Fachbeiträge & Interviews
Sonntag, 25. August 2019
Ausgabe 6579 | Nr. 237 | 19. Jahrgang
Autor: Michael Braun
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Bauindustrie beklagt Ingenieurmangel

# 01.09.2011

Ingenieure werden dringend benötigt – das ist nicht neu. Bisher hatten aber vor allem Maschinenbauer und Betriebe aus der Elektroindustrie Alarm geschlagen. Jetzt warnt auch die Bauindustrie. "Die Lage wird sich verschärfen", sagt Michael Knipper, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie.

Jedes achte Bauunternehmen klagt über eine zunehmende Abwerbung eigener Arbeitskräfte, Abb.: Gerd Altmann AllSilhouettes.com / Pixelio Jedes achte Bauunternehmen klagt über eine zunehmende Abwerbung eigener Arbeitskräfte, Abb.: Gerd Altmann AllSilhouettes.com / Pixelio

"Ingenieurmangel ist nicht nur ein Problem des Maschinenbaus, des Fahrzeugbaus oder der Elektroindustrie. Auch die deutsche Bauindustrie steuert auf eine Ingenieurlücke zu", sagt Michael Knipper. Er fordert deshalb die Bundesagentur für Arbeit auf, die Vorrangprüfung, nach der zuerst im Inland nach Arbeitskräften gesucht werden muss, ehe ausländische Fachkräfte angeworben werden dürfen, auch für Bauingenieure aufzuheben. "Es kann nicht sein, dass die langwierige und bürokratische Einzelfallprüfung nur für ausländische Elektro-, Maschinenbau- und Fahrzeugbauingenieure aufgehoben wird, die Baubranche aber weiterhin unter Fachkräftemangel leiden soll", sagt der Hauptgeschäftsführer.

"Auch uns gehen inzwischen die qualifizierten Führungskräfte aus", stellt Michael Knipper fest. Nach den jüngsten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit seien im Juli 2011 auf knapp 1800 gemeldete offene Stellen für Bauingenieure nur etwa 2900 arbeitslose Bauingenieure gekommen. Dies sei die niedrigste Arbeitslosenzahl und das höchste Stellenangebot für Bauingenieure seit über zehn Jahren. Knipper: "Dabei liegt die Meldequote für offene Ingenieurstellen nur bei etwa 15 Prozent. Die Zahl der offenen Stellen fällt also mehr als sechs Mal so hoch aus." Mittelfristig könnte sich der Mangel an Fachkräften auch in der Bauwirtschaft immer mehr zu einer Wachstumsbremse entwickeln, glaubt Knipper.

Darauf deutet auch eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hin, in der 40 Prozent der befragten Bauunternehmen in der drohenden Fachkräftelücke ein Risiko für die weitere wirtschaftliche Entwicklung ihres Unternehmens sehen. Nach einer Sonderumfrage des ifo Instituts im Rahmen des Konjunkturtests für die Bauindustrie klagt mittlerweile jedes achte Bauunternehmen über eine zunehmende Abwerbung eigener Arbeitskräfte durch andere Bauunternehmen. Mit ähnlichen Problemen hatte die Baubranche zuletzt während des Wiedervereinigungsbooms zu kämpfen.

"Die Lage wird sich verschärfen", erwartet Michael Knipper. "Während vor zehn Jahren nur 37 Prozent der Bauingenieure älter als 45 Jahre waren, sind es jetzt schon 46 Prozent. Es entscheiden sich zwar wieder mehr junge Leute für ein Studium des Bauingenieurwesens. Allein aus diesen Nachwuchskräften werden wir jedoch auf die Dauer die Bauingenieurlücke nicht schließen können", sagt der Verbandsvertreter.

Kurz-Link  Kurz-Link zu diesem Beitrag:
https://www.bauingenieur24.de/url/700/2400