ausgerichteten Studiengänge an Bayerns Hochschulen von 120 auf 165 um über 35 Prozent erhöht. Die Einführung des "Bachelors" und des "Masters" war wesentliches Element der Studienstrukturreform des am 1. August 1998 in Kraft getretenen Bayerischen Hochschulreformgesetzes. Ziel ist vor allem, die Kompatibilität zwischen den herkömmlichen deutschen und ausländischen Abschlüssen zu verbessern.

Nach Meinung der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau eröffnet die Einführung der neuen, international ausgerichteten Studiengänge grundsätzlich die Chance, die Ingenieurausbildung in Deutschland an eine veränderte Marktlage anzupassen. Eine stillschweigende Abwertung der deutschen Diplom-Abschlüsse und eine Minderung der Ausbildungsqualität des Ingenieurnachwuchses kann der Internationalisierungsansatz jedoch nicht legitimieren. Nicht Bachelor oder Master, sondern das Diplom muss weiterhin Regelabschluss bleiben, fordert der Ausschuss für angestellte und beamtete Ingenieure.

Soweit Bachelor- und Masterabschlüsse probeweise eingeführt würden, müssten diese an allen deutschen (Fach-) Hochschulen und Universitäten zu "absolut gleichwertigen, wenn auch verschiedenartigen Abschlüssen führen." Das Bachelor-Studium sei aber aufgrund der reduzierten Studiendauer (und ggf. auch reduzierter Zugangsvoraussetzungen) qualitativ deutlich unterhalb des Diplom-Studiums einzuordnen. Hingegen müsse sich das Master-Studium in seiner Qualität und in seinen Bildungsinhalten am Diplom-Studium messen lassen und als Mindestforderung dessen Niveau erreichen.

Ohne zusätzliche Qualifizierung werden Bachelor-Absolventen die Tore der Ingenieurkammern versperrt bleiben, warnt der Ausschuss. Der Aufstieg in den Kreis der Bauvorlageberechtigten wird Bachelor-Absolventen erst mit einer aufbauende Ausbildung gelingen, heißt es in dem Positionspapier weiter. Anders stelle sich die Lage bei Master-Absolventen dar, die die Anforderungen an die spätere Erteilung der Bauvorlageberechtigung grundsätzlich erfüllen würden. Allerdings steckt auch hier der Teufel im Detail: In den Landesbauordnungen sind bisher weder Bachelor- noch Master-Abschlüsse noch diesen zugeordnete Kompetenzen aufgeführt.

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